Eishockey: Nach der Pflicht folgte die Kür. Und die war alles andere als lästig. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, standen die Schwenninger Profis vor der Fankurve und machten jeden Spaß mit. „In die Hocke“, lautete die Anweisung von den Rängen. Die Spieler gehorchten aufs Wort und tanzten wenig später ausgelassen zu „Humba-Tätärä“. Fans und Mannschaft waren in Party-Stimmung. Kein Wunder, schließlich feierten die Wild Wings nach sechs Niederlagen in Folge endlich wieder einen Sieg. Und was für einen: Mit dem 6:1 gegen den amtierenden DEL-Meister Adler Mannheim gelang den Neckarstädtern ein beeindruckender Befreiungsschlag.

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Bleibt die Frage: War der Erfolg im Derby tatsächlich der Wendepunkt einer bislang verkorksten Saison oder nur ein Strohfeuer? Schwenningens Cheftrainer ließ sich von der überschwänglichen Stimmung in der Helios-Arena nicht mitreißen. „Niemals zu tief, niemals zu hoch“, mahnte der Brite. Man dürfe sich zwar über den Sieg freuen, aber nicht abheben und glauben, dass nun alles von alleine laufe. Oder wie Alexander Weiß treffend bemerkte: „Wir wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen.“

Zweifelsohne war das vergangene Wochenende ein Schritt in die richtige Richtung, der nun konsequent fortgesetzt werden muss. In den nächsten drei Spielen treffen die Wild Wings auf Augsburg, Wolfsburg und Iserlohn – allesamt Teams auf Augenhöhe, gegen die gepunktet werden muss. Erst dann wird sich zeigen, was das 6:1 gegen Mannheim wert ist.

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Ein Schlüssel zum Erfolg waren die neu formierten Reihen. Linie zwei mit Andreas Thuresson, Troy Bourke und Jamie MacQueen harmonierte prächtig und erzielte vier der sechs Schwenninger Tore. Hier hatte Thompson ein glückliches Händchen bewiesen und auch mit psychologischen Tricks nicht gespart. „Vor der Partie hatte ich meinem Team gesagt, wie wichtig das Derby für uns ist und jeder von uns 15 Prozent mehr geben muss“, gab der Engländer Einblicke in seine Ansprache an die Mannschaft.

Trotz der vorherigen Niederlagenserie vermittelten die Wild Wings eine beeindruckende Körpersprache. Schnell erkannten die 5011 Zuschauer und die Mannheimer Spieler, dass keine Schwenninger Nervenbündel auf dem Eis standen, sondern Männer, die vor Siegeswillen nur so strotzten. Natürlich profitierten die Wild Wings vom disziplinlosen Auftritt der Adler und nutzten die vielen Überzahlgelegenheiten zu vier Toren. Insbesondere die zweite Powerplay-Formation um Troy Bourke war eine Augenweide.

Für Gäste-Trainer Pavel Gross waren die 16 Strafminuten seiner Mannschaft entscheidend für die Niederlage. „Die Schiedsrichter haben einen guten Job gemacht. Jede einzelne Strafe von uns war berechtigt. Ich muss mir Gedanken machen, warum wir solche Strafen kriegen. Ich hatte meine Mannschaft vor dem Powerplay der Schwenninger gewarnt. Die Spieler wollten aber wohl unbedingt eine Bestätigung meiner Worte auf dem Eis sehen“, übte sich Gross in Sarkasmus und machte dem Gegner ein Kompliment: „Schwenningen war aggressiver, hat mehr investiert und ist mehr gelaufen.“

Den Neckarstädtern war‘s letztlich egal, wer oder was für ihren Erfolg verantwortlich war, für sie zählten nur die drei Punkte: „Die Mannschaft, die Fans und die Trainer – alle haben diesen Sieg gebraucht. Wir wurden zu Recht kritisiert, weil die Resultate nicht gestimmt hatten“, brachte es Thompson auf den Punkt. Das haben einige Fans nicht vergessen und weiterhin Gesprächsbedarf. Mit zwei Transparenten machten sie in der Helios-Arena ihrem Unmut Luft. Mit der Aufschrift „Verspielt nicht euer größtes Gut, wir Fans sind unersetzbar“ und „Aus Fehlern der letzten Saison lernen, Fandialog jetzt“ forderten sie die Verantwortlichen auf, ihrem Ansinnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Für Aufsehen sorgten derweil auf dem Eis zwei Abwehrspieler. Dylan Yeo erzielte das erste Schwenninger Verteidiger-Tor in dieser Saison und Christopher Fischer verbuchte mit seinen tollen Vorlagen vier Scorerpunkte. Im Angriff zeigte Troy Bourke mit zwei Toren und zwei Assists eine überragende Leistung. Jener Troy Bourke, der mit seiner läuferischen Klasse und dem guten Auge für seine Mitspieler so wertvoll für die Wild Wings sein kann, hofft nun darauf, dass der Knoten endgültig geplatzt ist. Bereits am Freitag in Augsburg wird sich zeigen, ob das Spiel wirklich der von Paul Thompson erhoffte Wendepunkt oder nur ein Strohfeuer war.