Skispringen Stephan Leyhes erste Prämie war eine Juniortüte

Stephan Leyhe über seine Anfänge als Skispringer. Am Wochenende findet der Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt statt

Die Verlockung war dann doch zu groß. Mehrere Monate hatte Stephan Leyhe gezaudert. Immer wieder war er den Berg runtergefahren, in Richtung kleiner Schanze. Immer wieder aber war der damals Sechsjährige abgebogen, als es ernst wurde. Den ersten richtigen Sprung, und sei es auch nur über zehn, elf Meter, traute er sich einfach nicht zu. Bis seinem Vater ein Trick einfiel. Er schlug seinem Sohn einen Handel vor. "Springst du jetzt, gehen wir später zu McDonalds und es gibt eine Juniortüte", sagte der Vater. Das reichte offenbar. Denn plötzlich traute sich Stephan Leyhe. "Zuvor hatte ich richtig Schiss", sagt der heute 25-Jährige.

Mittlerweile ist Leyhe festes Mitglied im deutschen Weltcup-Team. Es war also durchaus die goldrichtige Entscheidung, seine Angst zu überwinden. Und auch vier Jahre später, als er sich als Zehnjähriger entscheiden musste: Skispringen oder Fußball. Leyhe blieb bei der Weitenjagd. Aufgewachsen ist er in Willingen in Hessen. Mit zwei Jahren hat er dort Skifahren gelernt. Später hat er dort sein Abitur gemacht.

Oberstdorf oder Schwarzwald, das war die nächste Entscheidung seines Lebens. Der Bauch sagte Schwarzwald, außerdem kannte er dort die meisten Wintersportler in seinem Alter. Die Trainingsbedingungen sind dort zudem für Skispringer besser. "Die Möglichkeiten in Willingen waren begrenzt, es war klar, dass ich weggehe", sagt Leyhe. Seit nun sechs Jahren wohnt Leyhe in Breitnau. "Ich fühle mich dort pudelwohl", sagt er. An diesem Wochenende steht der Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt auf dem Programm. "Mittlerweile bin ich da gelassener", sagt er, "früher war ich bei Heim-Weltcups viel aufgeregter". Egal ob in Willingen, seiner Heimatstadt, oder im Schwarzwald, seiner Wahlheimat. Vor Familie, Freunden und Bekannten zu springen, sorgte da oft für Nervosität. Die aber hat sich gelegt. Leyhe ist in den vergangenen Jahren entspannter geworden. Auch weil er sich von Jahr zu Jahr mehr an die Umstände im Weltcup gewöhnt hat.

In dieser Saison warten auf die Skispringer viele Höhepunkte. Ende des Jahres steht die Vierschanzentournee an, im Januar folgt die Skiflug-Weltmeisterschaft, im Februar Olympia in Südkorea. Ein Höhepunkt jagt den nächsten. Leyhe sagt: "Olympia steht natürlich über allem". Die Qualifikation für Pyeongchang ist das Ziel. Der 25-Jährige hat die Qualität dafür, weiß aber um die Schwere der Aufgabe. Die Konkurrenz im deutschen Team ist gewaltig – auch ohne Severin Freund, den Vorspringer der vergangenen Jahre. Freund ist verletzt, ihn vertreten an der Spitze allerdings Andreas Wellinger, Richard Freitag und Markus Eisenbichler mit Bravour. Zuletzt in Russland überzeugten vor allem diese drei mit sehr starken Leistungen. Sie dürften feste Kandidaten für Skiflug-WM und Olympia sein. Dahinter kämpfen Leyhe, Pius Paschke oder Karl Geiger um die restlichen freien Plätze. Andreas Wank, der andere Topskispringer aus dem Schwarzwald, spielt in diesem Kampf derzeit keine Rolle. Der 29-Jährige muss sich momentan im Continental-Cup beweisen und dort mit guten Leistungen für das Weltcup-Team anbieten. Keine leichte Aufgabe.

Stephan Leyhe weiß, wie sich große Erfolge anfühlen. 2016 gewann er mit der deutschen Mannschaft Silber bei der Skiflug-WM in Bad Mitterndorf. Und das obwohl ihm das Skifliegen nicht ganz so gut liegt. "Im Flug habe ich noch die meisten Defizite", sagt er. Wenn es darum geht, zum einen entspannt zu fliegen, zum anderen aber zum richtigen Zeitpunkt aggressiv über dem Ski zu sein. Das aber, das weiß Leyhe, kann er noch lernen. Das richtige Gefühl kommt von Flug zu Flug mehr. "Ich versuche, immer mit Freude und Lockerheit an die Sprünge zu gehen", sagt er. Wie jetzt auch in Titisee-Neustadt. "Ein Platz unter den besten zehn ist möglich", sagt er über das Einzelspringen am Sonntag. Für das Teamspringen am Samstag muss er sich erst noch empfehlen. Eine Chance sieht er aber auch da. Schließlich will er sich in seiner neuen Heimat bestmöglich präsentieren.

Der Zeitplan

  • Freitag 9.30 Uhr: Offizielles Training12 Uhr: Qualifikation für Sonntag
  • Samstag 15 Uhr: Probedurchgang16 Uhr: Teamspringen
  • Sonntag 14.30 Uhr: Probedurchgang15.30 Uhr: Einzelspringen

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