Eishockey: Die Schwenninger Wild Wings sind gut aus den Startlöchern gekommen. Aktuell Platz fünf in der Deutschen Eishockey Liga – da beginnt so mancher Fan schon zu träumen. Trainer und Kapitän indes ordnen die Erfolge realistisch ein.

Nein, einen Grund abzuheben, den gibt es nun wirklich nicht. Freuen, ja, freuen darf man sich als Wild Wings-Fan derzeit schon. Und ein gewisses Maß an Euphorie sei auch gestattet, auch wenn sich so mancher Besucher oder Spieler am vergangenen Sonntag in der Helios-Arena ein wenig gewundert haben dürfte. Da schallte nach dem 4:2-Sieg gegen die Straubing Tigers ein Gesang durch das ehemals altehrwürdige Bauchenbergstadion, den man eben dort zuletzt vor Jahrzehnten hören konnte. „Deutscher Meister wird nur der ERC“ sang die Kurve lautstark.



Der geneigte Zuhörer grinste kopfschüttelnd. Ja, es war durchaus bemerkenswert, was sich die Wild Wings an diesem Abend erarbeitet hatten. Und ja, auch der gesamte Start in die Saison ist den Schwenningern gut gelungen. „Wir können zufrieden sein, aber ausruhen dürfen wir uns nicht“, kommt von Kapitän Sascha Goc sofort die Euphoriebremse und er nennt dafür einen Grund. „Es wird sicher nicht einfacher, keine Mannschaft wird uns mehr unterschätzen.“

Damit liegt der Teamleader nicht nur völlig richtig, sondern auch auf einer Wellenlänge mit seinem Trainer. Pat Cortina, seit nunmehr zehn Wochen der entscheidende Mann an der Bande, wird nicht müde zu betonen, dass man von Spiel zu Spiel denken müsse und Punkte sowie Tabellenplatz nichts weiter als eine Momentaufnahme seien. Tatsächlich bereitet der Blick auf die Tabelle gerade viel Freude, doch neben dem fünften Platz und 13 Punkten steht dort eben auch die Zahl acht. „Wir haben gerade den achten Spieltag“, erklärt auch Pat Cortina unmissverständlich. „Ich weiß, wie weit wir mit der Mannschaft sind. Es ist noch viel zu früh, weitere Prognosen für die Saison abzugeben.“

Gründe für einen gewissen Optimismus, lassen sich allerdings schon finden. Schon am vergangenen Freitag bei der Partie in Düsseldorf, die die Jungs vom Neckar nach Penaltyschießen verloren, hatten die Wild Wings eine Qualität gezeigt, die man in den letzten drei Spielzeiten häufiger vermisste. Nach einem guten Start ins Spiel gegen die DEG wurde man durch teils unnötige, teils ungerechtfertigte Strafzeiten zurückgeworfen. Was folgte, war aber kein Einbruch, keine Gewaltaktionen und kein kopfloses Anrennen wie auch im Spiel gegen Straubing.

Die Wild Wings hielten sich an ihren Plan, blieben selbst unter Druck erstaunlich stabil. Eine Tatsache, die Mannschaftskapitän Sascha Goc nicht überrascht. „Wir haben von Anfang an an uns geglaubt. „Schon im Sommertrainingslager hat uns Pat Cortina viel Selbstvertrauen vermittelt, viel Teamgeist hineingebracht. Er hat eine klare Linie und macht klare Ansagen. Es ist viel Zug dahinter und er ist sehr überzeugend“, sagt der 37-Jährige.

Die Spieler ziehen offenbar gut mit, wollen sich auch weiter entwickeln. Als Beispiel seien Uli Maurer und Marc El-Sayed genannt, die gerade am Sonntag gegen die Tigers ein famoses Spiel zeigten. Vor der Saison eher als „Zerstörer“ vermutet, erledigen sie nicht nur diesen Job, sondern haben gemeinsam bereits neun Scorerpunkte auf dem Konto. Oder die „jungen Wilden“. Kai Herpich, Lennart Palausch und Daniel Schmölz entwickeln sich von Spiel zu Spiel immer einen Schritt weiter. Waren sie gegen Straubing auf dem Eis, wackelte ein ums andere Mal die Plexiglasscheibe und der Gegner gleich mit.

Ein guter Anfang also, den es nun zu konservieren gilt. „Der Erfolg gegen Straubing war kein ‚Hurra-Sieg‘ mit Glanz und Gloria. Er zeigt uns aber, dass wir Spiele gewinnen können, wenn wir uns an die Vorgaben des Trainers halten. Wir hatten auch in den letzten Jahren schon gute Phasen und dann lief es plötzlich nicht mehr. Das versuchen wir dieses Jahr zu verhindern“, betont Sascha Goc noch einmal, dass die Mannschaft erst am Anfang steht.