Ski alpin: Das erste Rennen im alpinen Ski-Weltcup fand bereits Ende Oktober statt. Beim Riesenslalom in Sölden war David Ketterer allerdings nicht am Start. Diese Disziplin hat der Skirennläufer aus Hochemmingen aktuell nicht auf seiner Liste. „Ich will mich in dieser Saison voll auf den Slalom konzentrieren“, sagt der 26-Jährige. Am Sonntag, 24. November, hat Ketterer beim Auftakt im finnischen Levi erstmals Gelegenheit, sich beim wilden Tanz durch die eng gesteckten Stangen zu beweisen und sein bislang bestes Weltcup-Resultat zu toppen.

Seit zwei Jahren tourt Ketterer nun schon mit dem Skizirkus durch die Welt. Auf ein perfektes Rennen wartet er immer noch. Im Dezember 2018 verbuchte der Sportler vom SSC Schwenningen in Saalbach mit Rang 18 sein vorläufiges Spitzenergebnis. Wie muss ein Tag beschaffen sein, um endlich in die Top Ten der weltbesten Slalomläufer zu fahren? Ketterer muss nicht lange überlegen. „Es muss einfach alles passen. Ich selbst muss mich gut fühlen, der Schnee muss perfekt sein. Kurs und Piste müssen mir liegen. Dann kann ich zwei gescheite Läufe ins Ziel bringen.“ Ganz schön viel, was da alles zusammenkommen muss. Aber auch nicht verwunderlich, denn in diesem Sport liegen nur Hundertstelsekunden zwischen Jubel und Enttäuschung.

Am vergangenen Mittwoch fuhr Ketterer mit der deutschen Mannschaft nach Levi, um auf jener Piste zu trainieren, auf der es in elf Tagen um die ersten Weltcup-Punkte im Slalom geht. In dem Team gab es einschneidende Veränderungen, denn die Mannschaft muss ohne ihr Aushängeschild für starke Platzierungen sorgen. Felix Neureuther wird nach seinem Rücktritt vom Leistungssport zwar noch bei den Weltcup-Rennen anzutreffen sein, aber nur als TV-Experte in der ARD. Ketterer sieht den Abschied des Superstars indes nicht so dramatisch: „Felix war absolute Spitze. Sein Abschied schafft für alle eine neue Situation. Nun rücken die anderen in den Fokus. Skifahren ist eine Mischung aus Team- und Einzelsport. Im Training brauchen wir uns gegenseitig, aber im Rennen fährt jeder für sich.“

Um eine erfolgreiche Saison zu bestreiten, möchte der Schwarzwälder vor allem eines bleiben: gesund. Das ist nicht so einfach, denn es zwickt seit geraumer Zeit am Rücken. „Ich bin oft in Innsbruck bei einem Spezialisten. Die Wirbelsäule fühlt sich nicht mehr ganz so frisch an. Deshalb arbeiten wir an der muskulären Stabilität.“ Mit Erfolg. „Gesundheitlich geht es mir immer besser“, sagt Ketterer. Auch das gerissene Syndesmoseband im rechten Fuß ist wieder völlig ausgeheilt.

In den zwei Weltcup-Jahren hat David Ketterer schon Lehrgeld gezahlt, aber auch eine Menge Erfahrung gesammelt. „Nach dieser Zeit weiß man genau, wie tückisch die Weltcup-Pisten sind“, sagt der 26-Jährige. Auch die Frage nach dem Verhältnis zwischen Sicherheit und Risiko hat er für sich beantwortet. „Die Balance ist für mich nicht so entscheidend. Wenn man mehr Risiko geht, fährt man mit mehr Entschlossenheit. Das ist oft besser als zu vorsichtig. Je aggressiver ich fahre, umso sicherer fühle ich mich manchmal.“

Sollte sich David Ketterer im Slalom dauerhaft in den Top 30 etablieren, wird er im darauffolgenden Winter seine Ziele erweitern. „Dann kann es durchaus sein, dass ich auch im Riesenslalom angreife. Allerdings wäre dies wiederum mit einem höheren Trainingspensum verbunden. Da muss ich erst schauen, ob der Körper das mitmacht.“

Doch das ist Zukunftsmusik, ebenso wie der Plan, irgendwann das in Boulder/Colorado begonnene Physik-Studium zu beenden. Im Moment will Ketterer seine Klasse als Slalom-Spezialist unter Beweis stellen. Am besten schon beim Weltcup-Start in Levi. Die Vorzeichen stehen gut: „Ich fühle mich fit“, sagt der Hochemminger.