Herr Johansson, welches Fazit ziehen Sie nach der langen Vorbereitung ihrer Mannschaft?

Es hat sich ausgezahlt, dass wir in der Vorbereitung immer die Spielerinnen vor Ort hatten. Wir haben gut und konzentriert unser Trainingsprogramm durchgezogen. Natürlich klappt in der Abstimmung noch nicht alles. Wir sind weiterhin in einem Findungsprozess, der andauern wird. Dennoch habe ich für die kommende Saison ein gutes Gefühl. Auf den Kernpositionen steht die Mannschaft mit Spielerinnen, die schon in der Dritten Liga dabei waren.

Sie haben in den vergangenen Jahren das Saisonziel erst formuliert, nachdem sie einmal gegen alle Konkurrenten gespielt hatten. Wie sieht es diesmal aus?

Wir haben noch Defizite und schon die ersten zwei Partien werden zeigen, wohin die Reise gehen kann. Wir spielen in Burladingen bei einer Mannschaft, in der es auch immer wieder Veränderungen gibt. Am zweiten Spieltag kommt der USC Konstanz zu uns, eine Mannschaft mit vier Spielerinnen, die bei uns schon aktiv waren. Obwohl Konstanz gerade aufgestiegen ist, traue ich dem Team den Durchmarsch zu. Wir legen unser Ziel erneut erst später fest.

Gibt es Spielerinnen, die sich in der Vorbereitung in den Vordergrund geschoben haben?

Eine schwierige Frage. Ich freue mich, dass Nikola Strack nach ihrem Mittelfußbruch wieder zu alter Stärke gefunden hat. Marie Uhing ist sehr ehrgeizig. Einigen jungen Spielerinnen fehlt noch etwas Selbstvertrauen. Andere, wie Kapitän Michelle Feuerstein, haben erkannt, dass sie mehr Verantwortung übernehmen müssen. Generell hoffe ich auf einen Konkurrenzkampf um die Startplätze. Die Mädchen sollen es mir bei der Aufstellung richtig schwer machen.

Wie verlief die Integration der Zugänge?

Amelie Nunnenmacher war bereits in der vergangenen Saison ab und zu im Training dabei. Lisa Grünwald und Marie Uhing kommen aus der zweiten Mannschaft und sind bestrebt, schnell Anschluss zu finden. Martina Sias, die aus Bohlingen kam, bringt Erfahrung mit, auch wenn für sie die Liga Neuland ist. Nina Schuhmacher (früher Nina Kohler) ist eine Alternative im Mittelblock. Mit ihr haben wir drei gute Mittelblockerinnen.

Wie schätzen Sie das spielerische Niveau der Mannschaft im Vergleich zu den vergangenen Jahren ein?

Ich wünsche mir natürlich, dass wir an die Saison 2018/19 anknüpfen, in der wir trotz des Abstiegs unsere Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft haben. Damals mussten wir die komplette Rückrunde ohne Zuspielerin auskommen. Jetzt haben wir mit Nikola und Marie zwei Zuspielerinnen. Ich sehe uns nicht schlechter.

Wann zeichnet sich eine Rückkehr von Lisa Spomer nach ihrem Kreuzbandriss ab?

Lisa betreibt leichtes Balltraining. Ich rechne im Dezember wieder mit ihr.

Wo liegen die Stärken Ihres Teams?

Die Mehrzahl der Spielerinnen verfügt über Erfahrung aus der Dritten Liga. Wir kommen über einen großen Willen. Das ist die Basis, kombiniert mit guten Aufschlägen. Im Angriff werden wir noch Probleme haben. Außerdem sind wir körperlich mit unseren kleinen Spielerinnen unterlegen.

Lässt sich das große Verletzungspech der vergangenen Saison vermeiden?

Ich hatte deswegen einige schlaflose Nächte. Unsere Mediziner haben mir bestätigt, dass es nicht am Training lag. Es war einfach Pech. Dennoch haben wir jetzt viele neue Stabilisierungs-Übungen vor den Trainingseinheiten eingebaut. Zudem hat Athletiktrainerin Grit Müller in der Vorbereitung ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ich hoffe, wir kommen diesmal ohne Verletzungschaos durch.

Inwieweit nervt Sie der ständige Neuanfang nach den personellen Aderlässen der vergangenen Jahre?

Mein Co-Trainer Robert Senk hat es auf einen Nenner gebracht. Wir können nur von Saison zu Saison planen. Einerseits ist es immer spannend, Spielerinnen einzubauen und zu entwickeln, andererseits würde ich auch gerne mal zwei, drei Jahre mit dem gleichen Team spielen. Wir haben jetzt eine Mannschaft, die zumindest zwei Jahre in der Konstellation zusammenbleiben kann.

Ist der sofortige Wiederaufstieg ein Thema?

Wir sind kein Favorit, auch wenn wir als Drittliga-Absteiger in die Rolle gedrängt werden. Als wir vor vier Jahren erstmals abgestiegen waren, blieb das Team komplett zusammen. Wir stiegen sofort wieder auf und wurden zwölf Monate später sogar Meister der Dritten Liga. Diesmal ist die Situation anders. Wir brauchen Geduld.

Fragen: Dietmar Zschäbitz