War das der Befreiungsschlag? Der Sieg, den in Schwenningen alle herbei gesehnt hatten? Der Erfolg, der das Selbstvertrauen zurückbringen sollte? Jedenfalls machten die Wild Wings einen wichtigen Schritt aus der Krise. Vor 3211 Zuschauern feierten sie mit einem 3:2 (1:0, 0:1, 2:1)-Erfolg gegen die Straubing Tigers den vierten „Dreier“ in dieser Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Vor dem Spiel hatte SERC-Trainer Pat Cortina angekündigt, den Gegner unter Druck zu setzen, hart zu attackieren und viel Schlittschuh zu laufen. In den ersten acht Minuten war von all dem nichts zu sehen. Man wusste nicht so recht, ob die Wild Wings zumindest in der Anfangsphase defensiv eingestellt oder ob sie einfach nur gehemmt waren. Die Tigers kombinierten nach Belieben und erarbeiteten sich Chancen. Die Hausherren konnten sich bei Torhüter Joey MacDonald bedanken, dass sie nicht in Rückstand gerieten.

Nach acht Minuten wurden die Schwenninger munterer und kreuzten erstmals gefährlich vor dem Straubinger Gehäuse auf. Jerome Samson war der Erste, der Gästeschlussmann Dimitri Pätzold ernsthaft prüfte. Will Acton scheiterte wenig später ebenfalls am früheren Schwenninger Keeper, ehe der Puck in Minute 16 plötzlich im Straubinger Netz zappelte. Stefano Giliati hatte geschossen und Pätzold keine glückliche Figur gemacht. Ein bisschen mussten sich die Schwenninger Fans und Mannschaft noch gedulden, denn die Schiedsrichter schauten sich die Szene nochmals auf dem Video an, ehe sie den Treffer gaben. Die 1:0-Führung nach dem ersten Drittel war äußerst schmeichelhaft, zumal die Tigers neben einer Vielzahl an hochkarätigen Gelegenheiten drei Überzahlsituationen nicht zu nutzen wussten.

„Es war wichtig, das erste Tor zu schießen. Aber die Mannschaft muss noch mehr arbeiten“, nahm Torschütze Giliati seine Kollegen in die Pflicht.

Auch im Mitteldrittel wirkten die Schwenninger merkwürdig passiv. Selbst bei numerischer Gleichheit spielten sie, als ob sie in Unterzahl wären. Straubing setzte sich minutenlang im Abwehrdrittel der Wild Wings fest und MacDonald unter Dauerbeschuss. Nur einmal brannte es in dieser Phase lichterloh vor dem Gästetor. In Minute 31 scheiterte SERC-Stürmer Andree Hult zweimal aus kurzer Distanz an Pätzold. Angesichts der Spielanteile war der Ausgleich überfällig. Und er fiel in Minute 24. Michael Connolly nutzte die vierte Straubinger Überzahl nach einem Abpraller zum 1:1.

Den letzten Abschnitt eröffneten die Schwenninger mit ihrem ersten Powerplay an diesem Abend. Straubings Stürmer Mike Cornell saß auf der Strafbank. Sein übler Stockschlag gegen Daniel Schmölz war ein klares Frustfoul. Schon nach 45 Sekunden wussten alle: Cornell hatte seiner Mannschaft einen Bärendienst erwiesen, denn Andree Hult nutzte die Überzahl zur 2:1-Führung. Nun streiften die Wild Wings alle Fesseln ab. Selbst vom 2:2-Ausgleich (50.) durch Sandro Schönberger ließen sich die Neckarstädter nicht mehr vom Erfolgsweg abbringen. 89 Sekunden vor Schluss machte Uli Maurer mit einem herrlichen Schuss den 3:2-Sieg perfekt – der Jubel war groß.