In der Roßberghalle herrscht momentan gähnende Leere. Wie gehen Sie als Abteilungsleiter der St. Georgener Handballer mit der veränderten Situation um?

Es ist super schade, dass die tolle Saison nicht den Abschluss finden konnte, den sie verdient gehabt hätte. Insgesamt stehen die Gesundheit der Menschen und die soziale Verantwortung natürlich im Vordergrund. Ich finde es gut, dass unsere Verbände eine einheitliche Regelung getroffen haben. Wir möchten Zeit sinnvoll nutzen. Zum einen geht es darum die abgelaufene Runde zu reflektieren und die nächste Saison zu planen. Mannschaftsmeldungen, Trainerbesetzungen – es gibt einiges zu tun. Außerdem überarbeiten wir aktuell unser vereinsinternes Rahmentraining und das Sponsoring-Konzept. Organisatorisch hat sich gar nicht so viel geändert.

Dass Ihr erstes Jahr als Abteilungsleiter solch eine Richtung einschlägt, konnte niemand erahnen. Wir zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison und macht dir deine neue Aufgabe Spaß?

Mein Premierenjahr wird sicherlich als ,Saison mit Corona‘ in Erinnerung bleiben. Mein Amtsantritt fand nach der Auflösung der Spielgemeinschaft mit Schramberg und dem Trainerwechsel nach sechs Jahren in der 1. Mannschaft in einer turbulenten Zeit statt. Im Großen und Ganzen haben wir das sportlich und organisatorisch gut gemeistert. Der zweite Tabellenplatz unserer ersten Mannschaft mich natürlich besonders. Meine Aufgabe macht mir großen Spaß, auch wenn sie oft mit viel Mühe verbunden ist. Ich muss aber auch erwähnen, dass wir in der Abteilung viele engagierten Helfer haben, die mir den Rücken frei halten. Wir konnten in den letzten Monaten einiges anstoßen. Ich musste aber auch lernen, dass für die Umsetzung von Ideen oft Geduld gefragt ist.

Sie sprechen den zweiten Tabellenplatz der Landesliga-Mannschaft an. Was hat den Erfolg ausgemacht in diesem Jahr?

Der Tabellenplatz ist nach dem Trainerwechsel und dem Abgang wichtiger Leistungsträger für viele überraschend. Der Erfolg hat viele Gründe. Es ist uns gelungen, die Last auf alle Schultern zu verteilen und wir haben wenige Verletzte. Jeder ist wichtig und zahlt das mit guten Leistungen zurück. Die erfahrenen Rückkehrer Lukas Holzmann und Dominik Bühler tun uns gut. Und gerade Youngster wie Peter Aßfalg oder Robin Schmidt konnten sich deutlich steigern. Am Ende haben uns aber immer wieder jene Tugenden, die man in St. Georgen seit Jahrzehnten lebt, nämlich Kampfgeist und Zusammenhalt ausgezeichnet. Besonders freut mich, dass mit Marvin Böhlefeld, Jonas Hüther, Luca Schreiner und Erik Groh in dieser Saison bereits vier A-Jugendliche zum Einsatzzeiten kamen. Da ich viele Jahre Jugendtrainer der Jungs war, ist es schon etwas Besonderes, mit ihnen zusammen auf dem Feld zu stehen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass in dieser Saison noch mal Handball gespielt wird?

Ich halte es für unwahrscheinlich, dass unterhalb der dritten Liga noch mal Handball gespielt. Für die Bundesliga wäre es aber wichtig, da besonders die kleineren Vereine sonst finanzielle Probleme bekommen. Mit den Derbys gegen Gutach/Wolfach und Schenkenzell/Schiltach hätten wir noch mal zwei echte Knaller auf dem Roßberg gehabt.

Wie geht es nun sportlich weiter?

Offensichtlich, zeichnen sich drei Möglichkeiten ab. Zum einen die Wertung der aktuellen Tabellensituation, zum anderen die Wertung der Hinrundentabelle oder eine Vergrößerung der Ligen durch Aufsteiger und mehr Absteiger in Folgesaison. Die Sportgerichte fordern, dass die Landesverbände aus sportlichen Gesichtspunkten individuelle Lösungen treffen.

Können Sie einen kleinen Ausblick auf die kommenden Monate geben?

Inoffiziell hatten wir den Besuch eines Spiels der Handball-Bundesliga mit einigen unseren Jugendteams geplant. Ob wir das nachholen können, bleibt fraglich. Der Weiherball ist auf den 18. Juli terminiert. In knapp vier Monaten könnte sich die Situation schon deutlich entspannt haben. Wir werden ganz normal planen. Wenn wir die Veranstaltung absagen müssten, wäre das schade. Der Zulauf wurde immer größer und gerade viele Ehemalige haben sich den Termin dick im Kalender markiert. Wir wollen unsere treuen Fans mit verschiedenen Online-Aktionen zumindest etwas entschädigen. Aktuell bleibt auch uns nichts anderes übrig, als zu Hause zu bleiben und alles zu versuchen, um die Infektionskurve so flach wie möglich zu halten.

Fragen: Lukas Grafe