Fußball "Der Verband muss die Notbremse ziehen": Nach Ausschreitungen bei Hallenturnier in der Singener Münchriedhalle meldet sich Radolfzeller Trainer zu Wort

Nach den Ausschreitungen beim Singener Hallenfußballturnier meldete sich Bülent Babür, Trainer des FC Anadolu Radolfzell und vom DFB ausgezeichnet, mit einem Leserbrief zu Wort

Nach den Ausschreitungen beim Hallenfußballturnier in der Singener Münchriedhalle herrscht weiter Fassungslosigkeit. Bei einem Freundschaftsturnier war es zu Auseinandersetzungen auf dem Spielfeld gekommen, auch Zuschauer hatten sich beteiligt. 

Sicherheitskräfte und später auch die Polizei mussten eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern, mindestens ein Spieler musste im Krankenhaus ärztlich versorgt werden. Jetzt hat sich Bülent Babür, Trainer des FC Anadolu Radolfzell und vom DFB ausgezeichnet, zu Wort gemeldet. Seinen Leserbrief dokumentieren wir im Folgenden.

Leserbrief von Radolfzeller Trainer Bülent Babür

"Seit Jahrzehnten bin ich im Fußball tätig. Der Rasengeruch, die Menschen, mit denen ich mich sehr gerne auf dem Sportplatz unterhalte, die Spieler, die man von „klein auf“ kennt: Es gibt so viele Gründe, warum ich den regionalen Amateurfußball so liebe und mich auf die Sportplätze begebe. Aber diese Besuche sind seltener geworden.

Nicht, weil ich nicht die Zeit dazu habe, sondern viel mehr aus anderen Aspekten: Die zunehmende Gewaltbereitschaft und die Respektlosigkeit, vor allen Dingen gegenüber den Schiedsrichtern, widern mich an. Die Ereignisse in der Münchried-Halle sind für mich unerträglich. Als Fußball-Liebhaber, als Trainer und auch als Mensch. Das, was dort auf dem Platz passiert ist, ist das Spiegelbild eines gesellschaftlichen Zustandes: kein Respekt. Weder vor dem Gesetz, noch vor dem, der das Gesetz ausführt.

Ein Verbot für alle halte ich dennoch nicht für richtig. Fußball verbindet. Doch wie kann man als Fan dieser einzigartigen Sportart, als Angehöriger einer Gemeinschaft, noch daran glauben, dass der Fußball ein Geschenk ist, offen für Integration, offen für Frieden?

Die Ereignisse in der Münchried-Halle haben uns noch deutlicher gemacht, dass der Sinn des Fußballs verloren geht, wenn kein Umdenken stattfindet. Der Verband muss nun die Notbremse ziehen. Wir müssen diejenigen schützen, die den Fußball lieben, sonst überlassen wir denjenigen das Feld, die ihn nie richtig geliebt haben. Wir müssen die zur Rechenschaft ziehen, die den Fußball nicht als Geschenk sehen, sondern als Gelegenheit betrachten, ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen.

Die Strafen müssen drakonischer und drastischer ausfallen. Lebenslänglich müssen diejenigen bestraft werden, die den Fußball in ein schlechtes Licht rücken. Sonst verlieren wir alles: Die Schiedsrichter, die Zuschauer, die Fußball lieben und letztlich auch die Eigenschaften, die der Fußball im tiefsten Kern besitzt: eine Sportart für Integration und für Frieden."

Leserbriefe geben die Meinung der Einsender wieder. 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Zum Valentinstag ❤ Geschenke mit Herz ❤
Neu aus diesem Ressort
Volleyball
Handball
Tennis
Handball
Ringen
Handball
Die besten Themen
Kommentare (7)
    Jetzt kommentieren