Volleyball Trainerlegende Stelian Moculescu wechselt an die Spree

Stelian Moculescu ist neuer Trainer der Berlin Recycling Volleys. Der ehemalige Coach des VfB Friedrichshafen hat in der Hauptstadt einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben

Volleyball-Bundesliga: Er war und ist immer wieder für faustdicke Überraschungen gut. Stelian Moculescu, der ehemalige Trainer des VfB Friedrichshafen, hat nach seinem Abgang beim deutschen Rekordmeister vor gut 15 Monaten erneut für einen Paukenschlag in der Volleyballszene Deutschland gesorgt. Der „Meistermacher vom Bodensee“ ist aus heiterem Himmel Interimstrainer beim amtierenden deutschen Meister, den Berlin Recycling Volleys, geworden. Der 67-jährige, zuvor ein Jahr Cheftrainer der österreichischen Beachvolleyballerinnen, hat beim strauchelnden Titelverteidiger einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieben, beerbt den glücklosen Aus-tralier Luke Reynold, der erst zu Beginn dieser Saison für Roberto Serniotti an die Spree gekommen war.

„Wir wollten in dieser Situation jemanden mit Erfahrung haben, den wir kennen“, begründet der langjährige Manager der Berliner, Kaweh Niroomand, seine Wahl. „Mit seiner Vita, seiner fachlichen Expertise und seiner Autorität ist Stelian Moculescu in unseren Augen der richtige Mann“, fährt Niroomand fort. Berlin hat in der laufenden Meisterschaft schon 14 Punkte Rückstand, bei einer Partie weniger auf Spitzenreiter Friedrichshafen.

Dass Stelian Moculescu die Anfrage aus Berlin mit einem „Ja“ beantwortet hat, überrascht letztlich nicht wirklich. Obwohl er und Kaweh Niroomand sich all die Jahre im harten Kampf um die Meisterschale oft in herzlicher Abneigung zugetan waren, hatten ihn die Berliner unerwartet emotional, würdig, zu Herzen gehend in den Ruhestand verabschiedet. „Nach diesem besonderen Abschied, der mir in Berlin nach der Finalserie 2016 bereitet worden war“, sagt Moculescu“, „konnte ich gar nicht nein sagen.“ Dass der Berliner Manager über seinen Schatten gesprungen ist, ausgerechnet Moculescu als Feuerwehrmann engagiert, überrascht schon, der Coup lässt sich aber mit der sportlich prekären BRV-Lage erklären. Abgeschlagen auf Rang zwei der Bundesligatabelle, den Supercup gegen Friedrichshafen verloren, im Pokalhalbfinale an Herrsching gescheitert, in der Champions League droht in der Gruppe D das frühe Aus in der europäischen Königsklasse, und dann am Samstag ein deutliches, das Fass wohl zum Überlaufen bringendes 0:3 in Lüneburg: Niroomand sah sich genötigt, die Reißleine zu ziehen, das „Experiment“ mit dem 32-Jährigen aus Down Under sofort zu beenden.

Und so ist plötzlich die Trainerlegende Moculescu an der Spree fürs Sportliche verantwortlich. Der Trainerfuchs hat nicht viel Zeit, das Ruder beim schlingernden Hauptstadtklub herum zu reißen. Schon am Mittwoch steht er in der Max-Schmeling-Arena an der Seitenlinie. Gegner ist Zenit Kasan. Gegen die derzeit beste europäische Volleyballmannschaft aber, das wissen die Berliner, sind sie auch mit einem Stelian Moculescu auf der Trainerbank nichts anderes als krasser Außenseiter.

Zur Person

Stelian Moculescu wurde 1950 in Kronstadt geboren. 1972 setzte sich der Volleyballer bei den Olympischen Spielen in München vom rumänischen Nationalteam ab und startete in Deutschland als Zuspieler und Trainer eine beispiellose Karriere. 1997 wechselte er vom ASV Dachau an den Bodensee und sorgte dort für eine Meistertitelflut (13 von 19 mit dem VfB), wurde 21 Mal deutscher Pokalsieger (13 mal in Friedrichshafen) und gewann 2007 die Champions League. (heh)

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