Basketball, Pro B: Überschwänglich, fast schon ungläubig, bejubelten die Wiha Panthers Schwenningen am Samstag den 101:100-Sieg nach Verlängerung bei den Depant Gießen 46ers Rackelos und den gleichbedeutenden Einzug ins Halbfinale der Pro B. Damit fügten sie ihrer Erfolgsgeschichte das nächste Kapitel hinzu.

Final Four: Wochenlang belegten die Wiha Panthers in der Tabelle der Südstaffel Platz zwei hinter den Bayer Giants Leverkusen, ehe sie mit vier Niederlagen zum Ende der Hauptrunde noch bis auf Rang sechs abrutschten. Mit dem Einzug ins Playoff-Halbfinale der Pro B bewiesen die Schwenninger nun, dass sie zurecht den Status als zweitbeste Mannschaft des Südens für sich reklamierten. Neben den Neckarstädtern sind aus der Südstaffel nämlich nur noch die Leverkusener, die als Topfavorit auf den Titel gehandelt werden, verblieben. Aus dem Norden setzten sich erwartungsgemäß die beiden Ersten der Hauptrundentabelle, Schwenningens Halbfinalgegner WWU Baskets Münster sowie Lok Bernau durch. Auf dem Papier sind die Panthers also krasser Außenseiter, zumal das Team von Trainer Alen Velcic auch in der dritten Playoff-Serie in Spiel eins und einer möglichen dritten Partie auswärts antreten muss. Das letzte Mal, dass eine Mannschaft mit Hauptrundenrang sechs oder schlechter ins Halbfinale der Pro B vorrückte, liegt fünf Jahre zurück. Damals marschierte Baunach nach nur neun Siegen in der regulären Saison als Achtplatzierter der Südstaffel sogar bis ins Finale.

Experte: Schon in Spiel drei der Achtelfinal-Serie beim SC Rist-Wedel zeigte Anell Alexis eine bärenstarke Leistung. Diese steigerte der 29-Jährige am vergangenen Samstag in Gießen nochmals. Alexis scheint ein Experte für "Do-or-die-Spiele" zu sein. "Ich habe schon viel Erfahrung in solch wichtigen Spielen und bin vielleicht deshalb weniger nervös als andere. Ich mag solche Partien, in denen es um alles geht", erklärt der Flügelspieler, der im November verpflichtet wurde. Mit 19 Punkten und sechs Rebounds war Alexis in Spiel drei in Gießen nicht nur Topscorer, sondern auch einer der Sieggaranten. Seine Punkte kamen häufig genau dann, wenn sein Team sie am dringendsten benötigte. Zudem rettete er seine Mannschaft mit einem Tip-in-Dunk Sekunden vor dem Ende des letzten Viertels in die Verlängerung. "Ich wusste es schon bei seiner Verpflichtung, dass Anell in den Playoffs wichtig für uns werden würde. Er hat jetzt Bindung zum Team und zeigt, was er kann", lobt Trainer Velcic. Zudem hatte der ansonsten eher schwache Dreierschütze mit fünf von sechs getroffenen Distanzwürfen ein heißes Händchen. Alexis: "Ich gebe der Mannschaft immer das, was sie braucht. Gegen Gießen war ich als Scorer gefragt, also habe ich gepunktet. Es freut mich, dass ich für mein intensives Wurftraining belohnt wurde."

Feuertaufe: Aus einer starken Kollektivleistung ragte in Spiel drei ein weiterer Panther heraus, der ansonsten nicht für die Schlagzeilen sorgt: Abdulai Abaker machte auf der Spielmacher-Position mit sieben Punkten bei perfekter Wurfquote sowie sechs Assists ein tadelloses Spiel. Als "Wink des Schicksals" bezeichnet es Alen Velcic, dass der eigentliche Chef-Point-Guard, Kosta Karamatskos, dreieinhalb Minuten vor Ende des letzten Viertels mit fünf Fouls vom Feld musste und somit Platz für den 22-Jährigen machte. "Abu hat in der Schlussphase unsere Offensive hervorragend geführt und auch die Vorlage zum entscheidenden Korb von Bill Borekambi gegeben", freut sich Velcic. Nachdem der Trainer in den vergangenen Spielen bislang lieber dem elf Jahre älteren und wesentlich erfahreneren Karamatskos das Vertrauen schenkte, hat nun auch Abaker seine Feuertaufe in den Playoffs bestanden.

Neuland: Bereits vor der Winterpause traute Kosta Karamatskos seiner Mannschaft das Erreichen des Halbfinals zu. Nun wurde der Kapitän in seiner Zuversicht bestätigt. "Ich bin von diesem Erfolg nicht überrascht, weil ich an die Mannschaft glaube. Das gesamte Team, vom Trainer über die Spieler bis zum Physio, hat eine tolle Moral und gibt nie auf. Diese Stärke zeichnet uns aus", attestiert Karamatskos seiner Mannschaft. Der kommende Gegner Münster ist für ihn noch eine große Unbekannte. "Das wird für uns Neuland. Wir werden uns den Gegner genau anschauen und freuen uns auf eine geile Atmosphäre vor 3000 Zuschauern."