Basketball Dario Sisljagic: "Wir müssen klein anfangen"

Dario Sisljagic will die Konstanzer Basketballer wieder nach vorne bringen. Ein hartes Stück Arbeit, wie der 34-Jährige im SÜDKURIER-Interview erklärt

Herr Sisljagic, Sie haben seit wenigen Wochen bei den Konstanzer Basketballern das Ruder in der Hand und gehen forsch an die Öffentlichkeit, nachdem sich der Verein nach dem Rückzug aus der 1. Regionalliga mehr als zwei Jahre lang rar gemacht hatte. Wie wollen Sie den schlafenden Riesen wieder wachküssen?

Mit dem Begriff Riese ist es immer so eine Sache. Wir haben hier nach wie vor großes Potenzial, das trifft es besser.

Das klingt nach neuer Bescheidenheit bei einem Verein, der nach einem rasanten Aufstieg bis in den semiprofessionellen Bereich große Euphorie ausgelöst hatte am Bodensee.

Klar, Basketball Konstanz ist vielen noch ein Begriff. Es ist ja noch nicht so lange her, dass wir an die 1000 Zuschauer bei unseren Spielen hatten. Ich hatte als Spieler eine tolle Zeit in Konstanz, da will ich auch ein bisschen was zurückgeben. Ich will versuchen, wieder was auf die Beine zu stellen. Der Verein hat nach wie vor großes Potenzial, auch wenn es noch viele Baustellen gibt.

Zum Beispiel?

Es ist nicht mehr viel Manpower übrig, dafür jede Menge Leidenschaft. Vor dem ersten Heimspiel vor zwei Wochen habe ich zuerst die zweite Mannschaft trainiert. Da wir uns mit dem Essensverkauf ein wenig Benzingeld für die Auswärtsfahrten dazu verdienen wollen, habe ich anschließend noch Butterbrezeln geschmiert. Plötzlich habe ich gemerkt, dass es nur noch eine Viertelstunde ist bis zum Spiel der ersten Mannschaft, die ich ja auch trainiere.

Die hatte bis zuletzt der völlig überraschend gestorbene Lars Menck betreut.

Lars war auch als neuer Vorsitzender vorgesehen, doch sein tragischer Tod hat uns jetzt wieder arg zurückgeworfen und geschockt. Nicht nur, was den Sport angeht. Wir haben uns in letzter Zeit über viele andere Dinge Gedanken gemacht als über Basketball. Im Sommer habe ich mich noch mit ihm unterhalten. Lars hatte eine Vision, den Basketball in Konstanz wieder voranzubringen. Ein bisschen müssen wir also auch sein Erbe fortführen.

Vieles scheint derzeit an Ihnen allein zu hängen. Wer unterstützt Sie noch?

Im Moment mache ich alles in Abstimmung mit meinem früheren Mitspieler Peter Leidig, der nun auch unser Wunschkandidat als Vorsitzender ist. Er kümmert sich jetzt schon um die Organisation der Spiele, Schiedsrichter-Einteilung und vieles mehr im Hintergrund. Wenigstens einen neuen Mann für die Finanzen haben wir bereits gefunden.

Leicht wird der es aber nicht haben.

Nein, wir haben keinen einzigen Sponsor mehr. Wir kriegen gute Spieler aus der Region auch nicht angelockt, ohne wenigstens ein Benzingeld anbieten zu können. Im Moment zahlen unsere Jungs noch dafür, hier spielen zu dürfen. Wir sind alle ehrenamtlich im Einsatz. Der Verein hat sogar Mühe, die Übungsleitergebühren zu bezahlen. Das sind 7,50 Euro pro Trainer und Stunde.

Wie wollen Sie das ändern?

Wir müssen klein anfangen. Ich habe mir ein Konzept für leistungsorientiertes Sponsoring überlegt. Jeder kann mitmachen und uns für einen Sieg fünf Euro oder, wer will, mehr bezahlen. Vielleicht bekommen wir so ein paar Leute dazu, uns zu helfen. Mit 500 Euro wären die Fahrtkosten der zweiten Mannschaft für diese Saison gedeckt, bei der ersten sollten etwa 1500 Euro reichen.

Sie sprachen bereits die goldenen Zeiten an mit Zuschauerzahlen im vierstelligen Bereich. Wie viele Fans sehen nun in der Oberliga Ihre Spiele?

Beim ersten Heimspiel hatten wir vielleicht 70, 80 Zuschauer in der Halle. Die Leute in Konstanz sollen aber sehen: Es gibt die Basketballer noch, sie leben noch. Wir haben keine utopischen Vorstellungen, aber bei etwa 150 Zuschauern im Schnitt könnte schon viel mehr laufen.

Nach dem Rückzug der ersten Mannschaft in die sechstklassige Oberliga war ein Ziel, vermehrt auf den Breitensport zu setzen. Hat das geklappt?

Eine sehr positive Sache ist: Wir haben nach wie vor eine breite Basis in der Jugend. Im Moment haben wir vor allem einen guten U14-Jahrgang. Die Spieler müssen wir jetzt, so gut es geht, im Verein halten. Die U18 spielt aber leider nur noch in der Bezirksliga, der untersten Liga. Wer da nicht gerade ein Überspieler ist, der hat es ganz, ganz schwer, danach gleich in die erste Mannschaft zu kommen. Ganz klar: Es fehlt derzeit der Anreiz für Jugendspieler, vier- bis fünfmal pro Woche zu trainieren, wenn das Ziel dafür die Oberliga ist. In die 2. Regionalliga aufzusteigen, wäre daher schon schön.

Die erste Mannschaft ist nach drei Siegen aus drei Spielen Tabellenführer. Hat sie die Qualität für den Aufstieg?

Wir haben einen starken Kader mit ein paar wirklich talentierten jungen Spielern, wie die beiden 19-jährigen Jonas Dierenbach oder Josua Asamoah. Dazu kommen ein paar alte Bekannte wie Paul Muffler, Edi Foth oder Mac Dotzauer. Der frühere slowenische Nationalspieler Matej Bratina ist aktuell unser bester Mann. Dann Johannes Mayer, Edin Muslic, Etienne Ettlinger, Noah Manderla. Es ist ein sehr guter Mix mit zwei 19-Jährigen und einem 20-Jährigen in der Starting Five. Das sieht nicht schlecht aus für die Zukunft. Wenn wir den Aufstieg jetzt schaffen und das Umfeld verbessern, dann können wir das Team vielleicht zusammen halten. Anderenfalls wird es ganz, ganz schwierig, die Jungs noch mal so zu motivieren.

War das zuletzt nicht der Fall?

In den beiden Jahren nach dem Rückzug aus der Regionalliga war die Motivation nicht so hoch, was auch das Umfeld widergespiegelt hat. Es waren nur wenige Leute im Training, es gab nur zwei Einheiten pro Woche. Ich weiß nicht, ob letzte Saison ein Spieler alle Spiele mitgemacht hat – und das hatte nichts mit Verletzungen zu tun. Das akzeptiere ich aber nicht mehr. Ein paar meiner Spieler sind schon älter, haben Kinder und arbeiten voll. Wenn die mal im Training fehlen, ist das okay, aber nicht bei den Spielen.

Wie sieht eine Trainingswoche bei den Konstanzer Basketballern aus?

Für mich war früher als Spieler schon einmal Training am Tag zu wenig. Es fällt mir schwer zu akzeptieren, wenn heute einer kommt und mir sagt, dass er nur zweimal die Woche kommen kann. Da hätte ich früher nicht ruhig schlafen können. Wir trainieren dreimal, ich biete aber jeden Tag eine Einheit an: Montag Athletiktraining, Dienstag bis Donnerstag das normale Training und Freitag freiwilliges Wurftraining, bei dem noch mal die Systeme eingeübt werden.

Diese scheinen in den ersten Partien gut funktioniert zu haben. Am Samstag, 19 Uhr, hat Ihre Mannschaft nun das nächste Heimspiel in der Pestalozzihalle gegen den Tabellensechsten TV Nellingen. Was erwartet die Zuschauer da?

Meine Spieler sind alle von hier oder haben einen großen Bezug zum Verein. Sie geben immer ihr Bestes und waren den Gegnern bis jetzt immer athletisch überlegen. Ich setze auf eine sehr gute Defense und im Angriff auf Schnelligkeit und organisiertes Spiel. Egotrips mag ich überhaupt nicht. Jeder unserer Jungs könnte höher spielen, die meisten haben es auch schon, doch sie identifizieren sich mit dem Verein, wie ich auch. Wie gesagt: Basketball Konstanz steht 2017 für jede Menge Leidenschaft.

Fragen: Ingo FeiertagDer Spielplan14.10., 19 Uhr: TV Konstanz – TV Nellingen21.10., 20.15 Uhr SV Böblingen – TVK12.11., 17.30 Uhr: TVK – BBU 01 Ulm II19.11., 12 Uhr: Stuttgart/Fellbach – TVK26.11., 16.45 Uhr: Titans Stuttgart – TVK3.12., 17.30 Uhr: TVK – Schwäbisch Gmünd10.12., 17.30 Uhr: TSG Söflingen II – TVK16.12., 19 Uhr: TVK – BG Remseck14.01., 17.30 Uhr: TVK – TV Marbach21.01., 17.30 Uhr: TV Derendingen – TVK8.1., 17.30 Uhr: TVK – Tigers Tübingen II4.2., 17.30 Uhr: TV Nellingen – TVK18.2., 17.30 Uhr: TVK – SV Böblingen24.2., 18.30 Uhr: BBU 01 Ulm II – TVK3.3., 19 Uhr: TVK – Stuttgart/Fellbach10.3., 20 Uhr: TVK – Pkf Titans Stuttgart25.3., 17.30 Uhr: Schwäbisch Gmünd – TVK7.4., 19 Uhr: TVK – TSG Söflingen II14.4., 19.30 Uhr: BG Remseck – TVK

Zur Person

Dario Sisljagic ist serbischer Bosnier. Der 34-Jährige lebt seit 1992 am Bodensee. Er ist in Kreuzlingen aufgewachsen und hat in Konstanz sein Abitur gemacht. Nach vielen Jahren als Fußballer entdeckte er mit 13 die Leidenschaft für den Basketball. Zuerst war er in Konstanz aktiv, dann bei etlichen Vereinen in Österreich und der Schweiz sowie in Friedrichshafen und Schwenningen. 2013 kam Sisljagic zunächst als Spieler zurück nach Konstanz. Seit er 2015 verletzungsbedingt seine Karriere beenden musste, trainiert er die zweite Mannschaft sowie seit dem Tod von Lars Menck vor wenigen Wochen auch das Oberligateam. Der Architekt, der nun bei den Konstanzer Basketballern als Mädchen für alles etwas aufbauen möchte, ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Job. (fei)

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