Fußball Dieser Weg wird kein leichter sein

Viele Fußballtalente aus der Region träumen vom Leben als Fußballprofi, die wenigsten erreichen jedoch dieses ambitionierte Ziel.

Fußball: Samstag, 12. August 2017, das Schwarzwaldstadion, die Heimstätte des SC Freiburg, ist ausverkauft. Im DFB-Pokal steht das Spiel gegen Borussia Dortmund auf dem Programm und Dennis Klose sowie Danny Berger stehen beim Heimteam in der Startformation. Als Jugendliche gingen die beiden in die viel gerühmte Freiburger Fußballschule, dem Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg. Sind sie nun am Ziel angekommen, im Profifußball? Nein, denn sie stehen in der Anfangsformation des Verbandsligisten 1. FC Rielasingen-Arlen, der den Pokalverteidiger für die erste DFB-Pokal-Runde zugelost bekam und in das Bundesliga erprobte Stadion umzog.

Neu hinzu gekommen ist beim 1. FC Rielasingen-Arlen vor dieser Runde Fabian Möhrle. Auch er wechselte als talentierter Jugendlicher zum SC Freiburg, sah dann aber nach einigen Jahren keine Perspektive mehr. Über den SSV Ulm ging es zur SpVgg Unterhaching, denn den Traum vom Fußballprofi wollte der Konstanzer nicht begraben. Nun aber ist er an den Bodensee zurückgekehrt, schiebt die sportliche Karriere ein wenig nach hinten, setzt auf eine Ausbildung und spielt beim ambitionierten Verbandsligisten. Immerhin in der Verbandsliga, auch wenn das nicht das ursprüngliche Ziel war. Nur etwa 30 Prozent der Spieler, die in einer Nachwuchs-Auswahl des DFB stehen, erhalten einen Vertrag in einer der drei höchsten Fußballligen, wird in dem 2014 erschienenen Buch „Traumberuf Fußballprofi“ vorgerechnet.

Auch Alessandro Fiore Tapia zählte zu den heiß gehandelten Talenten mit dem Adler auf der Brust. Beim BSV Nordstern Radolfzell lernte er kicken, irgendwann dann klopfte der SC Freiburg an und von dort ging es weiter zum FC Schalke 04. Doch der Sprung zu den Aktiven gelang nicht, nun ist er zurück bei Nordstern – Bezirks- statt Bundesliga. Fast schon Normalität bei ehemaligen SC-Nachwuchsspielern. Es gibt Jahrgänge, in denen es kaum ein Spieler in den Profibereich schafft, etwa ein Drittel in der Bezirksliga kickt. Und auch die Quote der Spieler, die SC-Coach Christian Streich aus dem eigenen Nachwuchs rekrutieren kann, ist zuletzt stark gesunken.

Für Jakob Amann und Tom Merz aber kein Grund, es nicht ebenfalls zu versuchen. Die beiden Achtklässler werden in der neuen Saison wöchentlich zwei bis drei Trainingseinheiten in Freiburg besuchen. Über die Fördergruppe, das Kooperationsprojekt des SC Freiburg mit dem FC 03 Radolfzell, haben sie sich ins Blickfeld der SC-Scouts gespielt. „Ich habe mir schon Gedanken gemacht, ob ich mich da mit allem zurecht finde“, räumt Tom ein, doch er kennt wie Jakob schon eine Reihe von zukünftigen Mitspielern durch die südbadische Auswahl. Und da beide zunächst noch pendeln, bleibt der große Einschnitt mit Internat noch aus, bleibt das schulische und familiäre Umfeld erhalten. Vorzeitige Star-Allüren ersticken die SC-Trainer schon im Keim. „Der Trainer möchte, dass wir nicht so arrogant rüberkommen und so bleiben, wie wir sind“, so Tom. Und Dominik Krall, der gemeinsam mit Rolf Dietrich das Training in der Fördergruppe leitet, betont: „Die Freiburger Trainer zeichnen sich durch eine hohe Sozialkompetenz aus.“

Einen etwas anderen Weg geht Julian Stark, der auch in der Radolfzeller Fördergruppe geschult wurde. Bisher ging er auf das Gymnasium in Überlingen, zuletzt in die 10. Klasse. Nach den Ferien besucht er das Sportinternat in Heidenheim und spielt für die U17 des Zweitligisten 1. FC Heidenheim in der Bundesliga. Beim Turnier der Auswahlteams fiel Julian den Spähern aus Heidenheim auf. „Ich möchte jetzt den nächsten Schritt machen“, hofft der Gymnasiast, dass ihm der Übergang ähnlich gut gelingt wie Maurice Swiderski, der vor einem Jahr vom FC 03 Radolfzell zum 1. FC Heidenheim wechselte, dort auf Anhieb zum Spielführer ernannt wurde und auch den Sprung in die Auswahl des Württembergischen Fußballverbandes schaffte. „Ich hatte das Glück, in eine funktionierende Mannschaft aufgenommen zu werden“, blickt der Defensivspieler auf seine Übergangsphase zurück.

Wie Jakob Amann und Tom Merz wagten vor einem Jahr Mark Zimmermann und Luca Wehrle den Sprung vom Bodensee in den Breisgau. „Mein erstes Jahr beim SC hätte ich mir nicht besser vorstellen können“, ist Mark mit den Trainern, dem Umfeld, aber auch seiner eigenen Entwicklung hoch zufrieden. Etwas härter war die Konkurrenz auf höherem Level für Luca, doch auch er bleibt in der Saison 17/18 beim SC Freiburg.

Und mit Mika Baur wechselte im Vorjahr ein weiterer Spieler des FC 03 Radolfzell in ein Bundesliga-Nachwuchsleistungszentrum. Mika folgte seinem Vater, dem ehemaligen Handball-Nationalspieler Markus Baur, nach Stuttgart. Vater Baur trainiert dort den Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart, der Junior hat sich einen Stammplatz in der U13 des VfB und einen Platz in der WFV-Auswahl erspielt. Dass auch im schulischen Bereich die Integration geklappt hat, zeigt die Tatsache, dass er nicht nur stellvertretender Spielführer im Team, sondern auch Klassensprecher ist.

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