Synonyme sind das Schlimmste überhaupt. Das ewige Streben von Journalisten, ein Wort bloß nicht zu häufig zu verwenden, äußert sich am skurrilsten bei Orten. Kaum eine Stadt, die nicht noch aufs Erzwungenste umschrieben wird: Doppelstadt, Bergstadt, Zeppelinstadt, Donauquellstadt, Trompeterstadt, Hans-Kuony-Stadt, um allein in der Region zu bleiben.

Im realen Sprachgebrauch verwendet diese Worte natürlich kein Mensch, „Hallo, ich komme aus der Konzilstadt“ – „Und ich aus der Salinenstadt“, so redet niemand. Und wenn Martin Luther wüsste, welche Städte sich mittlerweile alle als „Lutherstadt“ bezeichnen, hätte er sich das mit der Reformation wahrscheinlich auch nochmal gut überlegt.

Diese sisyphosartige Synonym-Suche (Alliterations-Abhängigkeit, auch so eine Journalisten-Krankheit) geht irgendwann schief. Das musste vor einiger Zeit TV-Kommentator Jörg Dahlmann erfahren, als er Japan zotig als „Land der Sushis“ bezeichnete und dann gehen musste. Und jetzt hat es auch die SÜDKURIER-Redaktion erwischt, allerdings an einer Stelle, die nicht zu erwarten war.

„Befremdlicher“ Gebrauch des Wortes „Eidgenossen“

Seit Jahr und Tag werden hier, wie in vielen anderen Redaktionen in Deutschland auch, die Schweizer als „Eidgenossen“ umschrieben. Auch der Duden findet das korrekt. Nicht so Daniel Portmann, in Rielasingen-Worblingen wohnhafter SÜDKURIER-Leser und selbst Schweizer.

„Befremdend“ wirke dieser synonyme Gebrauch auf ihn und von ihm befragte Landsleute. „Nur im Kreise von traditionellen, konservativen, rechtspopulistischen Gruppen wird dieses Wort hie und da verwendet“, sagt er. Hoppala. Kann das sein?

Anfrage beim Schweizer Iditiotikon, den Gralshütern des Schweizerdeutschen. Und Chefredakteur Christoph Landolt antwortet eindeutig. „Von ‚Eidgenossen‘ zu schreiben, wenn ich Schweizer des Jahres 2022 meine, würde mir selbst nie einfallen“, sagt auch er. „Ziemlich läppisch“ klinge das. Nur alle Schweizer bis 1798 – dann zerstörte Napoleon die Alte Eidgenossenschaft – bezeichne man in der Regel so.

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Daniel Portmann denkt beim Begriff gleich ans Jahr 1291, als die drei Eidgenossen der Sage nach mit dem Rütlischwur die Schweiz gründeten. Begegnen Sie also einmal diesen drei Herren oder Vor-1798-Geborenen, nennen Sie sie ruhig Eidgenossen. Damit zu rechnen ist jedoch eher nicht und in allen anderen Fällen wird‘s schwierig.

Eidgenossenschaft ist jedoch korrekt

Aber Achtung, wer jetzt alle eidgenössischen Synonyme aus seinem Wortschatz tilgen will: Die Schweiz als Land wiederum als „Eidgenossenschaft“ zu bezeichnen, das geht völlig in Ordnung, sagen Portmann und Landolt. Das Land heißt offiziell auch immerhin „Schweizerische Eidgenossenschaft“. In der aber keine Eidgenossen wohnen.

Oder doch? Wenn das Wort bei uns in neutraler Verwendung so häufig vorkomme, liege es ihm fern, das uns auszureden, betont Sprachhüter Landolt, liberal wie die Schweizer eben sind. Nur: Diese Verwendung müsse man dann als speziell bundesdeutsch, als „Teutonismus“ verzeichnen. Teutonen da, Eidgenossen dort, passt schon.