Fußball SC Freiburg feiert einen irren Heimsieg gegen RB Leipzig

Die Breisgauer gewinnen mit 2:1 gegen den Favoriten. Die Tore für die Breisgauer erzielen Janik Haberer und Robin Koch.

Christian Streich konnte es selbst nicht glauben. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir gewinnen können“, sagte Freiburgs Trainer nach dem 2:1-Sieg gegen Leipzig. „Dass wir ein gutes Spiel machen können“, das hielt er natürlich für möglich, „aber gewinnen? Nein.“ Nun, irren ist menschlich, eben errare humanum est – abgekürzt übrigens „Ehe“, wie Fernsehmoderator Robert Lembke einst sagte.

Irre war sie, diese Partie im Schwarzwald-Stadion, diese Schlussphase, in der die Breisgauer einmal mehr einen Rückstand drehten. Zwölf Punkte kamen so in dieser Saison schon zustande. Dabei schien die Partie nach dem 1:0 für Leipzig gelaufen, denn zu Torchancen aus dem Spiel heraus kommen die Freiburger aktuell kaum. „Dafür fehlt momentan die Qualität“, sagte Streich, der dennoch immer wieder „spielen, spielen, spielen“ seinen Akteuren auf dem Platz zurief, weil die nach dem Rückstand zu verkrampfen drohten.

Ausgerechnet Timo Werner, der im achten Spiel zum neunten Mal gegen Freiburg traf, hatte das Tor für den Favoriten erzielt – nach einem Freiburger Ballverlust zog der Nationalstürmer davon und drosch das Spielgerät mit links in die Maschen. „Ein Wahnsinnstor“, sagte Streich später. Das war es, aber eben kein Wirkungstreffer, denn der SC Freiburg blieb seiner Linie treu und besann sich auf seine Stärken. Wenn aus dem Spiel heraus nichts geht, bleiben schließlich noch Standardsituationen. Sechs Minuten nach dem Rückstand war so nach einem eigentlich bereits abgewehrten Eckball Janik Haberer zur Stelle, der aus elf Metern den Ausgleich markierte. Und wie schon beim Rückrundenauftakt in Frankfurt köpfte Robin Koch in der 76.

Minute nach einem weiteren Eckball zum 2:1 ein. „Die Moral ist unglaublich. Was wir geleistet haben, ist top“, sagte Haberer nach seinem Ausgleich. Siegtorschütze Robin Koch schwärmte: „Es ist immer etwas Besonderes, wenn du die Großen ärgern kannst.“ Der Rest war Zittern, war ein Tollhaus, war ein Streich, der mit dem Schlusspfiff wild jubelnd auf den Platz stürmte und seinen Spielern in die Arme fiel. Wenn fast alles perfekt läuft, dann „gibt es manchmal eben solche Tage, an denen man auch Leipzig schlagen kann“.

Der Auftakt der Partie verlief dabei alles andere als optimal. Nach einem leichtfertigen Ballverlust kam Leipzig in Ballbesitz, Torhüter Alexander Schwolow musste Kopf und Kragen riskieren, als Leipzigs Jean-Kevin Augustin auf ihn zustürmte. Freiburgs Torhüter trug eine Oberschenkelprellung in der Aktion davon, musste wenig später ausgewechselt werden, sodass Ersatzkeeper Rafal Gikiewicz zu seinem Bundesliga-Debüt kam. Der 30-jährige Pole machte seine Sache gut, viel zu tun bekam er allerdings auch nicht. Der erwartete Leipziger Angriffswirbel blieb über weite Strecken aus, gerade in Halbzeit eins. Entsprechen unzufrieden war Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl: „Das ist bei uns ja fast schon eine Selbstprophezeiung. Der Gegner versucht es mit Standrads – und wir finden wieder kein Mittel dagegen.“ Dabei habe sein Team geduldig auf die entscheidende Szene gewartet, auch den Führungstreffer erzielt – aber dann halt doch verloren, weshalb die Leipziger eben „sehr enttäuscht“ den Heimweg antraten.

Während die Gäste durch die Niederlage den zweiten Tabellenplatz einbüßten, sicherten sich die Freiburger so drei unerwartete Punkte im Kampf um den Klassenerhalt und blieben auch im siebten Spiel in Folge ohne Niederlage. Dennoch: „Das wird ein Ritt auf der Rasierklinge bis zum letzten Spieltag, ob wir in der Liga bleiben“, sagte Streich noch. „Das ist doch ganz klar.“ Sollte er mit dieser Prognose abermals irren, hätte er damit aber sicher auch kein Problem.

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