Olympia Nach dem Ausscheiden: Konstanzer Snowboardcrosser Berg will nicht von Olympiafluch sprechen

Der Konstanzer Snowboardcrosser Paul Berg ist im Viertelfinale in Südkorea ausgeschieden. Wieder einmal unverschuldet wie bereits in Sotschi. Von einem Olympiafluch will der 26-Jährige aber nicht sprechen.

Paul Berg fährt sich durch die Haare. Er blinzelt in die Sonne, sein Blick geht zur Anzeigentafel. Dort läuft gerade das Rennen von Martin Nörl. Er ist der einzige deutsche Snowboardcrosser, der sich für das Halbfinale qualifiziert. Am Ende wird Nörl Achter, den Olympiasieg holt sich der Franzose Pierre Vaultier. Er kommt am besten mit den Bedingungen zurecht, auch wenn sogar er im Halbfinale stürzt.

Berg dagegen scheidet früh aus. Im Viertelfinale, wie bereits vor vier Jahren in Sotschi. Wieder unverschuldet, diesmal stürzt ein Konkurrent. Der Konstanzer fällt ebenfalls in den Schnee. Es ist seine einzige Chance, den Zusammenstoß zu verhindern. Von einem Olympiafluch will Berg trotzdem nicht sprechen. „So etwas passiert einfach in unserer Sportart“, sagt er. Er muss aber früher zuschauen, als es ihm lieb ist. Seine Eltern warten im Zuschauerbereich, auch sie hätten ihren Sohn gerne erst später in den Arm genommen.

Die Schwestern von Paul Berg zittern zu Hause mit:

 


Berg ist trotzdem nicht schlecht gelaunt. Die Sonne strahlt, es herrschen angenehme Temperaturen. Perfekte Bedingungen für einen perfekten Tag im Phoenix Snow Park. Dort sind all die spektakulären Sportarten untergebracht. Von der Buckelpiste über Slopestyle hin zur Halfpipe und zur Snowboardcrossstrecke. Laut geht es hier zu. Lauter als beim Biathlon, Langlaufen oder Skispringen. Viele US-amerikanische Fans stehen hier im Schnee oder sitzen auf der Tribüne. Die ist trotzdem nur halb gefüllt. „Das ist schade. Das ist vielleicht nicht Kreisliga hier, aber nur dritte Liga“, sagt Konstantin Schad. Es ist der dritte deutsche Starter an diesem Tag. Er scheidet schon in Runde eins aus.

"Ich habe ein Problem damit, mit jedem Sprung mein Genick zu riskieren"

Einen perfekten Tag brauche er, hat Paul Berg vor dem Wettbewerb gesagt, um um eine Medaille kämpfen zu können. Es wird kein perfekter Tag. Der erste Lauf ist stark. Berg fährt vorneweg, am Ende qualifiziert er sich als Zweiter für das Viertelfinale. Es sieht gut aus. Doch schon in den ersten Läufen zeichnet sich ab, was sich später verschärfen sollte. Immer mehr Starter stürzen. Die Strecke ist extrem schwierig. Das Tempo ist hoch, die Sprünge gehen weit. Zu weit, die Landung ist oftmals im Flachen. Das ist gefährlich und schmerzhaft. Schad sagt: „Ich habe ein Problem damit, mit jedem Sprung mein Genick zu riskieren.“ Der 30-Jährige spielt mit dem Gedanken,  in Zukunft auf Olympia zu verzichten. „Man will anscheinend sehen, dass alles weit und spektakulär geht. Wenn es in die Richtung geht, ist es vielleicht auch bald mal ohne mich.“ Sein Körper ist durch viele Jahre auf dem Snowboard schon geschädigt. Knie, Sprunggelenke, Rücken – die Probleme sind vielfältig.

Auch Berg war schon schwer verletzt. Vor gut zwei Jahren rissen die Bänder im Knie. Dennoch kennt er bei Olympia keine Angst. Er sagt: „Der Kurs macht richtig Spaß“, schränkt aber ein: „Für unser Tempo sind die Sprünge zu weit.“ Die Athleten hatten ihre Sorgen angesprochen, geändert wurde nichts mehr. Natürlich, sagt Berg, dürfe ein Olympischer Wettbewerb nicht zu einfach sein. Die guten Fahrer sollten sich vom Rest absetzen können. Aber muss es gleich so schwer sein? Paul Berg weiß, dass er sich keine einfache Sportart ausgesucht hat. Er sagt: „Wir sind die am schwersten zu kalkulierende Disziplin.“ Weil eben nicht nur die eigene Leistung entscheidend ist, sondern auch das Glück im Kampf gegen die Konkurrenten. 

Die Hoffnungen auf eine Medaille waren groß. Berg hat in dieser Saison schon einen Weltcup gewonnen, auf dem Feldberg wurde er zuletzt Dritter. „Das ganze Team ist gut drauf“, sagt er. Am Tag X aber fehlt das Glück. Das Halbfinale war für den 26-Jährigen auf jeden Fall möglich. Vielleicht sogar noch mehr. Darüber aber macht er sich keine Gedanken mehr. Er ist mit sich im Reinen und sagt: „Diesmal habe ich mich noch akribischer vorbereitet als 2014, da war noch jugendlicher Gleichmut dabei.“ Den hat er abgelegt. In den Tagen vor seinem Wettkampf ist er voll fokussiert. Einen Tag vor dem Start geht er noch ins Deutsche Haus, um dort im Kraftraum zu trainieren. Zwar gibt es den auch im Olympischen Dorf, dort sei es aber zu voll und zu laut.

Nun, nach dem Wettkampf, will er die Spiele genießen. Er bleibt bis zur Schlussfeier in Südkorea. Zusammen mit seinen Eltern wird er sich einige Wettkämpfe anschauen. „Einen Plan aber gibt es noch nicht“, sagt er. Damit wollte er sich vor dem Wettkampf nicht beschäftigen. Konzentration pur, volle Fokussierung. Bis zu jenem Moment, als es zum Sprung vor der zweiten Kurve abhebt. Als der Kontrahent vor ihm stürzt und der Medaillentraum jäh endet.

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