Regionalsport Schwarzwald Der Torwartflüsterer

Ilpo Kauhanen macht die Wild Wings-Torhüter besser. Intensive Arbeit mit Dustin Strahlmeier und Marco Wölfl

Eishockey: „Ja? Das ist natürlich schon gut, wenn ich helfen kann“, sagt Ilpo Kauhanen doch etwas verlegen als er erfährt, dass Dustin Strahlmeier und Marco Wölfl voll des Lobes über ihn sind. Im Vordergrund stehen ist nicht sein Ding. Und doch war und ist sein Job bei den Schwenninger Wild Wings ein ganz wichtiger Baustein für den derzeitigen Erfolg. Der Finne arbeitet seit zwei Jahren als Torwarttrainer beim SERC und hat einen durchaus großen Anteil an den Leistungen der beiden Goalies. Was der so Gelobte selbst naturgemäß nicht unbedingt so sieht. „Es geht von den beiden aus“, erklärt Kauhanen. „Sie arbeiten jeden Tag hart.“

Tatsächlich arbeitet das Trio jeden Tag zusammen. Vor jeder Trainingseinheit der Wild Wings bittet der finnische Trainer seine Torhüter für etwa 15 Minuten auf das Eis der Helios Arena. Dann werden Strahlmeier und Wölfl „beschossen“. Aus allen Winkeln, mal hart, mal geschlenzt, mal links, mal rechts. „Das sind ganz normale Schüsse, Basisarbeit“, sagt Kauhanen. „Am Ende der Saison kommen da tausende Schüsse zusammen und das geht in Fleisch und Blut über, bringt Gefühl und Selbstvertrauen.“ Dazu kommt die Arbeit vor dem Bildschirm. In jedem Spiel der Schwenninger sieht sich Kauhanen alle Torwartaktionen ganz genau an. Bei der Videoanalyse mit dem ganzen Team gibt es dann eine Taste nur für den 44-Jährigen. „Ich nenne es Torwartknopf“, sagt er lachend. „Wir schauen uns alle wichtigen Szenen an, manche auch öfter. Und dann reden wir darüber.“ Eine Tatsache, die er als das Wichtigste überhaupt ansieht. „Ich bin kein Trainer, der den Jungs sagt, wie sie es machen müssen. Es geht darum, was für Dustin und Marco am besten ist.“

Also wird geredet, viel geredet und nicht nur über Eishockey. Für Kauhanen ist dies ein weiterer sehr wichtiger Faktor. Er will auch eine Bezugsperson für die beiden jungen Torhüter sein, sieht das Verhältnis untereinander eher als freundschaftlich an. Was wiederum einiges an Vertrauen voraussetzt. Ein Vertrauen, das die beiden Torhüter offensichtlich haben. Zumal sie wissen, mit wem sie es zu tun haben. Denn in der täglichen Arbeit geht es auch um Wissen und Erfahrung. Zwei Eigenschaften, die der Finne als langjähriger Goalie in großem Maße mitbringt. „Ich war 35 Jahre lang selbst im Tor.“

Aufgewachsen in der Nähe von Kuopio zog es den jungen Ilpo schon früh nach Nordamerika, wo er in der Juniorenliga seine weitere Karriere so richtig begann. Für die NHL reichte es zwar nicht, wohl aber für die erste finnische Liga. Und ab 1998 auch für die DEL. Dort spielte er unter anderem für die Kassel Huskies, den ERC Ingolstadt und drei Jahre bei den Adlern Mannheim, mit denen er auch Deutscher Meister wurde. Vor sieben Jahren holten ihn die Ingolstädter nochmals als Backup für Dimitri Pätzold, anschließend beendete der Linksfänger seine aktive Karriere und ging zurück nach Finnland. Schnell war klar, dass er in Zukunft seine Erfahrungen weitergeben möchte. Beim finnischen Verband absolvierte er die entsprechenden Lehrgänge, arbeitete anschließend für seinen Heimatverein KalPa. Doch es zog ihn auch wieder ins Ausland.

Nach einem Teilzeitjob im ersten Jahr entschieden sich die Verantwortlichen der Wild Wings für eine Festanstellung, Kauhanen unterschrieb im letzten Februar einen Zweijahresvertrag. So lebt denn nun auch seine Familie mit im Schwarzwald, was aber für Ehefrau Mila und die Söhne Kasper und Jesse kein größeres Problem darstellte. „Wir sind schon so oft umgezogen, das war also sehr locker“, berichtet das „Familienoberhaupt“. Die beiden Jungs sind quasi in Deutschland aufgewachsen, gehen hier zur Schule und Mila arbeitet in einem Hotel in Bad Dürrheim. „Ein ganz normales Leben“, sagt Kauhanen.

Zu diesem „ganz normalen Leben“ gehört auch sein liebstes Hobby. Schon seit seiner Jugend geht Kauhanen auf die Jagd, im Schwarzwald gerne auch mit dem früheren Wild Wings-Kapitän Sascha Goc. „Da kann ich komplett abschalten, nicht an Eishockey denken.“ In seiner Heimat betreibt er sogar eine kleine Reiseagentur, organisiert im Sommer Ausflüge zum Jagen, Angeln oder einfach nur in die schöne finnische Natur. Während er das erzählt, warten im Kabinengang Dustin Strahlmeier und Marco Wölfl. Es ist Zeit zum Training mit dem Torwartflüsterer.

Zur Person

Ilpo Kauhanen arbeitet seit 2015 als Torwarttrainer bei den Schwenninger Wild Wings. Zudem ist er seit diesem Jahr bei der deutschen U 18-Nationalmannschaft in der gleichen Funktion tätig. Der 44-jährige Finne absolvierte als Torhüter in der Deutschen Eishockey-Liga knapp 200 Spiele. Kauhanen ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
SERC Wild Wings: Im SÜDKURIER-Themenpaket zu den Schwenninger Wild Wings finden Sie alle Berichte, Bilder und Videos zum Thema - alle Spiele, alle Spielerwechsel und Nachrichten rund um den Eishockey-Club, der 2013 nach zehn Jahren in der zweiten Liga wieder in die DEL zurückgekehrt ist.

Zur aktuellen Tabelle
Alle SERC-News im RSS-Feed
Adventskalender - weil Vorfreude die schönste Freude ist
Neu aus diesem Ressort
Regionalsport Schwarzwald
Regionalsport Schwarzwald
Regionalsport Schwarzwald
Regionalsport Schwarzwald
Regionalsport Schwarzwald
Regionalsport Schwarzwald
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren