Regionalsport SeeWest In Sachen Spielerpass soll nachgebessert werden

Südbadischer Fußballverband kündigt Regeländerungen an, um bei falsch ausgefüllten Pässen maßvoller agieren zu können

„Fall Salem ist abgeschlossen“, lautete der Titel eines Artikels von Rechtsanwalt und Juniorensportrichter Jens Weimer in der Dezember-Ausgabe von „Südbaden Fußball“, dem offiziellen Organ des Südbadischen Fußballverbandes (SBFV). Und der Autor kündigte in seinem Text an, dass der Verband seine Konsequenzen aus den Vorfällen rund um nicht korrekt ausgefüllte Spielerpässe ziehen würde.

Die entscheidende Sitzung des Verbandsvorstandes findet zwar erst in zwei Wochen statt, doch darf davon ausgegangen werden, dass die bisherige Vorgehensweise des Verbandes, ein Fehlen von Stempel oder Unterschrift im Spielerpass mit Punktabzug zu ahnden – auch rückwirkend für länger zurückliegende Spiele – nach dem Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe im Fall Salem im November 2012 nicht mehr zu halten ist. „Es bringt uns ja nichts, wenn wir an der alten Regelung festhalten“, weiß der Präsident des SBFV, Alfred Hirt, aus seiner Erfahrung als Rechtsanwalt, dass nun ein anderer Modus her muss.

Der Strafbestand eines nicht ordnungsgemäßen Spielerpasses existiert bereits in der Rechts- und Verfahrensordnung und sieht eine Geldstrafe von 10 Euro vor. Doch bisher wurden eher aus Nachlässigkeit entstandene Makel im Spielerpass in Sachen Strafmaß gleichgesetzt mit bewussten Manipulationen, wie bei den Beispielen aus dem Jahr 2009, als auf einem Spielerpass des FC Singen 04 der Vereinsstempel fehlte, oder 2011/12, als bei einem Salemer Spieler, der schon seit der Jugend für den FC RW aktiv war, die Unterschrift fehlte. Jeweils wurden alle Punkte aus den Saisonspielen, an denen die Beteiligten teilgenommen hatten, abgezogen, da die Spielberechtigung an einen korrekten Pass gebunden wurde.

„Eine zwingende Spielverlusterklärung ist aus Sicht des Gerichts eine zu harte Sanktion“, so Weimar in seinem Artikel zum Gerichtsurteil. Die neue Regelung wird wohl, so Hirt, eine Geldstrafe bei fehlendem Stempel oder fehlender Unterschrift vorsehen – eine Vorgehensweise, die schon nach Abschluss des Falles Singen 2009 vorgeschlagen wurde. Damals sah man beim Verband aber keinen Handlungsbedarf. Es bedurfte erst eines Prozesses über mehrere Instanzen, dessen Kosten der Vorsitzende des FC RW Salem, Stefan Steinhauer, auf über 10 000 Euro beziffert – Zeit und Nerven der ehrenamtlichen Funktionären nicht mit eingerechnet –, um hier eine Regelung herbeizuführen, die doch sehr nahe lag. Das Passbild wird aber weiterhin zwingend notwendig sein, denn, so Hirt, „der Spieler muss identifizierbar sein“. Weitere Folge aus dem OLG-Urteil: Die Sanktion dürfte wohl auf das Spiel, in dem der Fehler festgestellt wird, beschränkt sein, und sich nicht rückwirkend auf weitere Spiele auswirken. „Ich hoffe, dass das dann akzeptiert wird. Die Alternative – keine Identifikation, kein Einsatz im Spiel –, wie sie von anderen Verbänden praktiziert wird, wollen wir im Interesse des Fußballs nicht“, so Hirt, der in den nächsten Tagen eine praktikable Lösung anbieten will, denn gerade ist die Wechselphase abgeschlossen, lauert wieder die Gefahr mit den neu ausgestellten Spielerpässen.

Interessant am Artikel Weimers ist noch der Schlussabschnitt. „Mit dem Urteil des OLG ist ein jahrelanger Streitpunkt zwischen den Vereinen und dem SBFV geklärt, der auf beiden Seiten immer wieder für erheblichen Unmut gesorgt hat.“ Blickt man in die SBFV-Satzung, so steht hier unter §3 Aufgaben des Verbandes: „Wahrung der Interessen der Vereine und deren Mitglieder in grundsätzlichen Fragen des Fußballsports.“ Diesen Widerspruch wird die Verbandsspitze den südbadischen Vereinen noch erklären müssen.

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