Es gab vor dem letzten Heimspiel gegen die Kölner Haie einige Abgänge zu verzeichnen. ChristophSandner, wie kam es zu dieser Entscheidung?

Auch wenn es rechnerisch noch möglich wäre, steht bei allem Optimismus bereits seit einigen Wochen
fest, dass wir die Playoffs nicht mehr erreichen werden. Über die Gründe, warum es diese Saison erneut nicht geklappt hat, haben wir uns über die letzten Wochen intensiv und schonungslos ausgetauscht und es wurden bereits richtungsweisende Entscheidungen getroffen. Es liegt nun in der Verantwortung der Sportlichen Leitung und der Clubführung, uns sportlich aber vor allem auch wirtschaftlich bestmöglich für die kommende Saison aufzustellen. Deshalb haben wir uns nach etlichen Anfragen von ausländischen Clubs und Spielerberatern sowie nach Rücksprache mit Niklas Sundblad in der letzten Woche dazu entschlossen, vier unserer Spieler abzugeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Warum hat man gerade einen Spieler wie Jordan Caron, der in den letzten Spielen doch sehr überzeugte, abgegeben?

Mit Jordan Caron hätten wir wirklich äußerst gerne über diese Saison hinaus verlängert und wir wären
dann auch nicht bereit gewesen, ihn an einen anderen Club abzugeben. Da wir letzte Woche die Nachricht seines Beraters erhielten, dass Jordan für die kommende Saison definitiv erst einmal eine neue
Herausforderung in der KHL oder bei einem anderen Club suchen wird, haben wir dem Wechselwunsch
zugestimmt. Dennoch hatten wir am vergangenen Freitag ein sehr gutes Gespräch mit Jordan, in dem wir uns darauf verständigten, dass wir in den nächsten Wochen in Kontakt bleiben. Wer weiß, eventuell ergibt sich ja doch noch eine Chance, dass Jordan Caron nächstes Jahr wieder im Trikot der Wild Wings aufläuft.

Das könnte Sie auch interessieren

Waren es rein wirtschaftliche Gründe, sich in dieser Phase der Saison von einigen Spielern zu trennen?

Sicher waren es wirtschaftliche, aber auch sportliche Gründe. Es wäre verhängnisvoll, in unserer aktuellen
Situation, nicht bereits jetzt mit hundertprozentigem Engagement und Weitblick die Weichen für die neue Saison und damit die Zukunft der Wild Wings zu stellen. Wir haben uns intensiv mit Niklas Sundbald darüber ausgetauscht, ob es für die Entwicklung unserer Mannschaft tatsächlich sinnvoll ist, in den letzten Spielen der Saison noch Spieler einzusetzen, die in der kommenden Saison aus verschiedensten Gründen nicht mehr für uns auflaufen werden. Der konsequente Schritt, uns von einigen Spieler zu trennen, ermöglicht es vor allem unseren jungen Spielern, die wir fördern wollen und werden, dass sie nun noch mehr Eiszeit bekommen. Für die Entwicklung von Boaz Bassen, Maximilian Hadraschek, Cedric Schiemenz, Daniel Pfaffengut oder David Cerny, die bei Niklas Sundblad in den nächsten Jahren fest eingeplant sind, ist diese zusätzliche Einsatzzeit ganz wichtig. Aber definitiv war es auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Man darf nicht vergessen, dass die Nachverpflichtung von Colby Robak und Jordan Caron im November sowie dem Austausch des Trainerteams einige Wochen darauf, ein finanzieller Drahtseilakt für uns gewesen ist, der vor der Saison so nicht budgetiert war. Durch die Tabellensituation und dem damit verbunden Zuschauerschwund in den letzten Wochen tragen diese Vertragsauflösungen dazu bei, in der kommenden Saison mit besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen planen zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Im Rahmen der Vertragsauflösungen kam es zu regen Diskussionen, ob dies eine Wettbewerbsverzerrung sei.

Es war uns bewusst, dass die Abgabe von Spielern in der Öffentlichkeit und innerhalb der Liga nicht
wirklich positive Reaktionen auslösen wird. Davon dürfen wir uns aber nicht beeinflussen lassen, denn bei dieser Entscheidung, die wir getroffen haben, geht es um die wirtschaftliche Vernunft und um die Zukunft unserer Wild Wings.

Das könnte Sie auch interessieren

Ist es Wettbewerbsverzerrung, wenn innerhalb unserer Liga einzelne DEL-Standorte durch Investoren oder Mäzene Etats zur Verfügung stellen können, die doppelt so hoch sind wie zum Beispiel unser Etat?

Aus meiner Sicht nicht, da wir innerhalb der Liga keinen Salary Cap wie in der NHL haben, um bei den Budgets ein Gleichgewicht schaffen zu können. Jetzt soll jeder für sich selbst entscheiden, ob es
Wettbewerbsverzerrung ist, wenn wir als kleiner Club und im Rahmen unserer Verhältnisse versuchen, uns wirtschaftlich vernünftig und bestmöglich zu positionieren. Außerdem hat unsere Mannschaft die Antwort am Freitag gegen die Kölner Haie auf dem Eis gegeben und gezeigt, wie wettbewerbsfähig wir nach wie vor sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Was erwarten Sie von der Mannschaft in den verbleibenden Spielen?

Ich kann allen Fans der Wild Wings aber auch denjenigen, die uns Wettbewerbsverzerrung unterstellen, versichern, dass wir diese Saison definitiv noch nicht abgehakt haben. Die Mannschaft und das Trainerteam wird weiterhin alles versuchen, um aus jedem der restlichen Spiele als Sieger vom Eis zu gehen. Dass dies möglich ist, hat der Sieg gegen Köln am Freitag gezeigt und es bestätigt die harte Arbeit und die Philosophie von Niklas Sundblad und seinem Team. Es hat nicht nur mir extrem viel Freude bereitet, zu sehen, mit welcher Energie und welchem Einsatz unsere jungen Spieler aktuell vorangehen. Wie bereits erwähnt, ist es genau der richtige Weg, jetzt bereits auf die Spieler zu setzen, die in Zukunft unsere Leistungsträger sein werden. Ich bitte alle Fans, unterstützt unsere Mannschaft noch bis Ende der Saison und lasst uns bereits heute den Blick nach vorne richten. Wir werden gemeinsam mit unserer Sportlichen Leitung jeden Stein umdrehen und uns konsequent in allen Bereichen bestens aufstellen, um nächste Saison endlich wieder erfolgreiche Wild Wings zu sehen.

Fragen: Krischan Läubin, Pressesprecher der Wild Wings