Sein Vertrag beim FC 08 Villingen läuft zwar zunächst nur über eine Saison. Doch Neuzugang Konstantin Schiler will alles daran setzen, dass daraus eine längere Liaison wird. „Ich bin gekommen, um zu bleiben“, stellt er unmissverständlich klar. Wohl wissend, dass die Entscheidung darüber nicht nur bei ihm alleine liegt. „Was ich aber tun kann ist, durch Leistung zu überzeugen. Jeden Tag im Training und – wenn ich die Chance dazu erhalte – in den Spielen. Da kann ich hoffentlich zeigen, dass kein Weg an mir vorbeiführt“, so der Neuzugang.

Dass dies nicht von heute auf morgen geht, darüber ist sich Konstantin Schiler, dessen Familie vor nunmehr 16 Jahren aus Sibirien nach Deutschland kam und der nach wie vor zusätzlich über die russische Staatsbürgerschaft verfügt, im Klaren. Er ist Realist genug, um derzeit noch keine vehementen Ansprüche auf einen Stammplatz zu stellen. „Ich bin ein junger Spieler, der lernen und sich weiterentwickeln möchte. Schließlich war das vergangene Jahr mein erstes überhaupt bei den Aktiven. Dann kamen die langen Pausen dazu, die für Akteure in meinem Alter noch schwieriger aufzuholen sind. Außerdem muss ich mich noch eine Zeit lang an das System hier in Villingen gewöhnen“, sagt er von sich selbst. Um im nächsten Atemzug zu ergänzen: „Durchsetzen will ich mich aber. Sonst hätte ich die Herausforderung gar nicht erst annehmen dürfen.“

Das Talent und die Liebe zum Fußball hat bei den Schilers eine Generation übersprungen. Der Opa war es, der einst selbst gekickt hatte und früh mit seinen beiden Enkelsöhnen die ersten Gehversuche machte. „Er hat uns im Wohnzimmer aus dem Sessel heraus immer den Ball zugeworfen. Mein Zwillingsbruder Andreas und ich haben dann hin und her gespielt“, erzählt der 20-Jährige mit einem breiten Grinsen. Um nicht zuletzt die Einrichtung zu schonen, traten sie schnell ihrem Heimatverein vom SV Osterburken bei und erlernten dort den Sport von der Pieke auf. Mit Erfolg, wie sich bald herausstellen sollte.

„Wir haben in jedem Jahr bei den badischen Hallenmeisterschaften teilgenommen, bei denen auch Sandhausen mitgespielt hat“, erinnert sich Konstantin Schiler. Bei einer dieser Gelegenheiten wurde Bernd Bechtel, lange Jahre Jugend-Koordinator beim Zweitligisten, auf die beiden aufmerksam und lotste sie nach Sandhausen. Da sich das dortige Nachwuchs-Leistungszentrum zu der Zeit erst im Aufbau befand und es keine Möglichkeit einer Unterbringung wie in Hoffenheim oder Freiburg in einem Internat gab, waren Zugfahrten für die Entfernung von rund 100 Kilometern die täglichen Begleiter. „Zum einen wollten wir ohnehin lieber zuhause bleiben und dort die Schule beenden, zum anderen nimmt man dies für seinen Traum gerne in Kauf.“

Nach sechs Jahren, in denen er alle möglichen Jugendmannschaften des SV Sandhausen durchlief und in der vergangenen Saison mit der U 23 in der Oberliga spielte, war für Konstantin Schiler die Zeit für einen Tapetenwechsel gekommen. „Der letzte Tabellenplatz, Corona und der Abbruch dieser Spielzeit hatten damit nicht viel zu tun. Wir sind schlicht und einfach in den Gesprächen nicht auf einen Nenner gekommen. Danach gab es mehrere Anfragen, doch in den Treffen mit Arash und Marcel Yahyaijan war ich schnell vom FC 08 mit seinem Konzept und seinen Ideen überzeugt.“ Also entschied er sich für einen Wechsel in den Friedengrund. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch: Erstmals weg aus der Obhut der Eltern, erstmals auf eigenen Beinen stehen, mit allem, was dazugehört. Wohnen in einer WG, putzen, einkaufen, kochen und neben dem täglichen Training auch noch jobben. Schiler: „Es gab Stimmen, die mir dies nicht zugetraut hatten. Doch ich bekomme es ganz gut hin. Auch bin ich überzeugt davon, dass es für meine persönliche Entwicklung wichtig ist.“

Zu den Skeptikern zählte neben seiner Mutter übrigens auch Freundin Letizia, mit der Konstantin Schiler („Wir kennen und seit der Schulzeit“) seit sechs Jahren liiert ist. „Dennoch hat sie mich in meiner Entscheidung bestärkt. Wir haben viel darüber gesprochen. Sie steht ohnehin in allem, was ich mache, komplett hinter mir“, betont er. Auch wenn dies, wie in diesem Fall, eine räumliche Trennung zur Folge hat.

Apropos Job: Neben dem Fußball arbeitet Konstantin Schiler auf Vermittlung von Athletiktrainer Bernd Seckinger bei einer Maler- und Gerüstbaufirma in Dauchingen. „Das Handwerkliche hat mir schon immer gelegen, hier sehe ich auch meine Zukunft. Derzeit kümmere ich mich darum, einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, denkt er an seine berufliche Zukunft.

Im Moment aber steht Fußball für ihn an erster Stelle. Dank seiner enormen Schnelligkeit – seine Bestmarke über 100 Meter liegt bei 10,3 Sekunden – und seiner spielerischen Fähigkeiten will er sich beim FC 08 etablieren. „Woher dieser Antritt kommt, weiß ich selbst nicht so genau. Er war einfach da. Auf dem Platz liebe ich es, offensive Akzente zu setzen. Ich mag aber auch die Defensivarbeit mit ihren Zweikämpfen“, lautet der Plan von Konstantin Schiler für seine Zeit in Villingen. Schließlich ist er gekommen, um zu bleiben.

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