Formel 1 Wieder keine optimale Bewerbung

Formel-1-Pilot Pascal Wehrlein fährt in São Paulo nur auf Rang 14 und muss weiter um seine Zukunft in der Königsklasse bangen. Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel holt sich den Sieg in Brasilien

Nun ist es wahrlich nicht einfach, sich mit einem unterlegenen Auto für kommende Aufgaben zu bewerben. Doch genau das muss Pascal Wehrlein tun. Seine Zukunft in der Formel 1 ist mehr als ungewiss, der Worndorfer hat noch immer keine Zusage für das kommende Jahr. Mit seinem Sauber-Rennwagen aus der Schweiz hat er ebensolche Erfolgsaussichten wie in einem Boxkampf gegen einen der Klitschko-Brüder. Das weiß Wehrlein, das wissen seine Chefs und das wissen seine Fürsprecher bei Mercedes. So sind die bisherigen fünf WM-Punkte keine schlechte Ausbeute. Ein wirkliches Highlight aber konnte Wehrlein auch nicht setzen. Auch nicht beim gestrigen Rennen in São Paulo, das er auf dem 14. Rang beendete, noch hinter seinem Teamkollegen Marcus Ericsson, das dürfte richtig schmerzen.

Die Schlagzeilen an der Spitze produzieren andere. Sebastian Vettel mit seinem Sieg, Mercedes-Rivale Lewis Hamilton mit einer atemberaubenden Aufholjagd. Als Letzter war er nach einem Unfall in der Qualifikation aus der Boxengasse gestartet, als Vierter kam er ins Ziel. Eine würdige Leistung für einen Weltmeister. Vettel immerhin konnte den Angriff von Valtteri Bottas auf Gesamtrang zwei abwehren und darf sich wohl nach dem letzten Rennen in zwei Wochen in Abu Dhabi Vizeweltmeister nennen. Immerhin. Aber natürlich nicht das, was sich Vettel mit Ferrari erhofft hatte. Der WM-Titel hätte es werden sollen. Wenn, ja wenn da dieser pfeilschnelle Brite nicht wäre. „Es war hart in den letzten Wochen, das tut dem Team hier und in Maranello gut. Jetzt gibt es noch einen Drink und dann schauen wir mal weiter“, sagte Vettel nach dem 47. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Spaß dürfte Hamilton das Rennen gestern gemacht haben. Nur wenige Runden dauerte es, bis er schon in Reichweite des Podests war, am Ende allerdings kam er an Kimi Räikkönen im Ferrari nicht mehr vorbei.

Und Pascal Wehrlein? Der wechselte früh die Reifen, klagte wenig später über einen Leistungsverlust seines Rennwagens, um aber immerhin das Rennen zu Ende fahren zu können. Wehrlein ist noch immer bei Mercedes angestellt, was für ihn Segen und Fluch zugleich ist. Zum einen kann er sich bei allen Verhandlungen auf seinen Mentor Toto Wolff verlassen. Zum anderen aber ist er für Teams ohne Mercedes-Motor damit nicht wirklich interessant. Was zur Folge hat, dass Wehrleins einzige Cockpit-Option für die neue Saison bei Williams sein dürfte. Dort verabschiedete sich Felipe Massa endgültlig in den Ruhestand, gestern fuhr der Brasilianer ein emotionsgeladenes letztes Heimrennen.

Wehrleins Hauptkonkurrent für die Nachfolge Massas ist Robert Kubica. Der Pole verließ 2010 die Formel 1, 2011 zerstörte ein Rallye-Unfall fast seinen rechten Unterarm. Und nun hofft er auf das große Comeback. Helfen soll ihm dabei Nico Rosberg, der Kubica berät. Doch wer ist im Vorteil? Wehrlein oder Kubica? Der eine ist 23 Jahre und eine Hoffnung für die Zukunft. Der andere wird bald 33 Jahre. Vorteil Wehrlein also? Mitnichten. Williams hat den Alkoholhersteller Martini als wichtigen Sponsoren, und für den dürfte Wehrlein nicht überall werben. Das geht erst ab 25 Jahren. Zu jung also für eine weitere Zukunft in der Königsklasse?

Die bisherige Saison des Pascal Wehrlein

Viel versucht, oft gelitten und immerhin fünf WM-Punkte für Sauber gesammelt: Die bisherige Saison von Pascal Wehrlein hatte Höhen und Tiefen – ein Überblick über das Jahr des Worndorfers:

  • Australien und China: Die ersten beiden Rennen verpasste Wehrlein wegen gebrochener Wirbel am Rücken. Die Verletzung hatte er sich beim Race of Champions in Miami zugezogen. Ein denkbar ungünstiger Saisonstart.
  • Bahrain: Zum ersten Mal saß Wehrlein in Bahrain für Sauber im Cockpit. Er holte Rang elf und verpasste die Punkte damit nur ganz knapp.
  • Russland: In Sotschi lief es für den Worndorfer nicht wirklich nach Wunsch. Rang 16 stand am Ende.
  • Barcelona: In Spanien fuhr Wehrlein sein bestes Saisonrennen. Am Ende landete er auf Platz acht und sammelte vier Punkte für Sauber. Ein Lichtblick beim Europaauftakt.
  • Monaco: Wegen eines Unfalls musste Wehrlein beim Saisonhöhepunkt vorzeitig aufgeben. Er kollidierte mit dem McLaren-Honda von Jenson Button und blieb mit seinem Rennwagen senkrecht zur Streckenbegrenzung liegen. Immerhin blieb er unverletzt.
  • Kanada: Unfall in der Qualifikation, das Wochenende über langsamer als Teamkollege Marcus Ericsson und am Ende Rang 15: Montreal war für Wehrlein nicht wirklich eine Reise wert.
  • Aserbaidschan: Besser wurde es auf dem Stadtkurs in Aserbaidschan. Der 23-Jährige holt sich mit Rang zehn einen weiteren WM-Punkt.
  • Österreich, England, Ungarn: Vor der Sommerpause nur noch ernüchternde Ergebnisse: Die Plätze 14, 17 und 15 sorgen für betrübte Mienen. Dabei hätte es im zweiten Jahr doch besser werden sollen als zuletzt bei Manor.
  • Belgien, Italien: Auch nach der Pause wenig Neues. Technischer Defekt in Spa, nur Platz 16 in Monza mit einem deutlich unterlegenen Rennwagen.
  • Singarpur, Malaysia, Japan: Die Asienreise bringt keine weiteren Punkte mit den Plätzen zwölf, 17 und 15.
  • USA: Schon nach Runde eins ist Wehrleins Rennen beendet. Er war unverschuldet mit dem Haas-Piloten Kevin Magnussen kollidiert. Schon die Qualifikation war enttäuschend, als Kollege Ericsson schneller war.
  • Mexiko: Mit Rang 14 musste Wehrlein zufrieden sein. Das Bittere: Auch in Mexiko ist er in der Qualifikation langsamer als sein Teamkollege. (sma)

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