Gelbe Säcke, Blaue Tonne, Bio-Tonne. In Deutschland und in der Schweiz gibt es viele Möglichkeiten, seinen Abfall loszuwerden und ihn zu trennen, nicht immer ist die Herangehensweise der beiden Länder aber gleich.

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Nur das Ziel bleibt das Gleiche: Der Abfall soll möglichst getrennt auf den Deponien ankommen.

Aber wie und wo trennen Schweizer ihren Müll, was machen wir Deutschen anders und welche der beiden Systeme ist nun komplizierter? Wir haben das anhand der beiden Rheinfelden verglichen und geschaut, was die Unterschiede sind.

Die Abfallvignette

In der Schweiz zahlen Haushalte zweimal für den Abtransport des Mülls. Zum einen eine jährliche Abfallgebühr. Zum anderen muss auf den Müllbeuteln in Rheinfelden eine Vignette des Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF) geklebt werden.

Wie viel Marken auf den Müllsack geklebt werden müssen, richtet sich nach der Größe. Ob Apotheke, Migros, Denner oder Coop. Die Vignetten können an vielen Stellen gekauft werden.

In anderen Schweizer Städten, wie beispielsweise Zürich, gibt es statt der Vignette spezielle Müllsäcke, die für die Entsorgung verwendet werden müssen.

Alternativ können Schweizer Haushalte in Rheinfelden auch eine eigene Tonne verwenden wie in Deutschland auch. Diese müssen selbst gekauft werden und anschließend bei der Entsorgungsfirma angemeldet werden. Eine Vignette müssen die Schweizer bei einer eigenen Tonne nicht mehr aufkleben.

Die Grüne Tonne oder Bioklappe

Für die Schweizer, die ihren Bioabfall nicht in den normalen Hausmüll werfen wollen, gibt es auch in unserem Nachbarland den Bioabfall. Wie bei der Abfallvignette gibt es auch hier zwei Optionen.

Die erste kann man ebenfalls in Deutschland finden: die Grüne Tonne. Auch sie kann je nach Bedarf bestellt werden. Eine 240 Liter Tonne kostet einen Rheinfelder in der Schweiz 95 CHF.

„Die Bioklappe für Bioabfall“ heißt diese Entsorgungsstelle am Hauptwachplatz in Rheinfelden/CH. Im Stadtgebiet finden sich ...
„Die Bioklappe für Bioabfall“ heißt diese Entsorgungsstelle am Hauptwachplatz in Rheinfelden/CH. Im Stadtgebiet finden sich noch fünf weitere dieser Container. | Bild: Esteban Waid

Es gibt aber eine Alternative, die in Deutschland hingegen kaum verbreitet ist. So befinden sich im schweizerischen Rheinfelden insgesamt sechs sogenannte Bioklappen. Ähnlich wie bei Glascontainern können hier Bioabfälle entsorgt werden.

„Bioabfälle trenne und vergäre statt verbrenne“, steht auf einem der Container. „Schont d‘Umwält und d‘Huushaltskasse“, schreibt die GAF als weiteres Argument darunter.

Damit die öffentliche Bioklappe auch ihren Zweck erfüllt, müssen die richtigen Müllbeutel verwendet werden. Oft landet aber trotzdem ...
Damit die öffentliche Bioklappe auch ihren Zweck erfüllt, müssen die richtigen Müllbeutel verwendet werden. Oft landet aber trotzdem Plastik im Biomüll. | Bild: Esteban Waid

„Mit einer Karte kann man die Klappe öffnen und seinen Biomüll entsorgen“, erklärt Markus Amsler, Geschäftsstellenleiter der GAF. Allerdings gebe es ein Problem: oft lande mit dem Biomüll auch Plastik in den Containern, weil die falschen Beutel dafür verwendet werden.

Sperrgut jederzeit

Im deutschen Rheinfelden kann jeder einmal im Jahr eine Sperrmüllsammlung vor der Haustüre anmelden. Auch die Schweizer Rheinfelder können ihr Sperrgut vor der Türe entsorgen. Dafür kommen wieder die Vignetten zum Einsatz. Pro fünf Kilogramm Sperrgut muss eine Vignette aufgeklebt werden.

Glas und Alu können in der Schweiz an diesen Sammelstellen entsorgt werden.
Glas und Alu können in der Schweiz an diesen Sammelstellen entsorgt werden. | Bild: Esteban Waid

Wie in Deutschland gibt es aber auch in der Schweiz Wertstoffhöfe und Recyclingstationen, zu denen das Sperrgut gebracht werden kann.

Zusätzlich zu den großen Wertstoffhöfen gibt es in der Schweiz auch kleinere Recycling-Sammelstellen in den Gemeinden bei denen neben Glas auch Aluminium entsorgt werden kann. Wie Amsler ergänzt, gebe es Gemeinden mit Sammelstellen, an denen auch Papier entsorgt werden kann.

Plastikmüll in den gelben Sack?

Ja, auch im Schweizerischen Teil von Rheinfelden gibt es einen gelben Sack, in dem Verpackungsplastik entsorgt werden kann. In Rheinfelden gibt es diese Möglichkeit erst seit 2016. Wie Markus Amsler erklärt, sei dieses Angebot in der Schweiz noch nicht flächendeckend verfügbar. Laut Amsler sammle der GAF dadurch rund 120 Tonnen Plastik im Jahr.

Ein Unterschied zu Deutschland: „PET-Getränkeflaschen können bei allen Verkaufsstellen abgegeben werden“, erklärt Amsler, allerdings gibt es kein Pfand zurück. Dafür können auch andere Plastikbehältnisse wie Shampoo- oder Putzmittelflaschen bei Supermärkten wie der Migros oder Coop abgegeben werden.

Papier wird eingesammelt

Für Papier und Karton braucht es – anders als in Deutschland – keine Tonne. Alle paar Monate können Schweizer Papier oder Karton gebündelt an die Straße stellen. Sollten sich die Liefer-Kartons in dieser Zeit aber trotzdem bis unter die Decke Stapeln, können auch diese in größeren Wertstoffhöfe entsorgt werden.

Am Ende gibt es immer zwei Optionen

Was bei unserer Nachbarn auffällt: Am Ende gibt es meistens zwei Optionen. Wer sich keine Tonne für Bioabfall, Hausmüll oder Plastik vor die Tür stellen will oder warten will, bis Karton und Papier abgeholt werden, der hat die Möglichkeit, dies selbst zu erledigen. Eigentlich ähnlich wie in Deutschland.

Auffällig sind aber die unterschiedlichen Sammelstellen im öffentlichen Raum. Ob Glas oder Alu Sammelstellen, PET- und andere Plastiksammlung im Supermarkt oder Bioklappe auf öffentlichen Plätzen. Oft befinden sich diese nur einige Meter vor der Haustüre. Das komplizierte in der Schweiz: das Angebot kann sich je nach Kanton oder sogar Gemeinde unterscheiden.

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Dieser Artikel erschien erstmals am 4. Mai 2022.