Einheimische wie Besucher auf der schweizerischen Seite des Bodensees staunten im Juli 2020 nicht schlecht: Über den See beförderte ein Helikopter den Rumpf einer Junkers Ju 52 nach Altenrhein. Es war geplant, dass diese Ju 52 mit dem Kennzeichen HB-HOS eines Tages wieder fliegen wird. Mittlerweile ist klar: Zu viele Probleme und Mängel an der Flugzeugstruktur lassen den Wiederaufbau scheitern. Das lasse eine Restaurierung in einen flugtüchtigen Zustand nicht mehr zu, ist von Eingeweihten zu hören.

Ein Lastenhubschrauber brachte den Rumpf von Zürich-Dübendorf nach Altenrhein.
Ein Lastenhubschrauber brachte den Rumpf von Zürich-Dübendorf nach Altenrhein. | Bild: Uwe Stohrer

Die 1939 gebaute Ju 52 gehört der 2018 gegründeten Firma Junkers Flugzeugwerke AG. Unternehmenszweck ist hauptsächlich die Produktion des zweisitzigen Junkers-Junior-Ultraleichtflugzeugs, sowie der Nachbau von historischen F13-Flugzeugen in Kleinserie. 2020 siedelte sich die Firma am Flughafen St. Gallen-Altenrhein an. Chef ist der deutsche Unternehmer und Luftfahrtenthusiast Dieter Morszeck.

Mehrere Millionen Euro sollten investiert werden

Die “Tante Ju“ sollte eine mehrere Millionen Franken teure Restaurierung und gleichzeitig eine Modernisierung erhalten. Das scheint nun nicht mehr realisierbar zu sein. Denn anscheinend sind die Probleme bei der gut 80 Jahre alten Flugzeugstruktur deutlich größer als erwartet. So seien an manchen Stellen, die zunächst nicht einsehbar waren, laut Mitarbeitern bislang unerkannte Schäden gefunden worden.

Das ist bei einem 83 Jahre alten Flugzeug zwar nichts Ungewöhnliches. Allerdings war beim Bau nie daran gedacht worden, das Flugzeug derart lange zu betreiben. Da es die ursprüngliche Firma Junkers in Dessau nicht mehr gibt, kann niemand verbindliche Wartungsvorschriften oder einen Plan für einen sogenannten D-Check erstellen, wie ihn moderne Flugzeuge durchlaufen müssen.

Bekommt die Ju Air ihre alte Maschine zurück?

Nach der Restaurierung hätte die Dreimotorige wieder der Fluglinie Ju-Air in Dübendorf bei Zürich zur Verfügung gestellt werden sollen. Denn die Ju-Air betrieb früher vier Ju 52, unter ihnen auch die HB-HOS. Die Ju-Air ist nach Worten eines Sprechers überrascht, dass die HB-HOS nicht mehr weiter restauriert werden soll. Vermutlich geht diese Ju 52 zukünftig an die Ju-Air zurück. Diese hat nach Worten ihres Sprechers nicht die Mittel für eine Restaurierung in Eigenregie.

Drei frühere Ju 52 der Schweizer Ju Air in der Luft. Heute ist keine der drei Maschinen, die einst für die Schweizer Luftwaffe flogen, ...
Drei frühere Ju 52 der Schweizer Ju Air in der Luft. Heute ist keine der drei Maschinen, die einst für die Schweizer Luftwaffe flogen, mehr in einem flugfähigen Zustand. | Bild: dpa

Die Airline musste nach dem tragischen Absturz einer Maschine in den Alpen am 4. August 2018 mit 20 Todesopfern ihren Flugbetrieb einstellen. Grund für den Absturz war ein riskantes Flugmanöver der beiden Berufspiloten.

Allerdings wurde bei der Untersuchung des Wracks durch die Schweizer Flugunfalluntersuchungsstelle SUST auch zuvor unerkannte Korrosion festgestellt sowie eine ungenügende Inspektion und unerlaubte Ersatzteilversorgung an den drei originalen BMW-Sternmotoren moniert. Die Korrosion an der Flugzeugstruktur hatte auf den Absturz keinen Einfluss.

Unabhängig von der nun gescheiterten Restaurierung besteht aber weiterhin der Plan der Junkers Flugzeugwerke, einen flugfähigen Retro-Nachbau der Ju 52 entstehen zu lassen.