Volleyball Von Euphorie will der VfB Friedrichshafen noch nichts wissen

VfB Friedrichshafen startet in die Bundesliga-Saison. Volleyballer haben den Titel fest im Visier

Trainingsende in der Friedrichshafener ZF-Arena – Vital Heynen scheint nicht gerade happy. Der Trainer des VfB Friedrichshafen redet intensiv auf den Kreis seiner verschwitzten Spieler ein. Was er ihnen sagt, ist oben in der VIP-Lounge des Volleyball-Bundesligisten nicht zu verstehen. Die Gesten des Belgiers lassen aber einen Schluss zu und werden wenig später von ihm bestätig: „Ich muss jetzt böse sein“, sagt der VfB-Coach, und schmunzelt schelmisch.

Böse mit dem Supercupsieger vom vergangenen Sonntag? Jener Mannschaft, die in einem großartigen Spiel vor gut 6000 Fans den ersten Titel der Saison gewonnen hat, mit einem souveränen 3:1 über den Deutschen Meister Berlin RV? Ihm gehe es darum, erklärt Heynen sein auf den ersten Blick unerwartetes Verhalten, die Euphorie der Spieler zu dämpfen, weil „die sich zu gut fühlen“. Seine Spieler schnell zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Und der heißt: Schön, dass der VfB auch dieses Jahr den Supercup gewonnen hat und möglicherweise den DVV-Pokalerfolg wieder holt. Aber das sind nicht die Ziele eines Vital Heynen. „Wir haben vergangene Saison alles gewonnen“, schaut er zurück – bis auf zwei Spiele. Die letzten der Saison machten Berlin zum Deutschen Meister. Das soll sich nicht noch einmal wiederholen.

„Wir wissen, was zu tun ist“, sagt der Trainer, der natürlich nichts dagegen hat, wenn auf dem Weg durch die Saison „viele Höhepunkte“ erlebt werden. Nur das „Abflachen“ danach, das müsse verhindert werden. „Mit den beiden Cupsiegen sind wir nicht mehr zufrieden.“ Die Mannschaft habe das begriffen. Die große Sause wie nach dem ersten Supercupsieg und dem Erfolg im DVV-Pokal ist ausgeblieben, in der „ruhigen Kabine“ habe es lediglich „ein Bier gegeben“. Ein gutes Zeichen, lobt der Coach. Friedrichshafen will mehr. „Ich hasse Langeweile“, umschreibt Heynen drastisch, warum Supercup und DVV-Pokal bei ihm und wohl auch den Spielern keinen großen Hype mehr auslösen. In einer Mannschaft, die, nur punktuell verändert, von den Erfahrungen der gemeinsamen Saison 2017/18 profitieren und unbedingt Deutscher Meister werden will. „Ganz egal, ob wir in der Hauptrunde gewinnen oder verlieren“, macht Tomas Kocian deutlich, „in den Playoffs müssen wir bereit sein.“

Schwer genug wird das wohl werden. „Die Bundesliga ist klar besser geworden“, weiß Heynen. Solingen und Lüneburg hätten „sehr interessante Spieler“, und die United Volleys RheinMain beeindruckende, unglaublich große Spieler und Qualität“ geholt. Aus dem bisherigen Favoritenduo VfB und Berlin könnte ein Quartett werden, mutmaßt Heynen. Der mehrfache österreichische Meister und Champions-League-Teilnehmer Hypo Tirol Innsbruck, der mit Haching eine Spielgemeinschaft gegründet hat, steht bei ihm ganz oben auf der Rechnung. Auf den trifft der VfB Friedrichshafen am Sonntag in der ZF-Arena. Heynen begrüßt ausdrücklich, dass der österreichisch-deutsche Klub eine Wildcard für die Bundesliga bekommen hat. „Wir wollen, dass die Liga spannend wird“, sein Argument. Gut möglich, dass die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching dafür sorgen, dass Vital Heynen aus einem ganz anderen Grund beim Training am Montag mit seinen Spielern „böse“ sein muss.

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