„Wir hatten 35 Besucher, sogar das Fernsehen war da“, sagte Werner Meier, Präsident der Hüntwanger Museumskommission nach der Eröffnung der Sonderausstellung „111 Jahre elektrische Kraft in Hüntwangen“. Im Dorfmuseum der schweizerischen Nachbargemeinde von Dettighofen wird in einer speziellen Ausstellung gezeigt, wie der Strom in das kleine Dorf im Rafzerfeld gekommen ist.

Trafostation im Dorf 1910 gebaut

1887 ist im Kulmhotel in St. Moritz in der Schweiz erstmals ein Innenraum mit elektrischen Bogenlampen beleuchtet worden. Es dauerte aber bis 1910 – zwei Jahre nachdem die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich gegründet worden waren – bis in Hüntwangen die Transformatorenstation gebaut wurde. Sie ist heute das Wartehäuschen an der Bushaltestelle. Im Jahr 1911 brannten im Dorf die ersten Straßenlampen mit je 40 Kerzenstärken Leistung. Hutfabrik, Bauern- und Gewerbehäuser wurden nach und nach ans elektrische Ortsnetz angeschlossen.

Werner Meier zeigt eine E27 Lampenfassung, die es bei Beginn der Elektrifizierung schon gab.
Werner Meier zeigt eine E27 Lampenfassung, die es bei Beginn der Elektrifizierung schon gab. | Bild: Thomas Güntert

Strom bringt Hutfabrik einen Aufschwung

In der Sonderausstellung sind alte Straßenlaternen, kriminelle Elektroinstallationen und der erste Kraftstrommotor zu sehen, der in Hüntwangen lief. Meier bemerkte, dass damals schon die Lampenfassungen E27 verwendet wurden. Nicht zuletzt durch die Elektromotoren, die über Transmissionen verschiedene Gerätschaften antrieben, erlebte die Hutfabrik Ritz & Söhne einen Aufschwung. Die Manufaktur war zeitweise der größte Arbeitgeber im Rafzerfeld und beschäftigte damals schon zahlreiche Grenzgängerinnen.

In der Hutfabrik Ritz & Söhne wurden die Nähmaschinen über eine Transmission von einem Elektromotor angetrieben.
In der Hutfabrik Ritz & Söhne wurden die Nähmaschinen über eine Transmission von einem Elektromotor angetrieben. | Bild: Thomas Güntert

Zwischen den maschinellen Zeitzeugen liegt in der Ausstellung auch das Protokollbuch der Gemeindeversammlung aus, in dem der langwierige Prozess der Einführung der Elektrizität dokumentiert ist. Zudem kann an einer Infowand die Entwicklung der Elektrifizierung vom Beginn bis zur Gegenwart verfolgt werden. Experimentiertische sind aufgebaut.

Während die Erwachsenen durch die Ausstellung gingen, checkten die Kinder am Experimentiertisch alles durch.
Während die Erwachsenen durch die Ausstellung gingen, checkten die Kinder am Experimentiertisch alles durch. | Bild: privat/Museum

Bis vor 18.000 Jahren grasen dort noch Mammuts

Der historische Rundgang beginnt im Erdgeschoss mit der geologischen Urgeschichte. Beim Eingang sind Stoßzähne vom Wollhaarmammut ausgestellt, der bis vor 18.000 Jahren im Rafzerfeld lebte. In der Scheune stehen Geräte aus der Landwirtschaft und dem Strohflechten. Im Obergeschoss ist die Geschichte von Hüntwangen seit der Ersterwähnung 1254 dokumentiert. Nebenan sind Nähmaschinen und Utensilien von der ehemaligen Hutmanufaktur. Im Dachgeschoss wird der Kiesabbau thematisiert. Im Fokus: ein Modell der Kieswaschanlage Embrach aus dem Jahr 1964. Im Stall im Untergeschoss gibt‘s die Sonderausstellung.

Die Transformatorenstation aus dem Jahr 1910 ist heute das Buswartehäuschen in Hüntwangen.
Die Transformatorenstation aus dem Jahr 1910 ist heute das Buswartehäuschen in Hüntwangen. | Bild: Thomas Güntert

Das erste Dorfmuseum wurde 1988 in einem Stall im Außerdorf eingerichtet. Auf Initiative der Museumskommission wurde das landwirtschaftliche Gebäude an der Dorfstraße umgebaut, in dem auch Gemeindesaal und Café Schüür integriert wurden. 2014 wurde das neue Dorfmuseum mit Dauer- und Sonderausstellung eröffnet.