Fußball-Bezirksliga SV Jestetten holt in Unterzahl noch ein 2:2

Fußball-Bezirksliga: SV Weil II muss trotz 2:0-Führung in der 85. Minute und einem Spieler mehr auf dem Feld am Ende mit einem Punkt zufrieden sein. Silvan von Ow und Thomas Ragnau gleichen in den letzten drei Minuten noch aus für die Gastgeber

Fußball-Bezirksliga: – Was für eine Schlussphase! Fünf Minuten vor Spielende hätte keiner mehr einen Pfifferling auf den SV Jestetten gewettet. Soeben hatte der SV Weil II durch Fabian Kluge mit dem zweiten Foulelfmeter auf 2:0 für den Gast erhöht, zudem trottete Mike Klett mit "Rot" vom Platz. Doch in Unterzahl drehten die Hausherren plötzlich auf. Erst zimmerte Silvan von Ow einen Freistoß aus 25 Metern zum 1:2 (87.) in den Winkel, dann legte er per Kopf für Thomas Ragnau zum 2:2 (90.) auf – die Sensation war perfekt.

"In meinem Freistoß steckte sicher auch eine Portion Frust mit drin", grinste Silvan von Ow beim Video-Interview mit dem SÜDKURIER: "Wir haben in diesen fünf Minuten gezeigt, welche Moral in dieser Mannschaft steckt." Lassen sich andere Teams nach einem 0:2 auf eigenem Platz hängen, krempeln die Jestetter die Ärmel rauf: "Ich war mit Kampf und Einsatz über 90 Minuten sehr zufrieden", betonte Trainer Michele Masi: "Mit diesem wertvollen Punktgewinn sagt sich das natürlich leichter."

SÜDKURIER-Interview mit Silvan von Ow vom SV Jestetten:

Der SV Weil II entpuppte sich von Anfang an als spielstarker Gegner. Dass die Tore von Eike Elsasser (9.) und Fabian Kluge (85.) per Strafstoß – jeweils nach Fouls von Mike Klett an Witalij Arsentjew – fielen, war allerdings bezeichnend für den Auftritt der Gäste. Beeindruckend, wie die mit Routiniers und Youngster gespickte Elf den Ball und den Gegner laufen ließ. Bis zum Strafraum gab es keine Zweifel an der Überlegenheit. Was aber durch kam, wurde sichere Beute von Yannic Frey.

Ähnlich harmlos in der Offensive agierte allerdings auch der SV Jestetten – zumindest bis zur 87. Minute. SVW-Torwart Keven Hill musste sich nur einmal wirklich strecken, als Pascale Moog (63.) abzog. Den Nachschuss schoss Daniel Constantin knapp vorbei. Um Zentimeter verfehlte auch Martin Ragnaus Schuss (73.) das Weiler Tor.

SÜDKURIER-Interview mit Fabian Kluge vom SV Weil II:

Wie eng Glück und Pech beieinander liegen, zeigte Michele Masis Idee, Silvan von Ow in der Schlussphase nach vorn zu beordern: "Er sollte mit seiner Kopfballstärke etwas bewegen." Zunächst ging der Schuss nämlich nach hinten los. Der eingewechselte Michael Jauch, ein gutes Dreivierteljahr verletzt abwesend, rückte zu weit auf, machte Arsentjew damit viel Platz zum Solo, das Klett dann mit der folgenschweren Notbremse stoppte. Dann aber erwies sich von Ow in der Spitze doch noch als Punktegarant. Erst mit dem Freistoß-Knaller und danach mit der Kopfballvorlage.

Unterm Strich haben die Jestetter also (fast) alles richtig gemacht. "Für Selbstvertrauen und Moral ist der Punkt extrem wertvoll", atmete Masi durch: "Zumal die Weiler noch stärker als vergangene Saison sind!"


„Ich dachte nach der Roten Karte: Das war’s dann wohl für uns“

Tragische Figur: Mike Klett verursachte zwei Strafstöße, die zur 2:0-Führung des SV Weil II beim SV Jestetten führten und kassierte kurz vor Schluss die "Rote Karte". Bild: Matthias Scheibengruber
Tragische Figur: Mike Klett verursachte zwei Strafstöße, die zur 2:0-Führung des SV Weil II beim SV Jestetten führten und kassierte kurz vor Schluss die "Rote Karte". Bild: Matthias Scheibengruber

Fast wäre Mike Klett (25) zur tragischen Figur des SV Jestetten geworden. Zwei Strafstöße verursacht, Rot kassiert. Doch nach dem 2:2 gegen den SV Weil II strahlte auch er.

Mike, mit welchem Gefühl sind Sie nach Ihrer Roten Karte vom Platz gelaufen?

Super, hab ich gedacht, das war's dann wohl für uns. Wir waren ja irgendwie am Ausgleich dran. Dann passiert mir diese Notbremse und wir liegen kurz vor Schluss in Unterzahl mit 0:2 hinten.

Gab es keine Alternative für Sie, als Arsentjew allein aufs Tor zusteuerte?

Ich wollte ihn nicht foulen, nur stören. Aber er macht das clever, kreuzt meinen Laufweg und dann kann ich gar nicht anders, als ihn zu berühren.

Der erste Elfer war ähnlich ungeschickt.

Der hätte nicht sein müssen. Eigentlich läuft Arsentjew weiter, strauchelt nach drei, vier Schritten und fällt. Das pfeift nicht jeder. Aber es war ein Foul, klar.

Dann stehen Sie draußen und sehen die beiden Tore von Silvan und Thomas.

Absolut geil, was die da gemacht haben. Das war super, vor allem, wenn man die Personalsituation sieht. Wir trainieren derzeit mit acht, neun Leuten. Einige Spieler sind im Urlaub. Unsere Ersatzleute reisten erst kurz vor dem Spiel an.

Am Mittwoch geht's zum FC Schlüchttal, danach zum FC Geißlingen. Wird sicher eine klare Sache gegen die Neulinge?

Unterschätzen werden wir sie bestimmt nicht. Wir kennen die Situation aus der vorletzten Saison, als wir Aufsteiger waren. Als Favorit sehe ich uns keinesfalls, denn wir kennen beide Gegner nicht.


Fragen: Matthias Scheibengruber

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