Eishockey: So schnell kann‘s gehen! Die Euphorie, die in den vergangenen Wochen rund um die Schwenninger Wild Wings herrschte, ist bereits nach dem Startwochenende der Deutschen Eishockey Liga verflogen. Mit zwei Niederlagen und einem desolaten Torverhältnis von 7:15 sind die Wildschwäne auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Das Desaster nahm bereits am vergangenen Freitag beim Heimspiel gegen Ingolstadt seinen Lauf. „Das Spiel hat alles zerstört – die Stimmung bei uns und bei den Fans. Sie tun mir sehr leid. Aber ich verspreche ihnen, dass wir das Vertrauen zurückzahlen werden“, zeigte sich Schwenningens Trainer Paul Thompson nach der 4:10-Heimschlappe gegen die Schanzer reumütig. Die Gründe für die Niederlage sind vielfältig, doch Thompson möchte auch über jene Dinge sprechen, die gut funktioniert haben. „Jamie MacQueen hat gezeigt, dass er ein starker Spieler ist, ein Stürmer, der uns mit Sicherheit weiterhelfen wird. Auch das Powerplay und Bullyspiel war schon gut. Trotzdem gibt es noch vieles zu verbessern.“

Die größte Baustelle bei den Wild Wings ist die Defensive, die gegen Ingolstadt löchrig war wie ein Schweizer Käse. Dies galt nicht nur für die Abwehrspieler, sondern für das gesamten Team. Deshalb nahm der Coach die beiden Torhüter Dustin Strahlmeier und Ilya Sharipov auch ein wenig in Schutz. „Bei 15 Gegentoren in zwei Spielen liegt das Problem tiefer. Es wäre zu einfach, die Schuld allein bei den Torhütern zu suchen“, macht der Brite alle Mannschaftsteile für ungenügende Defensivarbeit verantwortlich. Das fange schon im Sturm an und setzte sich dann in der Verteidigung fort, unterstreicht der 51-Jährige, dass er mit der abgelieferten Leistung am Freitag unzufrieden war.

Auch die 4671 Zuschauer verließen enttäuscht die Helios-Arena. Die mit vielen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartete Mannschaft hat bei den vielen Fans jeglichen Kredit verspielt. Das wurde sowohl in den sozialen Medien als auch vor der Schwenninger Stadiongaststätte „Eisbär“ deutlich.

Doch der Trainer beleuchtet nicht nur die negativen Seite und spricht insbesondere über die Fortschritte, die seine Mannschaft am Sonntag im Spiel gegen die Grizzlys gemacht habe. „Beim 3:5 in Wolfsburg haben wir als Mannschaft ein deutlich besseres Spiel abgeliefert. Hier haben uns vor allem individuelle Fehler den möglichen Sieg gekostet“, sah Thompson einen leichten Aufwärtstrend. Diesen Weg müsse man nun konsequent fortsetzen und hart daran arbeiten, die Probleme zu beseitigen. Ein großes Manko war, dass die Schwenninger nach eigenen Toren oft postwendend ein Gegentor kassierten. „Das müssen wir verhindern, das sind die wichtigsten Wechsel im Spiel, da müssen wir konzentrierter sein“, war auch für SERC-Verteidiger Christopher Fischer in der Analyse nach dem Spiel in Wolfsburg das Problem klar ersichtlich. Pat Cortina, neuer Chefcoach der Grizzlys, kommentierte den Sieg gegen seine ehemalige Mannschaft so: „Wir haben nervös angefangen, waren in den entscheidenden Situationen aber hellwach. Torwart Chet Pickard hat sehr gut gehalten. Wir sind sehr froh über die drei Punkte.“

Verletzt: Verteidiger Dominik Bohac.
Verletzt: Verteidiger Dominik Bohac. | Bild: Feißt, Werner

Neben den vielen individuellen Fehlern und dem „Albtraumspiel“ (Thompson) am Freitag haben die Wild Wings nun auch noch mit personellen Problemen zu kämpfen. Neben dem langzeitverletzten Simon Danner, der drei bis vier Monate pausieren muss, fehlt auch noch Verteidiger Dominik Bohac, der in Wolfsburg nicht mit von der Partie war. Bei ihm stand am Montagnachmittag eine Magnetresonanzangiographie an, um Genaueres über die Oberkörperverletzung zu erfahren. Das verschärft noch mal den Handlungsdruck auf Sportmanager Jürgen Rumrich. Was nach der Verletzung von Danner noch strikt abgelehnt wurde, scheint jetzt einzutreten. Die Wild Wings wollen auf dem Transfermarkt noch mal aktiv werden. Rumrich: „Durch die Verletzung von Bohac müssen wir uns auf dem Markt umschauen. Es steht zwar noch nicht genau fest, wie lange Dominik uns fehlen wird, für das Wochenende reicht es aber nicht. Wir schauen uns auf dem deutschen Spielermarkt um, weil wir uns die Ausländerlizenzen sparen wollen“.