werner feisstund Dietmar Zschäbitz

Eishockey: Was am Dienstag noch als offiziell unbestätigte, aber dennoch harte Nachricht ans Tageslicht kam, wurde tags darauf zur endgültigen Gewissheit: Damien Fleury wird die Schwenninger Wild Wings verlassen. Das bestätigte Geschäftsführer Michael Werner.

Begonnen hatte alles Anfang vergangener Woche, als die Schwenninger vom Wechselwunsch Fleurys informiert wurden. „Natürlich waren wir nicht begeistert. Aber was willst du machen, wenn ein Spieler in die KHL wechseln will“, sagte Werner. Bei einem Transfer innerhalb der DEL, Österreich oder der Schweiz hätte der Stürmer die Wild Wings nicht so mir nichts dir nichts verlassen können. Schließlich ist der Franzose für die nächste Saison noch mit einem Vertrag ausgestattet. Dieser wurde inzwischen aufgelöst. Fleury spielt künftig für Red Star Kunlun, einen Klub, der in China beheimatet ist und in der Kontinental Hockey League antritt.

Weil Fleury noch ein gültiges Arbeitspapier am Neckarursprung hatte, wurde eine Ablösesumme fällig. Diese fällt vermutlich stattlich aus und spült den Wild Wings ein hübsches Sümmchen in die Kasse. „Wir sind zufrieden, aber das Geld spielte für uns bei der Entscheidung keine Rolle. Wir wollen nur Spieler in der Mannschaft haben, die mit Herz und Leidenschaft für die Wild Wings aufs Eis gehen“, sagte Werner. Vermutlich wäre das bei Fleury nicht mehr der Fall gewesen, hätten die Schwenninger den 30-jährigen Profi nicht ziehen lassen.

Gleich zweifach überrascht zeigte sich Sascha Goc, Kapitän der Wild Wings. „Einerseits wusste ich gar nicht, dass in China Eishockey gespielt wird. Andererseits hat mich die Entscheidung von Fleury unvorbereitet getroffen. Sein Abgang ist für uns ein herber Verlust, aber so ist der Profisport. Er muss es selbst entscheiden. Es bringt in so einer Situation auch nichts, wenn der Verein auf den gültigen Vertrag pocht.“

Ähnlich sieht es Simon Danner. „Für uns ist das ein herber Rückschlag. Seine Treffer und Fähigkeiten auf dem Eis werden fehlen. Ihn eins zu eins zu ersetzen, wird nicht einfach, denn die meisten Spieler sind unter Vertrag.“ Danner wird Fleury auch wegen seines guten Charakters vermissen, betont aber auch: „Es bringt nichts, einen Spieler gegen seinen Willen zu halten. Fleury hat eine tolle Chance mit der KHL. So ein Angebot bekommst du nicht alle Tage und musst dir genau überlegen, ob es annimmst. Ich kann ihn verstehen.“

Mit dem Abschied des Torjägers tut sich bei den Schwenningern im Angriff eine weitere Lücke auf. Ein Angreifer sollte noch verpflichtet werden, nun brauchen die Wild Wings plötzlich deren zwei. Fleury ist innerhalb kurzer Zeit die zweite Schlüsselfigur, die den Neckarstädtern trotz laufenden Vertrags den Rücken kehrt. Im vergangenen März verschwand Trainer Helmut de Raaf und heuerte beim Nachwuchs-Internat von Red Bull Salzburg an. Natürlich weiß Werner um die Problematik, wenn Profis auf ihre eigene Unterschrift pfeifen. Aber: „Im Sport muss man sich mit solchen Situationen wohl abfinden.“

Zwei Spiele live im TV

Zweimal sind die Wild Wings in dieser Saison neben dem Wintergame live im Fernsehen zu sehen. Sport1 überträgt das erste Derby gegen die Adler Mannheim am 2. Oktober sowie die Partie gegen Wolfsburg am zweiten Weihnachtsfeiertag. Alle Spiele der Schwenninger Wild Wings werden zudem vom neuen Partner Telekom live im Internet übertragen.Siehe Kommentar