Eishockey: Bei Pressekonferenzen nehmen Trainer die Worte ihrer Kollegen gerne dankbar auf, um das Gesagte in der eigenen Spielanalyse noch weiter auszuschmücken. Insofern lieferte Münchens Trainer Don Jackson Schwenningens Coach Pat Cortina eine Vorlage, um die 1:2-Niederlage gegen den amtierenden Deutschen Meister in ein mildes Licht zu rücken.

Von einem starken Gegner, der seinem Team das Leben schwer gemacht und mit drei Pfostenschüssen viel Pech gehabt habe, sprach Jackson. Doch Cortina nahm den verbalen Steilpass nicht etwa dankend an, sondern sprach sichtlich verärgert Klartext. „Wir waren im ersten Drittel nicht gut genug, um ein Spiel in der Deutschen Eishockey Liga zu gewinnen. Wir haben in diesem Abschnitt zwölfmal die Scheibe verloren“, sagte der 52-Jährige.

Vor allem die Puckverluste in der neutralen Zone brachten Cortina auf die Palme. Kein Wunder, hatte er doch in der Trainingswoche zuvor den Schwerpunkt auf das Verhalten in diesem Abschnitt gelegt. Natürlich war der Italo-Kanadier auch noch angefressen vom Auftritt der Wild Wings zwei Tage zuvor in Augsburg. Bei der 1:4-Pleite gegen die Panther hatten die Schwenninger ihre bislang schwächste Saisonleistung gezeigt. Auch deshalb wollte Cortina vom Pech mit den drei Pfostentreffern nichts wissen.

Die Art und Weise, wie seine Spieler auf schwierige Situationen reagieren, gefällt dem SERC-Coach überhaupt nicht. „Wenn es in einer Begegnung nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, versuchen wir es oft mit der Brechstange, statt nach anderen Lösungen zu suchen. Manchmal ist weniger mehr. Wir müssen nicht immer perfekt spielen“, sagte Cortina und verwies auf die Taktik der Münchner. Als sie unter Druck gerieten, versuchte selbst dieses Starensemble, so einfach wie nur irgend möglich zu spielen. Mit Erfolg.

Schwenningens Eishockey-Experte Matthias Hoppe, der die Heimspiele für den SÜDKURIER beobachtet und auswertet, ging mit der Mannschaft ebenfalls hart ins Gericht. Das Passspiel aus der eigenen Abwehr heraus war eine Katastrophe. Der Aufbau war viel zu behäbig. Kaum ein Puck erreichte den Mitspieler. Und wenn, dann war die Scheibe sofort wieder weg. Da war keine Ordnung, kein Konzept zu sehen“, bemängelte Hoppe. Die Sturm- und Drangphase im letzten Drittel bezeichnete der ehemalige SERC-Torhüter als „wildes Anrennen“. Beim Versuch, den Ausgleich zu erzwingen, verloren die Schwenninger selbst in Überzahl den Überblick und ermöglichten dem Gegner den entscheidenden Treffer zum 0:2. Cortina: „Wir hatten im Powerplay ein paar Chancen, aber auch einen Fehler gemacht. Das hat München genutzt.“

Ein Sieg in den letzten zwölf Spielen: Wenn die Wild Wings nicht schleunigst punkten, gerät Rang zehn und damit das Ticket für die Pre-Playoffs schon vor Weihnachten aus dem Blickfeld. Bereits im Spiel heute Abend (Beginn: 19.30 Uhr) bei den Iserlohn Roosters, haben sie erneut die Möglichkeit, endlich wieder ein Erfolgserlebnis zu feiern. „Das ist eine schwierige Situation für uns. Im Moment ist es ganz gut, dass wir viele Spiele bestreiten. Da bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Wir müssen uns auf die Basics konzentrieren und das Spiel einfach halten“, sagte Schwenningens Stürmer Uli Maurer. Und noch etwas müssen sie Cortina zufolge in Iserlohn unbedingt tun: „Über 60 Minuten konstant gut spielen.“