Ski alpin: Am nötigen Mut hat es David Ketterer noch nie gefehlt – weder auf noch abseits der Piste. Der Hochemminger lässt sich auch nicht so schnell ausbremsen. Nach einer bescheidenen Winter-Saison bekam er im Frühjahr die Nachricht, dass er nicht mehr zum deutschen Elite-Kader gehören wird. Die Trainer hielten den 27-Jährigen für die höchste Lehrgangsgruppe des DSV nicht mehr gut genug. „Meine Ergebnisse waren im vergangenen Winter nicht besonders gut, deshalb konnte ich es nachvollziehen. Aber ich war natürlich enttäuscht. Doch Jammern bringt nichts. Immerhin durfte ich in der Sportfördergruppe der Bundeswehr bleiben“, blickt Ketterer zurück.

Die unerfreuliche Nachricht war für den Schwarzwälder aber zugleich auch Ansporn. Jetzt erst recht sagte er sich und schlug einen neuen Weg ein. „Ich versuche es auf eigene Faust.“ Als Einzelkämpfer nahm er die Vorbereitung auf die neue Saison in Angriff. Dass dieser Weg wesentlich mühsamer sein wird als der bisherige, war Ketterer schnell klar. „Ich muss alles selbst organisieren und finanzieren. Kosten wie Liftkarten und Hotels muss ich nun bezahlen. Ich bin zudem mein eigener Trainer und Servicemann.“

In seiner neuen Situation sieht das Ski-Ass vom SSC Schwenningen aber auch einige Vorteile. „Ich kann nun alles selbst entscheiden. Wie und wann ich etwas mache. Ich muss mich auch nicht mehr nach den vorgegebenen Plänen richten“, sagt der Hochemminger. Das Einzelkämpfer-Dasein macht Ketterer Spaß. Zudem hat er neues Ski-Material, das offensichtlich für zusätzliche Motivation sorgt. „Das Material war letztes Jahr ein Problem. Nun passt es aber wieder besser. Das macht mich zuversichtlich.“

Ganz allein geht es bei einem Slalom-Fahrer allerdings nicht. So trainiert der Schwarzwälder hin und wieder mit anderen Nationen. „Ich war bereits bei den Russen und Bulgaren dabei. Dadurch bekommt man eine andere Perspektive. Auch mit dem deutschen Team konnte ich einige Tage mittrainieren.“

Dass die Corona-Pandemie auch seinen sportlichen Alltag erschwert, ist nicht überraschend. Ketterer: „Im Frühjahr wollte ich Punkte sammeln in Japan, im Sommer in Neuseeland und zuletzt in Colorado. Alle Rennen wurden aufgrund von Corona abgesagt.“ Auch bei seinen Kurz-Trips zum Training in ausländische Skigebiete muss sich der Wahl-Münchener ständig neu informieren über aktuelle Ein- und Ausreisebestimmungen. „Ich muss auch immer wieder Tests machen und versuche, die Zeit im Ausland so gut es geht einzugrenzen, damit ich nicht in Quarantäne muss.“

Trotz des zusätzlichen Aufwandes als Ein-Mann-Team und den Corona-Anforderungen ist David Ketterer mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung zufrieden. Die neue Saison rückt näher. In zweieinhalb Wochen stehen bereits die ersten Fis-Rennen auf dem Programm. Ab diesem Zeitpunkt will und muss Ketterer Top-Ergebnisse liefern und kräftig Punkte sammeln. Das ist die Voraussetzung für die Rückkehr in den Weltcup. „Das ist mein großes Ziel. Die DSV-Trainer haben mir zudem signalisiert, dass ich bei entsprechenden Resultaten ins Team zurückkehren kann.“ Vorerst bleibt David Ketterer jedoch Einzelkämpfer und will auf eigene Faust zeigen, dass er sich nicht so schnell unterkriegen lässt.

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