Fußball, A-Junioren-Oberliga: FC 08 Villingen – SV Waldhof Mannheim 3:2 (0:0) Nach dem Schlusspfiff war selbst Trainer Reiner Scheu überwältigt. „Solch ein Spiel habe ich noch nie erlebt“, sagte der alte Haudegen. Soeben hatte seine Mannschaft den Titelfavoriten aus Mannheim in einem dramatischen Spiel bezwungen und selbst die Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht. Damit machte der Oberliga-Aufsteiger den direkten Durchmarsch in Deutschlands höchste Nachwuchs-Liga perfekt.

Die Kulisse war großartig und bislang wohl einzigartig bei einem Jugendspiel im Schwarzwald: Exakt 1064 Zuschauer wollten sich das prickelnde Saisonfinale bei den A-Junioren nicht entgehen lassen. Was die Fans zu sehen bekamen, war ein Fußball-Krimi, der seinesgleichen sucht.

Die Gäste aus Mannheim wollten dem Spiel von Beginn an ihren Stempel aufdrücken. Doch die Villinger hielten dagegen und starteten gefährliche Konter. Nach einer halben Stunde tauchte Alex German vor dem Mannheimer Gehäuse auf, traf aber nur die Querlatte. Zwei Minuten später hatten die Villinger eine fünfminütige Zeitstrafe, die gegen Weißhaar verhängt wurde, zu überstehen, überstanden diese kritische Phase jedoch ohne Gegentor.

Kurz nach der Pause schlug es jedoch im Villinger Kasten ein – in der 48. Minute. Die Waldhöfer bekamen einen Freistoß zugesprochen, den Inguanta aus mehr als 25 Metern unhaltbar zum 0:1 in die Maschen setzte. Villingens Torhüter Joachim Ball war mit der Hand zwar noch am Leder, konnte den Einschlag jedoch nicht mehr verhindern.

Nun mussten die Villinger kommen, denn bei einer Niederlage wäre der Traum von der Meisterschaft endgültig ausgeträumt gewesen. Wie ein HB-Männchen hüpfte Trainer Reiner Scheu an der Außenline auf und ab und trieb seine Mannschaft nach vorne. Immer häufiger tauchten die Nullachter in der Folge nun vor dem Mannheimer Tor auf. Die Gäste versuchten das Tempo aus dem Spiel herauszunehmen, was aber nicht gelang.

„Ich wusste, dass der Gegner auf diesem Platz langsam müde werden würde. Das habe ich meinen Jungen in der Halbzeit auch gesagt und sie haben auch daran geglaubt. Wir mussten nur lange genug Ruhe bewahren“, analysierte Scheu diese Phase.

Glück für die Gäste in der 62. Minute, als Karsten Scheu bei einem Freistoß von Weißhaar den Torhüter irritierte, dieser die Situation aber trotzdem meisterte. In der 64. Minute brandete erstmals Jubel auf, denn Tobias Link traf zum 1:1. „Das Tor war gut herausgespielt. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass wir es jetzt packen

würden“, kommentierte Reiner Scheu den Villinger Ausgleich. „Steht auf, wenn ihr Villinger seid“, schallte es hundertfach über den Platz. Angefeuert vom begeistert mitgehenden Publikum spielten die Gastgeber ihre konditionelle Überlegenheit aus und machten weiter Druck. Als die Mannheimer in der 79. Minute einen Freistoß nicht wegbrachten, war Torjäger German zur Stelle und brachte die Nullachter mit 2:1 in Führung.

Die drohende Niederlage vor Augen, setzten die Waldhöfer alles auf eine Karte. Wurde ein Freistoß in der 83. Minute noch über das Villinger Tor bugsiert, nutzte Süllich in der 85. Minute einen Stellungsfehler in der Villinger Abwehr und hämmerte das Leder zum 2:2 ins Netz. Nun hatten die Kurpfälzer im Kampf um die Meisterschaft wieder alle Trümpfe in der Hand.

Die Schlussphase hätte Gruselmeister Alfred Hitchcock nicht spannender inszenieren können. Verzweifelt berannten die Villinger das Mannheimer Tor, um den Siegtreffer zu erzwingen. Als sich ein Mannheimer von seinem Kameraden wegen eines Krampfes behandeln ließ und nicht vom Platz ging, hatten die Villinger in der Nachspielzeit nach einem Freistoß die letzte Chance – und nutzten sie. Markus Neumann spitzelte den Ball zum 3:2 über die Linie.

„Mir fehlen die Worte. Das ist unfassbar, was meine Jungen heute abgeliefert haben. Da hatten wir das Match schon fast verloren und kämpften uns zurück. Ich habe jedoch immer daran geglaubt, dass wir noch gewinnen würden“, sagte ein sichtlich geschaffter aber überglücklicher Trainer Reiner Scheu.

Tore: 0:1 (48.) Inguanta, 1:1 (64.) Link, 2:1 (79.) German, 2:2 (85.) Süllich, 3:2 (93.) Neumann. Schiedsrichter: Sagin/Blumberg. Zuschauer: 1064.

FC 08 Villingen: Ball, Trombino, Klüber, Geiger (86. Maier), Pfaff, Link, Scheu, Weißhaar, Neumann, Köhler (68. Hasimovic), German (81. Speer).

Stimmen zum Bundesliga-Aufstieg der Villinger A-Junioren

Tobias Link, Torschütze zum 1:1- Ausgleich: „Wie ich den Freistoß aus dieser Entfernung versenken konnte, weiß ich immer noch nicht. Den Torjubel habe ich gar nicht realisiert. Es war wie in einem Film. Zweimal einen Rückstand aufholen, das kann nur unser Team.“

Fabio Trombino, Abwehrspieler: „Nach dem 2:2 habe ich nicht mehr an den Sieg geglaubt. Seit heute weiß ich, dass im Fußball alles möglich ist. Ein unbeschreibliches Gefühl. So was habe ich noch nie erlebt.“

Alexander German, Torschütze zum 2:2: „Es hat riesig Spaß gemacht, vor solch einer Kulisse zu spielen. Das hat uns sehr motiviert. Einfach ein geiles Gefühl und jetzt wird gefeiert.“

Markus Neumann, Torschütze zum 3:2: „Ich kann das alles noch gar nicht realisieren. Ich bin einfach überglücklich, dass ich in der Nachspielzeit am richtigen Fleck stand und das Siegtor schießen durfte. Ich will jetzt nur noch eins: den Sieg feiern.“

Marcel Klüber, Verteidiger: „Kurz vor Schluss habe ich an unsere Partie in Böblingen vor ein paar Wochen gedacht. Damals haben wir auch in letzter Sekunde den Ausgleich geschossen. Vor allem deswegen habe ich auch nach dem 2:2 noch an einen Sieg geglaubt.“

Joachim Ball, Torwart: „Solch eine Dramatik habe ich noch nie erlebt. Ich wusste, dass alles passieren kann und habe, ebenso wie die ganze Mannschaft, niemals aufgegeben.“

Patrick Maier, Spieler: „Ich bin einer der wenigen, der nächste Saison in der Bundesliga spielen darf. Deswegen freue ich mich doppelt. Was die Mannschaft erreicht hat, kann man nicht in Worte fassen.“

Bernadette Mangold (FC 08-Jugendleiterin): „Ich hatte die ganze Woche ein gutes Gefühl und das hat mich nicht betrogen. Ich gratuliere Trainer und Mannschaft zu diesem Erfolg. Es war ein tolles Spiel und auch eine tolle Zuschauerkulisse. Ich bin nur noch happy. Das war eines meiner bislang schönsten Erlebnisse.“

Wolfgang Hässler (FC 08-Spielausschussvorsitzender): „Das war sensationell. Das Spiel war sehr spannend und hatte auch die vielen Zuschauer verdient. Zum Schluss ist es noch einmal eng geworden. Ich kann Reiner Scheu zu seiner Mannschaft nur gratulieren. Solch einen Durchmarsch schafft nicht jeder. Wir werden den Aufstieg in die A-Junioren-Bundesliga auf jeden Fall wahrnehmen.“

Wolfgang Holzinger (FC 08-Schatzmeister): „Mit solch einer imposanten Zuschauerkulisse hatte ich nicht gerechnet, aber dieses Spiel hat sie verdient. Das war schon sensationell, was da auf dem Platz abging. Jetzt muss man schauen, dass man aus der Situation das Richtige macht. Mir gefällt es absolut, jetzt einen Bundesligisten im Verein zu haben.“

Linda Schuh, treue Zuschauerin der A-Jugend: „Ich war bei fast allen Spielen, aber das war das mit Abstand spannendste in dieser Saison. Zum Zuschauen war es sehr aufregend, mit einem Villinger Happy End.“ (fab/khv)

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