Olympische Spiele Der Mann hinter dem Geölten: Pfullendorfer trainiert Ski-Exoten aus Tonga

Thomas Jacob aus Pfullendorf ist der Trainer von Langläufer Pita Taufatofua. Der Sportler aus Tonga startet am Freitag, 7 Uhr, über 15 Kilometer bei den Olympischen Spielen. Unser Redakteur Marco Scheinhof hat die beiden vor Ort getroffen.

Thomas Jacob sitzt entspannt im Deutschen Haus. Er hat ein Bier vor sich, das erste seit langem. Für den 53-Jährigen aus Pfullendorf sind es anstrengende Tage. Der Malermeister ist als Trainer zu Olympia gereist, das Interesse an seiner Person ist groß. Er trainiert den Langläufer Pita Taufatofua aus dem Pazifikstaat Tonga. „Mein Ziel war es immer, mal zu Olympia zu kommen“, erzählt er. Er sitzt mit dem Programmchef der ARD an einem Tisch. Auf der großen Leinwand läuft gerade die Entscheidung im Rodeln. Taufatofua filmt eifrig die Stimmung bei den deutschen Kollegen.

Bildunterschrift
Pita Taufatofua (links) mit Redakteur Marco Scheinhof (Mitte) und Trainer Thomas Jacob.

Seit Jacob sein Trainer ist, ist das Interesse am Pfullendorfer deutlich gestiegen. Als Sportler hätte er es nie zu den Winterspielen geschafft. Er fährt schon lange Langlauf – aber nur bei Jedermann-Rennen. Eine Profikarriere? Keine Chance. Aber er hat es auf einem anderen Weg geschafft. Jacob trainiert Pita Taufatofua seit gut einem Jahr. Der Athlet aus Tonga hielt es für eine gute Idee, die Qualifikation für die Olympischen Spiele anzugehen. Und das obwohl er bis vor einem Jahr weder Schnee kannte noch jemals aus Skiern gestanden war. Weil Exoten aber bei Olympia eine Chance haben, hat er es versucht. Und sich im letzten Moment die nötigen Fis-Punkte ergattert, nachdem er zunächst auf Skirollern in Kolumbien kräftig gepunktet hatte.

Nun also sind Jacob und Taufatofua in Pyeongchang. Taufatofua will ein Signal senden, an die Menschen in Tonga, dass mit viel Kampfgeist und Willen alles möglich ist. Als Kind war er klein und schmächtig, er wollte unbedingt ins Rugby-Team. Er trainierte fleißig, eingesetzt wurde er nie. Aufgegeben hat er trotzdem nicht. Es hat sich gelohnt. Der 34-Jährige war schon bei den Sommerspielen vor zwei Jahren in Rio de Janeiro dabei, damals im Taekwondo. Da hatte er Grundkenntnisse, er kämpft seit seiner Kindheit. Beim Langlauf aber musste er bei Null beginnen.

Jacob kennt dieses Problem. Er hat bereits Makeleta Stephan trainiert, die ebenfalls aus Tonga kommt. Sie hat er innerhalb von vier Wochen zur WM nach Falun 2015 gebracht. Eine Erfolgsgeschichte wurde aus der Zusammenarbeit nicht. Und bei Taufatofua? Mit ihm war er wenige Wochen nach dem Beginn ihrer Zusammenarbeit bei der WM in Lahti. Und nun in Südkorea. 15 Kilogramm hat Taufatofua seit der Zusammenarbeit abgenommen. Bei den ersten Versuchen im Schnee setzte Jacob seinem Schützling einen Helm auf. Man weiß ja nie. „Er lernt aber sehr schnell“, sagt der 52-Jährige. Taufatofua ist ein professioneller Athlet. Jacob hat im schwäbischen Skiverband seine Ausbildung zum Langlauflehrer gemacht und arbeitet im Juniorenbereich des DAV Pfullendorf.

ARCHIV – 23.02.2017, Finnland, Lahti: Ski nordisch, Weltmeisterschaft, Langlauf – Sprint Freistil, Männer, Qualifikation. Pita Taufatofua aus Tonga geht auf die Strecke. (zu dpa-Meldung: «Schwerathleten und Staubsauger-Vertreter: Die Olympia-Exoten» vom 06.02.2018) Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Im Langlauf ist Pita Taufatofua aus Tonga ein Anfänger. Er will zunächst einmal nur ins Ziel kommen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Am 13. Januar 2017 holte er seinen neuen Schützling auf dem Stuttgarter Flughafen ab, es war das erste Treffen. Der Kontakt war durch Makeleta Stephan zustande gekommen. Eigentlich sollte er Taufatofua in einer Ferienwohnung unterbringen. Die beiden aber waren sich von Grund auf so sympathisch, dass er ihn bei sich zu Hause aufnahm. Seiner Frau gefiel die Idee ebenso, das Zimmer seiner Tochter war ohnehin frei, da sie zum Studieren auszog. Also stand der neuen Wohngemeinschaft nichts im Weg.

Zwölf Skitage haben die beiden zusammen bestritten bis zum Olympiarennen am Freitag (7 Uhr/MEZ). In zwei Tagen hatte Jacob ihm die Grundkenntnisse beigebracht, danach ging es an die Feinheiten. „Und die sind sehr schwierig“, sagt der Trainer. Taufatofua aber ist ehrgeizig, sie sitzen oft am Abend zusammen und studieren Videoaufnahmen des Trainings. Er will sich schließlich nicht blamieren. Wird er Vorletzter, ist das ein großer Erfolg. Der Abstand zur Spitze wird gewaltig sein. Das weiß Taufatofua. „Wenn ich ins Ziel komme, sind die besten schon beim Kaffee oder auf der Couch“, sagt er. 1:30 Stunden peilt er an, 60 Minuten länger als die Besten. „Ich möchte nicht gegen einen Baum fahren, ich möchte das Ziel erreichen, und ich möchte hinter der Ziellinie mit brennenden Lungen zusammenbrechen“, sagte der „Coconut Fighter.“

Für heute hat Jacob keine Termine seines Schützlings zugelassen. Keine Pressekonferenzen oder Fernsehaufnahmen. Gestern wollte ein US-Fernsehteam Taufatofua auf der Strecke filmen, das verhinderte Jacob. Dabei ist es die öffentliche Aufmerksamkeit, die Taufatofua und Tongas Verband wollen. Und die weiteren Pläne? Lässt ihn Tongas Königlicher Skiverband, der vom Deutschen Steve Grundmann angeführt wird, weiterarbeiten, sollen Weltcup-Teilnahmen und die WM im nächsten Jahr in Seefeld das Ziel sein. Geld kriegt Jacob für seine Arbeit nicht. Vielleicht zahlen ihm Tongas Funktionäre die Flüge nach Südkorea. Zumindest haben sie es in Aussicht gestellt. Taufatofua plant dagegen schon seine Teilnahme an den Sommerspielen 2020 in Tokio. „Ich will es in einer dritten Sportart schaffen“, sagt er. Gekämpft hat er, auf Schnee war – „dann jetzt vielleicht irgendwas mit Wasser.“ Dafür aber kommt Jacob als Trainer definitiv nicht in Frage.

Zur Person

Thomas Jacob ist 53 Jahre alt. Der Malermeister aus Pfullendorf ist Übungsleiter im Deutschen Alpenverein. Er trainierte bereits Makeleta Stephan aus Tonga, nun hat er es mit ihrem Landsmann Pita Taufatofua zu den olympischen Spielen geschafft.

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