Fußball Patrick Hagg: „Ich drücke dem 1. FC Rielasingen-Arlen die Daumen“

Patrick Hagg erinnert sich im Interview an sein Tor beim Erstrundensieg des SC Pfullendorf im DFB-Pokal 2006 gegen Arminia Bielefeld und sagt, was Außenseiter brauchen, um eine Sensation zu schaffen

Herr Hagg, am 10. September 2006 erzielten Sie für den SC Pfullendorf beim 2:1-Sieg über Arminia Bielefeld den Treffer zum 2:0 und zogen mit Ihrem Team in die 2. Runde des DFB-Pokals ein. Verraten Sie dem 1. FC Rielasingen-Arlen doch bitte eins: Wie wirft man einen Bundesligisten wie Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb?

Also erst mal darf man Bielefeld nicht mit Dortmund vergleichen, die sind als Titelverteidiger und Champions-League-Teilnehmer eine andere Hausnummer. Man darf aber auch nicht – ohne das abwertend zu meinen – Rielasingen-Arlen mit dem SC Pfullendorf von 2006 vergleichen. Wir haben damals in der dritthöchsten Liga gespielt und waren auch Profis. Wichtig für uns als Verein war: Wir hatten den Glauben daran, dass wir was reißen können. Als höherklassiger Verein kommst du aufs Dorf. Da sind die Kabinen kleiner, alles ist nicht so schön wie gewohnt, ein bisschen enger. Ich weiß noch genau, wie der Ex-Nationalspieler Jörg Böhme abgekotzt und sich über alles aufgeregt hat. Das war der Moment, wo ich wusste: Das gewinnen wir. Der Gegner war nicht auf das Spiel fokussiert und hat sich viel mehr mit dem Drumherum beschäftigt. Es muss aber auch vieles zusammenpassen. Man muss die Chance sehen, und wenn sie sich ergibt, am Schopfe packen.

So wurde es ein toller Tag in Ihrer langen Karriere.

Das war ein absolutes Highlight. So viele Spiele sind mir nicht in Erinnerung geblieben wie dieses. Wir wussten im Vorfeld: Das wird was Besonderes. Natürlich hofft man immer auf Bayern München, aber andererseits haben wir gleich bei der Auslosung gesehen: Da ist was möglich. Wir waren der Underdog, haben aber immer die Möglichkeit gesehen, etwas Außergewöhnliches schaffen zu können.

Sie standen damals dem Ex-Nationalspieler Böhme, aber auch den späteren Nationalspielern Tobias Rau und Heiko Westermann gegenüber. Können Sie sich noch gut an das Spiel erinnern?

Ich weiß noch, dass Bielefeld am Wochenende darauf 1:0 gegen die Bayern gewonnen hat. Das waren genau die gleichen Voraussetzungen wie für uns im Pokal – nur war Bielefeld dann umgekehrt der Außenseiter. Bei unserem Pokalspiel war eine Riesenatmosphäre. Ich hatte vorher nur zweimal vor mehr Zuschauern gespielt, 2000 im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg und gegen LR Ahlen beim Aufstiegsspiel zur 2. Bundesliga. Wir sind gegen Bielefeld gut ins Spiel gekommen und waren ebenbürtig. In den entscheidenden Situationen hatten wir etwas Glück, in der Chancenauswertung waren wir aber sehr, sehr gut. Unterm Strich haben wir auch verdient gewonnen.

Haben Sie Ihren Treffer noch vor Augen?

Ganz genau! Es war ein Angriff über die linke Seite. Ivica Lucic hat den Ball und spielt ihn am 16er-Eck mit der Hacke in die Tiefe. Ich nehme den Ball auf und knalle ihn von kurz vor der Grundlinie ins kurze Eck. Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Das war eine schöne Zeit.

Es war nicht Ihr einziges DFB-Pokalspiel. 2000 das 1:3 gegen Freiburg, nach dem Sieg gegen Bielefeld unterlagen Sie Kickers Offenbach mit 0:2 und zwei Jahre später Eintracht Frankfurt mit 1:3. Sind solche Partien schon im Vorfeld im Training ein Thema?

Fast hätte ich 2010 noch gegen Hertha BSC gespielt, aber eine Woche davor musste ich wegen eines Herzfehlers meine Karriere beenden. Diese Spiele sind immer ein Thema. Wir sind damals aber gut damit gefahren, uns auf die Runde zu konzentrieren. Bei einem härteren Training denkt man aber schon mal: Dafür lohnt es sich, das erlebst du vielleicht in der Karriere nur ein einziges Mal. Wenn Rielasingen-Arlen dann vielleicht vor 25 000 Zuschauern im ausverkauften Schwarzwaldstadion spielt, ist die Stimmung sicherlich ein bisschen angespannter als sonst.

Sie kennen bestimmt noch den einen oder anderen Spieler beim Verbandsligisten. Haben die sich schon Tipps von Ihnen geholt?

Ich habe Alen Lekavski sowie Frank und Sebastian Stark trainiert, mit Rene Greuter habe ich noch zusammen gespielt. Tipps gibt’s da aber nicht. Es ist schon ein Unterschied, ob du als Drittligist gegen Bielefeld spielst oder als Sechstligist gegen einen Champions-League-Starter.

Sie sprachen zu Beginn die besonderen Rahmenbedingungen beim Außenseiter an. Nun wurde die Partie nach Freiburg verlegt. Ist das fremde Stadion, so gesagt, ein Heim-Nachteil für Rielasingen-Arlen?

Das glaube ich hundertprozentig. Das ist kein echtes Heimspiel. Wir kannten damals unser Stadion, für den Gegner war alles neu. Jetzt ist es umgekehrt. Dortmund hat schon oft in Freiburg gespielt, für Rielasingen ist alles anders. Rein sportlich betrachtet, ist das kein Vorteil. Es ist aber logisch, dass man mit einem solchen Los in das größte Stadion geht, das möglich ist.

Sie sind als Trainer des TSV Aach-Linz fest in der Region verwurzelt. Werden Sie am 12. August nach Freiburg fahren, um dem Team aus Ihrem Bezirk die Daumen zu drücken?

Ich drücke die Daumen, auf jeden Fall, aber vom Sofa aus. Ich werde das Spiel im TV sehen. Ich hoffe, dass sie sich so gut wie möglich verkaufen. Das wird ein Riesenerlebnis für alle, vielleicht eine einmalige Sache.

Fragen: Ingo Feiertag

 

Zur Person

Patrick Hagg war mehr als zwei Jahrzehnte lang eine Institution beim SC Pfullendorf. Der Aach-Linzer wechselte 1995 als A-Jugendspieler zum SCP, für den er bis 2010 spielte. Anschließend war Hagg bis 2016 Trainer im Verein. Erst Co-Trainer unter Helgi Kolvidsson, dann Chefcoach der zweiten und der ersten Mannschaft. Ab der kommenden Saison trainiert der 38-Jährige den Bezirksligisten TSV Aach-Linz. Hagg ist verheiratet und hat einen Sohn. (fei)

Zwei von zehn Vereinen schafften es in die zweite Runde

In den vergangenen 20 Jahren waren einige Vereine aus dem SÜDKURIER-Verbreitungsgebiet im DFB-Pokal vertreten. Meist schlugen sie sich wacker. Eine Zusammenfassung:

  • 1997: FC Singen 04 – SpVgg Greuther Fürth 0:2. – Die Singener Fans unter den 2900 Zuschauern im Hohentwielstadion feierten ihre Oberligaspieler trotz der 0:2-Niederlage gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth.
  • 1999: FC Singen 04 – RW Oberhausen 3:2, FC Singen 04 – SpVgg Greuther Fürth 1:3. - Der Oberligist FC Singen 04 schlug in der ersten Runde Zweitligist Rot-Weiß Oberhausen vor 2500 Zuschauern, ehe in Runde zwei erneut Fürth im Hegau gewann, nun vor 3400 Zuschauern mit 3:1.
  • 2000: SC Pfullendorf – SC Freiburg 1:3. – Zwei Klassen und zwei Treffer Unterschied lagen zwischen dem SC Pfullendorf und Bundesligist SC Freiburg, der vor 6450 Zuschauern mit 3:1 siegte.
  • 2005: FC 08 Villingen – Hansa Rostock 2:5 n.V. – Verbandsligist FC 08 Villingen hatte den Bundesliga-Absteiger aus Rostock am Rande der Niederlage, doch in der Verlängerung machte der Favorit vor 4500 Zuschauern aus einem 2:2 ein 2:5.
  • 2006: SC Pfullendorf – DSC Arminia Bielefeld 2:1, SC Pfullendorf – Kickers Offenbach 0:2. - Vor 4022 Zuschauern schlug der SC Pfullendorf den Bundesligisten Arminia Bielefeld mit 2:1, ehe eine Runde später beim 0:2 vor 3553 Fans gegen den Zweitligisten Kickers Offenbach das Pokal-Aus für die Linzgauer folgte.
  • 2007: FC 08 Villingen – SC Freiburg 1:3. – 10 000 Zuschauer sahen das südbadische Erstrundenderby zwischen dem Oberligateam aus Villingen und dem Freiburger Erstligisten. Der gewann mit Mühe 3:1.
  • 2008: SC Pfullendorf – Eintracht Frankfurt 0:3. – Als Viertligist hatte der SC Pfullendorf im Sommer 2008 beim 0:3 gegen das Bundesligateam von Eintracht Frankfurt vor 7500 Zuschauern keine Chance.
  • 2009: FC 08 Villingen – FC St. Pauli 0:2 n.V. – 9000 Zuschauer wollten die Partie des Oberligisten gegen den Hamburger Kult-Zweitligisten FC St. Pauli sehen, der sich mit einem 2:0-Erfolg nach Verlängerung in die nächste Runde zitterte.
  • 2010: SC Pfullendorf – Hertha BSC Berlin 0:2. – Der Bundesligaabsteiger aus der Hauptstadt gewann vor 7100 Zuschauern souverän beim SC Pfullendorf mit 2:0.
  • 2016: FC 08 Villingen – FC Schalke 04 1:4. – Vor Jahresfrist zog der FC 08 Villingen gegen den FC Schalke 04 nach Freiburg um. Vor 14 400 Zuschauern gewannen die Gäste um Weltmeister Benedikt Höwedes mit 4:1. (fei)
Dateiname : Pfullendorf besiegt Bielefeld 2006 (2)
Dateigröße : 203.66 KBytes.
Datum : 17.07.2017 18:10
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Dateiname : Pfullendorf besiegt Bielefeld 2006
Dateigröße : 161.61 KBytes.
Datum : 17.07.2017 18:10
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