Eishockey: Es gibt Situationen, da würde ein Sportler am liebsten im Erdboden versinken. Zumal dann, wenn fast 4000 Zuschauer Zeuge des Blackouts werden, den sich der Unglücksrabe soeben geleistet hat. So ähnlich muss sich Simon Gysbers am Sonntag kurz nach 16 Uhr gefühlt haben. Vier Minuten waren beim Spiel gegen die Krefeld Pinguine noch auf der Uhr, als der Schwenninger Verteidiger bei eigener Überzahl an der blauen Linie den Puck vertändelte und für Daniel Pietta den Weg zum 3:3-Ausgleich frei machte.

Viele der 4000 Besucher dürften diese Szene inzwischen längst vergessen haben, Mister Gysbers wohl auch nie persönlich darauf ansprechen und dem Verteidiger somit schnurzpiepegal sein. Dumm nur, dass sich an diesem Tag auch seine Eltern in der Helios-Arena befanden. Unter den Augen des familiären Besuchs aus Kanada tut ein Patzer dieses Ausmaßes besonders weh. Immerhin leitete er die Schwenninger 3:4-Niederlage nach Penaltyschießen ein.

Es ist anzunehmen, dass Vater und Mutter ihren Sohn in bester Elternmanier getröstet haben. Auch Pat Cortina drosch nicht auf den Verteidiger ein. Vielmehr versuchte der Schwenninger Trainer, den Unglücksraben seelisch wieder aufzubauen. „Ich habe nach dem Spiel mit Gysbers gesprochen, aber nicht über den Fehler. Was da passiert ist, weiß er selbst am besten. Ich habe ihm vielmehr gesagt, dass ich weiter an ihn glaube“, gab der 52-Jährige den Inhalt des Gesprächs wieder.

Nur gut, dass Gysbers nicht allzu lange Zeit hat, über seinen kapitalen Schnitzer zu grübeln. Bereits heute Abend (Beginn: 19.30 Uhr) hat der 29-Jährige beim Spiel in Mannheim die Gelegenheit, zu zeigen, was wirklich in ihm steckt. Gysbers eine Denkpause zu verordnen, käme ohnehin nicht infrage, denn mit Jiri Hunkes fehlt bereits ein Kontingentspieler in der Abwehr. Der Tscheche erlitt am Sonntag im ersten Drittel eine Handverletzung, die ihn zur Aufgabe zwang und für die nächsten drei Spiele auf Eis legt. „Ich rechne mit Hunkes erst nach der Deutschlandcup-Pause wieder“, sagt Cortina. Das Gleiche gilt für Stürmer Andrée Hult, der bereits seit drei Wochen verletzt ausfällt. Wann der finnische Angreifer Markus Poukkula nach seiner Schulteroperation wieder ins Team zurückkehrt steht aktuell noch in den Sternen.

Beim baden-württembergischen Eishockey-Derby fehlt auch Lennart Palausch, der an einer Erkältung laboriert. Für ihn rückt Steven Billich ins Team. Zwischen den Pfosten steht Joey MacDonald, der nach zweimonatiger Verletzungspause gegen Krefeld ein viel versprechendes Comeback feierte. Cortina: „Ich gebe MacDonald die Chance, seinen Rhythmus zu finden. Die Aufgabe gegen Krefeld war schwierig, denn es war nicht viel los vor unserem Tor.“

Nach der 4:5-Niederlage im ersten Saisonduell brennt Mannheim auf Revanche. Obwohl die Favoritenrolle klar bei den Kurpfälzern liegt, sieht Cortina sein Team nicht chancenlos. „Wir haben gegen Krefeld gut gespielt und hätten mehr als einen Punkt verdient gehabt. Auf dieser Leistung müssen wir aufbauen.“ Fehler, wie sie zuletzt Simon Gysbers unterliefen, dürfen sich die Schwäne allerdings nicht erlauben. Das wäre für die Adler ein gefundenes Fressen.