Liane Lippert: WM-Rang neun zum Abschluss

Liane Lippert beendet die Saison bei den Juniorinnen und wird Profi-Radsportlerin. Damit enden zehn erfolgreiche Jahre beim RSV Seerose Friedrichshafen.

Radsport: „Da wäre mehr drin gewesen!“, lautet die erste Aussage von Liane Lippert über den Ablauf ihres WM-Rennens in Doha (Katar). Aber: Die deutschen Fahrerinnen erreichten bei den Titelkämpfen in glühender Hitze gleich zwei Top-Ten-Platzierungen. Mit Rang sieben für die Betzingerin Franziska Brauße und Platz neun von Liane Lippert (RSV Seerose Friedrichshafen) darf die Ausbeute der Juniorinnen durchaus als Erfolg gewertet werden.

Organisiert in ihren Nationalteams standen die weltbesten Juniorinnen am Start, um bei Temperaturen nahe an die 40 Grad nach 74 Kilometern ihre Weltmeisterin zu ermitteln. Mit der Europameisterin Liane Lippert und drei deutschen Meisterinnen wurden die deutschen Teilnehmer im Vorfeld als Mitfavoriten eingestuft.

Start! Das Rennen begann hochnervös – sofort versuchten sich die Teams zu sortieren, um so das Geschehen von Beginn an zu kontrollieren. Diese hektische Positionssuche rächte sich nach sieben Kilometern. Es kam zu einem Massensturz, bei dem rund die Hälfte der Fahrerinnen zu Fall kam. Die Deutschen hatten Glück, wurden nur kurz ausgebremst und konnten vorn im Rennen bleiben. Einige favorisierte Fahrerinnen mussten sich aber zurückkämpfen, wie etwa Juliette Labous (Frankreich) und Maaike Boogaard (Niederlande). Ebenfalls dazu gehörte auch die spätere Bronzemedaillengewinnerin Susanne Andersen, die mit dem Ersatzrad weiterfahren musste.

Das deutsche Quintett zeigte ein äußerst aktives Rennen. Alle Fahrerinnen waren stets in der Spitze des Pelotons zu sehen. Ob gewollt oder nicht, als Europameisterin fand sich Liane Lippert natürlich in der Favoritenrolle, ihr Rennverhalten wurde jederzeit hochaufmerksam kontrolliert. Einige Fahrerinnen, darunter die Deutschen Riffel und Teutenberg, lancierten Ausreißversuche, die ein wachsames Feld jedoch sofort eliminierte. Wie offensichtlich von allen Nationalteams geplant, sollte die Entscheidung erst im Massensprint fallen.

Die letzten zwei Kilometer. Das bereits hohe Tempo auf der Flachstrecke wird erneut angezogen. Ein 40-köpfiges Hauptfeld beginnt, sich für den Sprint zu sortieren. Das deutsche Team ist aussichtsreich und komplett im vorderen Drittel vertreten. Lippert kontrolliert das Renngeschehen in der Spitze, um Einzelattacken sofort zu kontern.

Dazu wird es jedoch nicht mehr kommen. Es ist die italienische Mannschaft, die sich als Erste formiert, um einen phantastischen Sprintzug anzuziehen, dem niemand Paroli bieten kann. Mit zwei Radlängen Vorsprung wird Elisa Balsamo, dank einer souveränen Teamleistung, neue Weltmeisterin. Die nächsten zehn Plätze werden zeitgleich gewertet, Lippert quert als Neunte, ihre Freundin Framzi Brauße als Siebte die Ziellinie.

Wäre nun tatsächlich mehr drin gewesen? „Sie haben ein gutes Rennen abgeliefert, waren vielleicht ein wenig zu offensiv und konnten im Finish gegen die starke Italienerinnen nicht mehr dagegen halten“, sagt der Bundestrainer. Wie bewertete Liane Lippert selber ihr Rennen? „Bis zum Schluss lief alles perfekt. Auch wir wollten mit einem Sprintzug in die Medaillenränge fahren. Die Italienerinnen haben sich klar als abgezockter erwiesen. Beim finalen Sprint habe ich die falsche Linie erwischt, so kam eben ‚nur‘ Platz neun heraus. Mit zwei Plätzen in den Top Ten können wir jedoch mehr als zufrieden sein. Unsere Gratulation geht an die neue Weltmeisterin und ihr Team.“

Mit der WM hat Liane Lippert auch ihr letztes Nachwuchsrennen als Juniorin absolviert. Als Profifahrerin wird sie sich die nächste Saison in der rauen Klasse der Frauen wiederfinden – ein Ziel, an dem sie seit Jahren arbeitet. Ihre Existenz wird sie parallell bei der Bundeswehr absichern. Am 1. November wird sie in Hannover zur Grundausbildung antreten, um sich danach in der Kaserne Todtnau/Fahl als Sportsoldatin ihrem Training zu widmen.

Damit gehen nun zehn Jahre in allen Nachwuchsklassen für die 18-jährige Athletin zu Ende. Der RSV Seerose Friedrichshafen, die Trainer, Betreuer und die Familie möchten sich an dieser Stelle bei allen bedanken, die Liane Lippert in der Vergangenheit begleitet haben. Ohne deren Mithilfe wäre dieser Werdegang nicht möglich gewesen.

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