Herr Thompson, das letzte Testspiel vergangenen Freitag gegen ein kanadisches College-Team war nicht gerade überzeugend. Bereitet Ihnen dieser Auftritt wenige Tage vor dem DEL-Start Kopfzerbrechen?

Nein. Wir haben bei der Niederlage eine schwache Leistung gezeigt. Die Mannschaft hat den Gegner unterschätzt. Aber ich bin seit 26 Jahren Trainer und weiß, dass die Spieler im letzten Test, vor allem aus Angst vor Verletzungen, nicht mehr alles geben.

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Mark Mahon, Manager der Kölner Haie, meinte, dass sich die Wild Wings von allen 14 DEL-Teams am besten verstärkt haben. Liegt er richtig?

Ich hoffe es. Wir, allen voran unser Manager Jürgen Rumrich, haben klasse Arbeit geleistet. Die Mannschaft hat ein anderes Aussehen und einen neuen Stil. Nun müssen wir auf dem Eis beweisen, dass Mark Mahon richtig liegt.

Sie haben 15 neue Spieler. Wie hat sich der Teamspirit die vergangenen sechs Wochen entwickelt?

Hervorragend. Wir haben als Gruppe viel zusammen gemacht. Viele Spieler gehen als Führungsspieler voran. Deshalb war es für das Trainerteam auch schwer, einen Kapitän zu bestimmen.

Warum fiel die Wahl auf den kanadischen Neuzugang Mark Fraser?

Er hat eine beeindruckende Präsenz auf dem Eis und wird auch sehr oft auf dem Eis stehen. Mark ist ein intelligenter Spieler. Er hat auch den nötigen Respekt von seinen Teamkollegen. Das habe ich sofort gesehen. Und er hat sich nahtlos in die Gruppe integriert. Es war allerdings eine harte Entscheidung zwischen ihm und Simon Danner.

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Danner trug vergangene Saison das C auf der Brust. War er sehr enttäuscht, dass nun ein anderer Spieler Wild-Wings-Kapitän ist?

Es war hart für Simon. Wir haben ihm die Entscheidung bereits eine Woche vor den anderen mitgeteilt. Ich sehe Simon auch weiterhin als einen der Anführer im Team. Aber wir mussten uns entscheiden.

Worauf haben Sie in der Vorbereitung besonderen Wert gelegt?

Wir haben versucht, auf verschiedene Art und Weise Druck aufzubauen und zu schauen, wie die einzelnen Spieler darauf reagieren. Natürlich kann man den Druck eines DEL-Spiels nicht simulieren. Aber es gab schon einige Dinge, die uns wichtige Erkenntnisse lieferten.

Gab es für Sie Enttäuschungen in den vergangenen Wochen?

Nein. Der einzige Rückschlag ist die Verletzung von Simon Danner.

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Sie haben neben Dustin Strahlmeier mit Neuzugang Ilya Sharipov einen weiteren starken Torhüter. Bleibt Strahlmeier die klare Nummer eins oder planen Sie eine Rotation zwischen den Pfosten?

Das werden wir Spiel für Spiel entscheiden. Dustin ist unsere Nummer eins, aber wir sind mit Ilya bisher auch sehr glücklich. Er hat eine starke Vorbereitung gespielt.

Wild Wings-Chefcoach Paul Thomspon (Mitte) im Gespräch mit den SÜDKURIER-Sportredakteuren Werner Feißt (rechts) und Christof Kaltenbach.
Wild Wings-Chefcoach Paul Thomspon (Mitte) im Gespräch mit den SÜDKURIER-Sportredakteuren Werner Feißt (rechts) und Christof Kaltenbach. | Bild: Wolfgang Stegmann

Wo liegen die größten Unterschiede zwischen der Wild-Wings-Mannschaft aus der vergangenen Saison und dem aktuellen Team?

Wir haben ein Team, das durch nordamerikanische Spielweise geprägt ist und über mehr Offensivqualitäten verfügt. Wichtig war auch, dass wir die Geschwindigkeit auf dem Eis beibehalten haben. Das war unser großes Plus vergangene Saison. Ich bin überzeugt, dass die neue Mannschaft den Puck länger im gegnerischen Drittel halten wird. Gefühlt kam der Puck vergangenes Jahr sofort wieder zurück in unsere Abwehrzone. Wenn man den Puck 20 Sekunden im gegnerischen Drittel hält, bekommt man immer mindestens eine Torchance.

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Die neuen Wild Wings sollen körperbetonter spielen. Zwischen körperlicher Härte und Strafzeiten liegt jedoch ein schmaler Grat. Sie haben die unnötigen Strafen auch bereits kritisiert. Hat Ihre Mannschaft das verinnerlicht?

Auf jeden Fall. Aber ich erwarte von jedem Spieler, wenn er einen Check ansetzt, dann muss er ihn auch zu Ende fahren. Wir haben letzte Saison zu Hause nur 27 Punkte geholt. Mannschaften kamen zu uns und nahmen zu einfach die Punkte mit. Wir müssen es den Gegnern schwerer machen. Ich will keinen Fairplay-Preis gewinnen, ich will konkurrenzfähig sein. Es geht darum, hart, aber clever zu spielen.

Welche Rolle spielt in dieser Saison, dass es in der darauffolgenden Spielzeit in der DEL Auf- und Abstieg geben wird?

Der Fokus liegt natürlich auf der aktuellen Saison. Aber wir dürfen bei den Planungen den Auf- und Abstieg nicht außer Acht lassen. Es kann die Ausgangslage grundlegend verändern.

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Vergangene Saison kamen Sie im November. Zu diesem Zeitpunkt war Schwenningen mit einer miserablen Bilanz Letzter. Nun beginnen Sie bei null und der Etat wurde deutlich erhöht. Verspüren Sie dadurch mehr Druck?

Nein. Ich habe ein besseres Verständnis für das Team und die einzelnen Spieler. Aber ich verspüre nicht mehr Druck. Ein Freund von mir verlor am Dienstag seine 33-jährige Frau durch Krebs. Das ist Druck. Was ich habe, ist ein Job und eine Gelegenheit, mit einem neuen Team etwas Tolles zu erreichen.

Vor rund zwei Monaten sagten Sie im SÜDKURIER-Interview, dass Sie definitiv enttäuscht wären, wenn Ihre Mannschaft die Top Ten und damit die Playoffs verpasst, unabhängig davon, ob das Team attraktiv spielt. Ist dies immer noch Ihr Standpunkt?

Ja. Ich weiß, dass wir von Platz 14 auf Rang 10 einen großen Sprung machen müssen. Wir haben einen klaren Plan mit sieben Blöcken. In jedem Block wollen wir mindestens eine bestimmte Punktzahl holen. Somit haben wir immer einen kleinen Bereich im Fokus. Wenn wir in diesem Abschnitt zu wenige Punkte erreichen, müssen wir reagieren, um dies im nächsten Block wieder aufzuholen.

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Nennen Sie uns drei Gründe, warum die Wild Wings am Saisonende unter den besten zehn stehen.

Erstens: Jeder von uns will es – die Mannschaft, das Trainerteam, die Gesellschafter und nicht zuletzt die Fans wollen es. Zweitens: Unsere Neuzugänge. Wir haben sie geholt, um dieses Ziel zu erreichen. Drittens: Wir versuchen, das härteste, aber zugleich cleverste Team der DEL zu sein.