Segeln Die Regatta der Eisernen ist nichts für Schönwetter-Segler

Die Regatta der Eisernen fordert mit fünf bis sechs Beaufort, heftigen Wellen und Temperaturen um die null Grad den Seglern alles ab. Der Sieg auf langer Bahn geht an Oliver Kaderli.

Segeln: Schon seit dem frühen Morgen lief die Starkwindwarnung mit ihren 40 Blitzen pro Minute an der Sturmwarnleuchte in Konstanz, weshalb sich einige der gemeldeten Segler bereits vor der Steuermannbesprechung abmeldeten und aus Sicherheitsgründen lieber nicht bei der Regatta der Eisernen starteten. Leider gehörte die St. Catherine, der mit 45 Yardstick angekündigte und von vielen erwartete "Foilende Racer", zu ihnen. Auch die ganz schnellen Kats Holy Smoke und Ventilo blieben im Hafen, da sie bei Bedingungen ab fünf Beaufort ihre technischen Grenzen erreichen.

Trotz der fünf bis sechs Beaufort, den heftigen Wellen und Temperaturen um die null Grad gingen dann aber von den 222 gemeldeten Booten 195 mit ihren winterfest eingepackten Besatzungen wie geplant aufs Wasser. „So kräftigen Wind hatten wir bei unserer Eisernen schon lange nicht mehr, und obwohl ein schöner Wind jeden Segler freut, möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass nicht auf Teufel komm raus auf die Vorfahrtsregeln gepocht, sondern entsprechend der Verhältnisse mit Umsicht agiert wird, und bei Notfällen die Rettung oberste Priorität hat“, machte Wettfahrtleiter des DSMC, Matthias Hagner, zur Steuermannbesprechung eine klare Ansage an alle Teilnehmer. Außerdem wies er explizit noch einmal darauf hin, dass er jeden, der ohne Rettungsweste segeln würde, disqualifizieren würde und dass bei Notfällen nicht er oder das Startschiff, sondern die separate Notrufnummer der Ausschreibung oder der Notrufkanal 4 zu nutzen sei.

Während einige Segler bereits beim Klarmachen der Boote über mögliche Wind-Schäden diskutierten, trieb schon beim Auslaufen ein Dickschiff mit blockiertem Ruder manövrierunfähig im Hafenbecken umher, verursachte aufwendige Manöver anderer Yachten und wurde schließlich von einem Motorboot zurückgeschleppt. Planmäßig um 12 Uhr erfolgte dann der Startschuss, wobei von Bottighofen aus Richtung Hagnau gestartet wurde und die Wettfahrtleitung passend zu dem starken Wind eine deutlich längere Bahn als sonst ausgelegt hatte. Entsprechend der teilweise einen Meter hohen Wellen und den heftigen Böen ging es unheimlich quirlig an der Startlinie zu. Eine Yacht, deren Steuermann zu knapp kalkulierte, wurde von einer Böe erfasst und direkt auf das Schiff der Wettfahrtleitung gedrückt, wobei Schaden an beiden Schiffen entstand. Einige Jollen und kleinere Katamarane kenterten und konnten sich selbst helfen, während die DLRG zu einem Kat mit Mastbruch gerufen wurde, der abgeschleppt werden musste. Mehrere gerissene Segel wurden gelistet und ein paar spektakuläre Crashs beschäftigten das Schiedsgericht, das zusätzlich zur Auswertung neun Protestverhandlungen zu bearbeiten hatte.

Zeitlich gesehen war die diesjährige Regatta aber die bisher schnellste in der Geschichte der Eisernen. Trotz der extra lang abgesteckten Strecke lagen nur zehn Minuten Zeit zwischen dem Start der letzten Gruppe und der Ankunft des Ersten im Ziel. Mit nur 24:21 min gesegelter und 30:26 min berechneter Zeit wurde der Schweizer Oliver Kaderli auf seinem Nacra 17 Sieger auf der Langen Bahn. Insgesamt waren die kleineren Kats bei diesem Wind absolut im Vorteil, weshalb die ersten fünf Plätze der Langstrecke alle von Kats belegt wurden. Auf der kurzen Bahn siegte mit 32:21 min gesegelter und 28:38 min berechneter Zeit Jörn Thörne auf seinem Seggerlin (Einhandjolle). Während es schon Jahre gab, in denen die letzten Schiffe erst bei Sonnenuntergang in den Konstanzer Hafen zurückkamen, benötigte diesmal sogar das letzte Boot nur 1:00,14 Stunden, um den Kurs abzusegeln. Selbst die Wettfahrtleitung konnte schon kurz nach 14 Uhr wieder am Steg festmachen.

Wegen des kalten Nordwindes und der sehr schwierigen Verhältnisse auf den Decks verzichteten viele Segler auf die sonst üblichen Nikolausmützen und die Weihnachtsdeko an Bord. Den Sondertitel für das am schönsten gestylte Team erhielt die Crew der Saphira vom Württembergischen YC, die unter der Piratenflagge gesegelt war und mit Augenklappen, Hut und Perücken im Piratenkostüm zur Siegerehrung im Konzil auftrat.

Ergebnisse im Internet unter:www.dsmc.de

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