Frühzeitig zeichnete sich ab, dass es aufgrund der Corona-Pandemie keine Ringer-Saison 2020 geben wird. Der Südbadische Ringerverband wollte deshalb den Vereinen die Möglichkeit geben, mit Freundschaftskämpfen für etwas Abwechslung zu sorgen. Doch als klar war, welche Anforderungen das Hygienekonzept mit sich bringen wird, war für viele Ringer-Klubs schnell klar, dass die geplanten Freundschaftskämpfe für sie nicht in Frage kommen werden.

Beim Oberligisten KSK Furtwangen entschied sich die Vereinsführung klar gegen die Übergangslösung. Für Tobias Haaga, Trainer und Kassier bei den Bregtälern, entsteht somit eine völlig ungewohnte Situation. „33 Jahre lang war ich jedes Jahr von September bis Dezember in Sachen Ringkämpfe unterwegs“, so Haaga. Doch für ihn gab es keine andere Alternative, als die Freundschaftskämpfe abzusagen. „Wir wissen ja nicht einmal, ob bei diesen Anforderungen überhaupt Fans zu unseren Kämpfen gekommen wären. Dies birgt auch ein finanzielles Risiko.“

Der KSK hat ohnehin schon wesentlich wirtschaftliche Einbußen in der Vereinskasse durch Corona-bedingte Absagen abseits der Ringerhalle. Haaga: „Wir haben normalerweise in Furtwangen bei Veranstaltungen wie Bike-Marathon, Kulturwoche oder Trödlermarkt jährlich wichtige Einnahmen. Da alles abgesagt wurde, fehlt uns nun eine Summe im fünfstelligen Bereich.“

Verbandsligist SV Triberg tat sich nicht leicht bei der Entscheidung gegen die Freundschaftskämpfe. „Beim Abwägen der ganzen Faktoren kamen wir zu dem Ergebnis, dass die Teilnahme keinen Sinn macht. Ich denke, es ist die vernünftigste Entscheidung“, sagt SVT-Trainer Kai Rotter und fügt an: „Es geht dabei nicht ums Wollen. Die Ringer und mich ärgert es am meisten, dass wir keine Kämpfe haben. Aber bei dieser Entscheidung ging es um Punkte wie Gesundheit, Finanzielles und Verhältnismäßigkeit beim Hygienekonzept. Da dürfen Emotionen keine Rolle spielen.“

Für Gennadi Tomaschewski, Vorsitzender und Ringer beim AC Villingen, ist „der Aufwand zu groß“, um die möglichen Freundschaftskämpfe zu realisieren. „Natürlich hätten sich die Ringer auf Kämpfe gegen andere Gegner gefreut. Aber durch das Hygienekonzept würde es auch wenig Spaß machen“, begründet Tomaschewski die Entscheidung des Bezirksliga-Aufsteigers. Finanziell hat die Absage der Punkterunde für die Villinger keine großen Auswirkungen. „Wir haben zwar keine Zuschauereinnahmen, aber dafür auch so gut wie keine Ausgaben“, so Tomaschewski.

Der KSV Vöhrenbach wird ebenfalls nicht an den Freundschaftskämpfen teilnehmen. Für den Vorsitzenden Daniel Heizmann sprach nicht nur der wirtschaftliche Aspekt für die Absage. „Es geht auch um die Verantwortung, die wir gegenüber Ringern und Zuschauern haben“, so Heizmann.

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In Südbaden haben sich von der Oberliga bis zur Landesliga 17 Vereine dafür entschieden, an den Freundschaftskämpfen ab 3. Oktober teilzunehmen. Dazu gehört auch der KSV Tennenbronn mit zwei Mannschaften. Da die Regionalliga-Saison abgesagt wurde, nutzen die Tennenbronner die Möglichkeit, mit ihrer ersten Mannschaft an den Freundschaftsduellen gegen Oberliga-Teams teilzunehmen. „Für uns war im Vorhinein klar, dass wir ringen wollen, wenn es die Vorgaben der Politik erlauben“, sagt KSV-Trainer Matthias Brenn.

Für Brenn ist das Risiko bei diesen Mannschaftskämpfen „kalkulierbar“. Allerdings ist er gespannt, ob sich in den nächsten Wochen aufgrund der aktuell steigenden Corona-Fallzahlen an den Einschränkungen etwas ändern wird.

Unabhängig davon, ob ihr Verein an den Freundschaftskämpfen teilnimmt oder nicht, wird vielen Ringern und Ringer-Fans in diesem Herbst sicherlich etwas fehlen. Ihnen bleibt nur die Hoffnung, dass bald wieder Normalität einkehrt und 2021 wieder „richtige“ Ringkämpfe stattfinden können.

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