Einige Grenzgänger müssen sich schon bald auf deutliche Veränderungen in ihrem Arbeitsalltag einstellen. Denn Ende Juni läuft die Sondervereinbarung aus, die es ihnen erlaubte, während der Pandemie unbegrenzt von zu Hause aus zu arbeiten, statt in die Schweiz zur Arbeit zu fahren.

Damit gelten voraussichtlich ab 1. Juli wieder die üblichen Sozialversicherungs- und Steuerregeln, Arbeitnehmer müssen also wieder zu ihrer Arbeit pendeln. Wer mehr als 60 Tage im Jahr im Homeoffice arbeitet, verliert nach dem ab 1. Juli wieder geltenden Recht seinen Status als Grenzgänger und die damit verbundenen steuerlichen Vorteile. Betroffen sind davon 63.541 Menschen mit Wohnsitz in Deutschland, die nach Angaben des Schweizer Statistikamts im ersten Quartal 2022 bei Schweizer Unternehmen tätig waren.

Dauerhaftem Homeoffice stehen Gesetze entgegen

Möglich war die Ausnahmeregelung bei Steuern und Sozialversicherung durch die Annahme, dass die Tätigkeit im Homeoffice wegen der Pandemie nur vorübergehend stattfindet. Dauerhaft wird das aber schwierig, denn grundsätzlich gilt bei der Sozialversicherungspflicht das Tätigkeitsortprinzip – wer in der Schweiz arbeitet, muss sie die Versicherungsbeiträge auch dort entrichten.

Wenn sich der Tätigkeitsort durch dauerhaftes Homeoffice aber nach Deutschland verlagert, würde sich dies ändern: Beträgt die Arbeitszeit im Wohnland mehr als 25 Prozent, ist die Sozialversicherung dort zu entrichten, nicht in dem Land, in dem der Arbeitgeber ansässig ist – und die deutsche Sozialversicherungen sind teurer als die Schweizer.

Das Thema beschäftigt den CDU-Bundestagsabgeordneten Felix Schreiner schon länger. Der Vorsitzende der Deutsch-Schweizerischen Parlamentarier-gruppe im Bundestag will sich für eine Änderung der entsprechenden EU-Verordnung (883/2004) einsetzen, um mittelfristig eine flexiblere Lösung für die Grenzgänger zu finden: „Wir brauchen für unsere Grenzregion realitätsnahe Regelungen“, fordert er.

Das könnte Sie auch interessieren

„Corona war ein Treiber für Homeoffice, in Zukunft sollte dies auch zum modernen Arbeiten dazugehören“, sagt der Abgeordnete aus dem Kreis Waldshut. Schreiner verweist zudem auf den Umweltschutz, wenn weniger Autos pendeln müssten, aber auch Faktoren wie die stark gestiegenen Diesel- und Benzinpreise. Dies seien Gründe, weshalb „das digitale Arbeiten im Jahr 2022 verbessert werden sollte“, fordert der CDU-Politiker

Lösung auf EU-Ebene soll her

Das weiß man auch im zuständigen Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BAMS). Man gehe davon aus, „dass auch nach der Pandemie beziehungsweise über Juni 2022 hinaus viele Menschen häufiger im Homeoffice arbeiten wollen als vor der Pandemie“, heißt es auf eine Anfrage Schreiners beim Ministerium. Dort strebt man aber eine EU-weite einheitliche Regelung an, in der geklärt werden müsste, in welchem Rahmen Homeoffice oder auch Remotework (freie Wahl des Arbeitsorts und der Einteilung der Arbeitszeit) möglich sind.

Derzeit befasse sich ein Expertengremium der EU mit diesen Fragen. „Voraussichtlich im Juni“, so die Angaben aus dem Bundesarbeitsministerium, werde die Kommission dazu einen Vorschlag machen. Deutsche Arbeitnehmer in der Schweiz müssen sich aber darauf einstellen, dass ab 1. Juli zunächst wieder die alten Regeln gelten.