Regionalsport SeeOst VfB Friedrichshafen: Ruhig, gelassen, aber mit allem Aufwand

Bundesligavolleyballer haben die Saison noch nicht abgeschrieben. Trennung von Manager Stefan Mau auch Thema an der Pressekonferenz.

Volleyball: „Ungewöhnliche Zeiten verlangen ungewöhnliche Maßnahmen.“ Unter diesem Motto hat der VfB Friedrichshafen zu einer Pressekonferenz geladen. Wogen glätten, für Fakten statt Vermutungen sorgen. Zu groß war der öffentliche Gerüchte-Druck geworden. Das Hedrich-Papier (wir berichteten) war Thema, die Trennung von Manager Stefan Mau und die Suche nach einem Marketing-Experten.

Für eine sehr lange Sekunde ungläubigen Staunens sorgte Wunibald Wösle, VfB-Präsident und Beirats-Vorsitzender. Er kündigte eine „bedauerliche Veränderung“ an. Der Trainer des VfB habe ein Angebot eines italienischen Topklubs erhalten und werde den Verein verlassen. Um sich dann zu berichtigten: Ko-Trainer Marco Fenoglio habe ein nicht abzulehnendes Angebot erhalten. Welcher Verein das sei, wollte er nicht sagen. Der alte Coach sei noch nicht entlassen. Fenoglios Job werden Stelian Moculescu und Ko-Trainer Bogdan Tanase übernehmen.

Den einen anstellen, obwohl der andere noch nicht entlassen ist: Diese Art, mit Kollegen und Mitarbeitern umzugehen, sei nicht die des VfB Friedrichshafen, sagt Geschäftsführer Sebastian Schmidt. Deshalb ist mit Stefan Mau, dem beurlaubten Manager, der „andere Weg“ gegangen worden. Entgegen aller Gerüchte. „Wir reden miteinander“, sagt Schmidt, „wir wollen vernünftig auseinandergehen.“ Warum dann der Klub die Trennung trotz des Vetos von Mau veröffentlich hat? „Da ging es ums Interesse des VfB“, sagt Schmidt. Er habe, da er erst seit 1. Juli Geschäftsführer des VfB ist, mit dem „Vorteil, von außen analysieren zu können“, schon „Ende September/Anfang Oktober“ mit Mau gesprochen. Wösle übrigens auch. Beiden war aufgrund der Schmidt'schen Analyse klar, dass das „Anforderungsprofil“ des neuen Mannes „nicht zu Stefan Mau passe“.

Spätestens im Frühjahr 2016 soll der Neue sich um Marketing, die Sponsorenakquise und -betreuung kümmmern. Denn, so Schmidt: „Für unsere klaren, ambitionierten Ziele brauchen wir ein ordentliches Budget.“ Und einen entsprechend fähigen Mann. Der VfB will sich von Berlin („die machen das seit ein paar Jahren gut“) und von den Unified Volleys RheinMain („die geben ordentlich Gas“) nicht „überholen lassen“. Mit den beiden Hauptsponsoren ZF und Zeppelin sei man ja „gut aufgestellt, aber eine der „Hauptaufgaben“ des neue Mannes, der neuen Frau (?) werde die Suche nach Sponsoren. Keine leichte Aufgabe. Da ist beim VfB in der Vergangenheit, vorsichtig formuliert, alles andere als effektiv gearbeitet worden.

Finanziell, aber auch sportlich sich überholen lassen – gerade danach sieht es für viele Anhänger derzeit aus. Weniger beim Blick auf die Tabelle. Dafür umso mehr bei den Darbietungen der Friedrichshafener Volleyballer. Dass draußen „Panik herrsche“, sagt Stelian Moculescus „Bauchgefühl“. Dazu gäbe es keinen Grund. Klar, gegen Ankara und Paris habe seine Mannschaft verloren. Aber selbst Moskau unterlag in der französischen Hauptstadt. Im Übrigen werde das VfB-Team nicht jedes Jahr neu zusammengestellt, weil „wir beim VfB so geil drauf sind, neue Leute kennen zu lernen, oder möglichst vielen Spielern die Schönheiten der Gegend näher zu bringen“. Grebennikov etwa. „Er wäre geblieben, wenn ich mehr Geld zur Verfügung gehabt hätte“ (Moculescu). Er und die anderen starteten am Bodensee ihre internationale Karriere, deshalb seien sie bald wieder weg. Das befürchtet Moculescu zum Beispiel auch bei Luke Perry. Der 19-jährige Australier sei auf dem besten Wege, ein „gewaltiger Libero“ zu werden.

Auch die Saison 2014/15, erinnerte der VfB-Coach, habe schwach begonnen. Sie endete mit dem Double. 2016 geht das nicht. Den Pokal ist der VfB los, in der Bundesliga Berlin nach acht Spielen schon sechs Punkte voraus. Einige Gründe für diese ungewohnte Schieflage: Die Verletzung von Zuspieler und Kapitän Simon Tischer nach vielversprechendem Beginn, Ersatzmann Arslan Eski körperlich (erst langsam) fit, Björn Andrae noch nicht einsetzbar: „Wir brauchen Zeit“, appelliert Moculescu an die Fans, dem Team eine „Chance zu geben“. Das „große Ziel“ Deutsche Meisterschaft sei immer noch erreichbar. Die Mannschaft werde ein „gewaltiges Wort“ bei der Titelvergabe mitreden. „Ruhig, gelassen, aber mit allem Aufwand“, wie Wösle es formulierte.

Versöhnliche, beruhigende Töne beim VfB Friedrichshafen? Ungewohnt? Ja, aber nicht überraschend. Zu heftig die Reaktionen der verärgerten und frustrierten (anonymen) Fans im Netz, die auch mit dem Kauf von Eintrittskarten „abstimmen“ – nicht erst seit dieser Saison wohlgemerkt. „Wir haben Fehler gemacht“, gibt der Präsident und Beirats-Vorsitzende Wösle zu. Nicht nur in der Kommunikation.

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