Fußball Don Jupp hat schon mal gute Sicht

Trainer Heynckes spielt am Samstag mit dem FC Bayern gegen Freiburg. Mit Analyse und Klartext will er neue Hierarchien bei den Münchnern schaffen

Kaum ist er da, hat er schon den Überblick. Und natürlich auch Klartext gesprochen. „Ich habe den Ist-Zustand der Mannschaft analysiert“, erklärt Jupp Heynckes, „es ist eine schwierige Situation.“ Flache Hierarchien gelten ja generell gerade als modern und sie mögen in vielen Branchen auch kreativfördernd sein. Im Fußball sei es eher kontraproduktiv, wenn zu viele oder gar alle Spieler eines Kaders auf einer Stufe angesiedelt sind und sozusagen jeder eine gleichberechtigte Meinung vertreten darf. Meint der freundlich Don Jupp genannte Fußballlehrer, der angesichts der beruflichen Erfolge in seinen 72 Lebensjahren zu Recht eine gewisse Altersweisheit für sich reklamieren darf. Also, so das Urteil des neuen, alten Trainers bei den Bayern: So flach wie aktuell war die Hierarchie beim Rekordmeister noch nie – und das gelte es zu ändern.

Im Rückblick hört sich das wichtigste Ergebnis der Analyse von Jupp Heynckes so an: „Der FC Bayern hatte in den letzten acht Jahren eine klare Hierarchie. Viele Spieler hatten gewicht in der Kabine. Sie haben, bevor der Trainer in Aktion trat, die Dinge geregelt.“ Das sei vor Beginn der laufenden Saison in die Brüche gegangen. Die von Heynckes identifizierten Gründe: Mit dem Karriereende der Führungsspieler Philipp Lahm und Xabi Alonso ging die natürliche Rangfolge verloren. Der neue Kapitän Manuel Neuer war wegen Verletzung und damit verbundener Reha die meiste Zeit nicht im Kreis der Mannschaft. Der nächste Bindenträger, Thomas Müller, wurde von Trainer Carlo Ancelotti geschwächt, weil er ihn zu oft auf die Bank setzte. Und dahinter? Ein kluger Kopf wie Mats Hummels zu sehr im Hintergrund; ein Typ mit Berliner Schnauzenpotenzial wie Jérôme Boateng zu lange wegen Verletzungen ausgebremst; ein Ausnahmetorjäger wie Robert Lewandowski, der zwar kritikfähig ist, aber eben keiner, der intern die Kollegen mitreißen kann; ein Franck Ribéry, der sich im Zwist mit Ancelotti mal wieder ganz nahe an den Bereich Stinkstiefel herannörgelte – die Liste der hervorragenden Fußballer, die aus verschiedenen Gründen (beispielsweise zu jung, zu desinteressiert, zu neu im Club) keine Führungsrolle einnahmen, ist fast so groß wie der Bayern-Kader. Immerhin profilierte sich spät, aber dann doch wirksam ein Arjen Robben, der nun unter Jupp Heynckes sicher mit vorneweg marschieren soll – wenn „die Rose in der Wüste“, wie der Niederländer nach dem WM-K.o. der Elftal in der Heimat gelobt wurde, von Verletzungen verschont bleibt. „Holland hat große Fußballer herausgebracht wie Cruyff, Gullit, van Basten oder Rijkaard“, sagt Heynckes und adelt dann Robben mit großen Worten: „Ich denke, dass man Arjen in diese Riege einstufen muss. Er ist für Holland ein genauso außergewöhnlicher Spieler gewesen.

Neben Robben wird Heynckes vor allem wieder auf Thomas Müller setzen. Das ist von der Vereinsspitze auch so gewünscht, weil der Urbayer praktisch der letzte Mia-san-mia-Mohikaner ist. „Der Thomas“, sagt Heynckes, „kann sich vom Intellekt her und von dem, was er bisher geleistet hat, als Führungsspieler hervortun.“

Und vielleicht ist der Wechsel von Ancelotti zu Heynckes auch eine besondere Chance für Joshua Kimmich. Der Jungspund, der in der vergangenen Saison vom italienischen Starcoach oft links liegengelassen wurde, ist in den bewegten aktuellen Zeiten der Bayern-Spieler mit der konstantesten Form. In der Nationalmannschaft ist Kimmich eine feste Größe, unter Heynckes kann er sein Standing in den Reihen des Rekordmeisters deutlich aufpolieren.

Auch Hummels („ein intelligenter Spieler“) und Boateng, den er einst von Manchester City zu den Bayern gelockt hatte, hat Jupp Heynckes auf seinem Chef-Zettel. Und schießlich weiß der Mann auch, wie er den eigenwilligen Ribéry anzupacken hat. Heynckes war der Lieblingstrainer des Franzosen.

Heute steigt also das erste Spiel für den FC Bayern mit Jupp Heynckes. Wenn die Zeichen nicht täuschen, muss der SC Freiburg dafür büßen, dass den Münchnern der Start in diese Saison gründlich missraten ist. Wie sagte doch Thomas Müller mit einem geradezu maliziösen Lächeln im Gesicht: „Doch, ja, die Mannschaft hat eine gewissen Euphorie.“

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