Eishockey: Ein merkwürdiger Sommer war es schon. Und er war ganz schön lang. Zumindest für Stefano Giliati, den vorerst letzten Neuzugang der Schwenninger Wild Wings. Für ihn begann der „Sommer“ eigentlich schon im vergangenen Februar. Damals absolvierte er sein letztes Spiel in der KHL für Medvescak Zagreb. Die weitere Zukunft stand noch nicht fest, also ging es erst mal ab nach Hause nach Montreal. Pause vom Eishockey, entspannen? Nicht ganz. Schon im April stand Stefano Giliati bereits wieder in der Eishalle – diesmal aber als Trainer. Gemeinsam mit einigen Kollegen hat er dort ein Trainingscamp für den Nachwuchs ins Leben gerufen. „In Kanada ist für die meisten Jugendlichen nach dem jeweiligen Liga-Ende auch Schluss mit dem Eishockey. Wir wollten das ändern und wollen das auch in Zukunft noch weiter ausbauen“, erklärt der gebürtige Kanadier. Also verbrachte der 29-Jährige mehrere Wochen zusammen mit Jugendlichen im Alter zwischen sechs und 13 Jahren beim Eishockey.

Nicht wirklich eine perfekte Vorbereitung auf die kommende Profisaison. Doch diese ließ ohnehin auf sich warten. So richtig überzeugend schien kein Angebot zu sein, das Stefano Giliati auf den Tisch flatterte. Anfang Oktober entschied er sich für ein Tryout beim HC Davos, das allerdings nach zehn Tagen schon wieder endete. „Ich hatte schon gehofft, einen Vertrag zu erhalten, doch Davos wollte das eigentlich gar nicht“, sagt der Stürmer, der in der Schweiz lediglich als kurzfristiger Ersatz für einen verletzungsbedingten Ausfall agieren durfte.

Dann kam der Anruf aus Schwenningen. Nicht nur der Zeitpunkt war prima, sondern auch die Tatsache, dass am anderen Ende der Leitung ein alter Bekannter war: Petteri Väkiparta, seines Zeichens Co-Trainer bei den Wild Wings, hatte im Sommer schon einmal lose Kontakt aufgenommen. Nun sah man seitens der Schwenninger die Chance gekommen. Stefano Giliati überlegte nicht lange und machte sich auf den Weg zum neuen Arbeitgeber, sein mittlerweile achter in seiner Zeit als Eishockey-Profi. „Ich habe immer neue Herausforderungen gesucht. Ich war noch nie jemand, der sich auf dem ausruht oder damit zufrieden ist, was er hat. Ich will immer einen Schritt weitergehen“, sagt der Angreifer.

Eine neue Herausforderung sind die Wild Wings und die DEL ganz bestimmt. Das haben ihm einige der neuen Teamkollegen vorab bereits mitgeteilt. Schließlich sind nicht alle Teamkollegen wirklich neu. Neben Petteri Väkiparta, der in Finnland Coach des Sohnes italienischer Einwanderer war, spielte Stefano Giliati bereits mit Joey MacDonald, Simon Gysbers, Kalle Kaijomaa, Marklus Poukkula und Jerome Samson zusammen. „Ich wusste aber auch vorher schon, dass hier viele gute, erfahrene Spieler in der DEL spielen“, berichtet der Mann aus Quebec. „Etliche haben NHL-Erfahrung und damit ist die DEL eine große Herausforderung. Aber ganz sicher auch, weil die deutschen Spieler alle sehr gut sind und hart arbeiten. Das ist eine sehr gute Kombination.“

Eine Kombination, die er auch in Schwenningen vorgefunden hat und die ihm sehr gut gefällt. Auch wenn es seit seiner Ankunft nicht gut lief für die Wild Wings, ist er von seinem neuen Team absolut überzeugt. Und er möchte gerade für die Youngster in der Mannschaft ein Beispiel sein. „Ich erinnere mich noch gut daran, als ich einer der Jungen war. Für mich waren die älteren Spieler wichtig und ich habe zu ihnen aufgesehen.“

Ein wenig Anlaufschwierigkeiten hatte Giliati allerdings schon. Was nicht zuletzt daran lag, dass er mangels Vertrag auch keinerlei Saisonvorbereitung absolviert hatte. Zudem sprang er bei den Wild Wings sozusagen direkt ins kalte Wasser. „Einige meiner Teamkollegen habe ich noch nicht einmal spielen sehen, geschweige denn mit ihnen trainiert“, spielt Stefano Giliati auf die Verletztenliste an. „Aber es ist eine tolle Mannschaft und gerade auch die Jungen sind unheimlich lernwillig.“ Weshalb er auch positiv auf die weitere Saison schaut.

Zunächst aber hat auch Giliati erst einmal die Deutschlandcup-Pause genossen. Einen Teil davon hat der schnelle Flügelstürmer gemeinsam mit Ehefrau Lina in Paris verbracht. Zurück in Schwenningen, widmet er seine volle Aufmerksamkeit wieder dem Eishockey. Nebenbei gilt es in der neuen Heimat noch das beste italienische Restaurant zu finden, was durchaus etwas mit der beruflichen Zukunft zu tun. „Nach meiner Karriere kann ich mir sehr gut vorstellen, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Ich liebe italienisches Essen. Im Moment kocht aber meine Frau noch das am besten“, lächelt der Mann mit der Rückennummer neun.

Ein wichtiger Beitrag zur Formverbesserung ist damit schon mal gegeben. Denn ein Ziel steht auch für den Kanadier ganz oben. „Ich möchte der Mannschaft helfen, die Playoffs zu erreichen. Ich möchte dazu beitragen, für die Fans, die Verantwortlichen und für die Mannschaft den Traum wahrzumachen“, sagt Stefano Giliati. Schon am Freitag in Bremerhaven und am Sonntag zu Hause gegen Wolfsburg kann er seinen Teil dazu beitragen, dem Traum ein Stückchen näherzukommen.