Heute Abend geht es für Marius Bear um ziemlich viel. Der 29-jährige Schweizer tritt im ersten Halbfinale des Eurovision Song Contests (ESC) in Turin mit der Ballade „Boys Do Cry“ an. Das große Ziel des Appenzeller Singer-Songwriters ist das Finale am Samstag. Und dort der Sieg.

Seine ESC-Bewerbung ist nicht zuletzt eine Folge der Corona-Pandemie. Nachdem seine Deutschland-Tournee zum dritten Mal verschoben worden war und niemand wusste, wann wieder Konzerte möglich sein würden, sei die Ausschreibung des SRF im August des vergangenen Jahres „wie ein Wink des Schicksals“ gewesen. „Mir war sofort klar, dass es jetzt der richtige Moment ist, um mitzumachen“, sagt Bear, dessen richtiger Nachname Hügli ist. Der Künstlername geht auf seine kraftvolle Statur und Stimme zurück.

Marius Bear singt bei den Proben „Boys Do Cry“.
Marius Bear singt bei den Proben „Boys Do Cry“. | Bild: Luca Bruno/AP/dpa

„In meiner Jugend versammelte sich beim ESC die ganze Familie vor dem Fernseher, ähnlich wie beim Lauberhorn-Rennen“, erzählt er. „Es ist eine sehr unterhaltsame Sendung, die viele Emotionen weckt.“ Ein Schmunzeln sei durchaus mal erlaubt, aber die Musik könne auch berühren und der Wettbewerb bringe zudem immer wieder Überraschungen mit sich. Zum Beispiel den Sieg der italienischen Rockband Måneskin im vergangenen Jahr. „Da hat ein Generationenwechsel stattgefunden“, meint Bear. „Das Publikum ist wieder jünger geworden. Das ist spannend.“

Mit dem Lied „Boys Do Cry“ („eine dreiminütige Umarmung, die Liebe gibt und Nähe vermittelt“) will er eine Botschaft in die Welt tragen. „Ich bin selber ein sehr emotionaler Mann und stehe dazu“, sagt er. „Ich möchte der toxischen Männlichkeit, die momentan grassiert, etwas entgegenhalten. Zu einer positiven Männlichkeit gehört für mich die ganze Bandbreite der Gefühle, von der Freude bis zum Weinen, und sie will gelebt werden. Ein Mann ruht in sich, strahlt Selbstvertrauen aus und geht mit guten Schwingungen durchs Leben.“

Ein gebrochenes Herz: Marius Bear trägt eine Jacke mit Botschaft.
Ein gebrochenes Herz: Marius Bear trägt eine Jacke mit Botschaft. | Bild: Marco Bertorello/AFP

Seit feststeht, dass er die Schweiz beim ESC vertritt, hat sich im Leben des gelernten Baumaschinen-Mechanikers einiges geändert. „Vorher war ich der herzige Newcomer, für den sich fast nur die regionalen Zeitungen interessierten.“ Nun spüre er ein wachsendes Interesse nicht nur der Medien. „Man nimmt mich nicht nur wegen meiner Stimme, sondern als vollwertigen Künstler wahr. Das ist sehr schön.“ Mit dem Interesse steige jedoch auch der Druck. Der Aufwand im Vorfeld des ESC war für Bear eine Herausforderung – er habe viel dazugelernt, achte mehr auf Details und könne sich besser fokussieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Eins wird er im ESC-Halbfinale dennoch anders machen als sonst: Normalerweise tritt Marius Bear barfuß auf, heute Abend wird er Schuhe tragen.