Ringen: Eine tolle Ringer-Karriere geht abseits der Matte still und heimlich zu Ende. Nach einer langwierigen Verletzungsmisere hat Jan Rotter vom SV Triberg entschieden, dass er nicht mehr als Aktiver auf die Ringer-Matte zurückkehren wird. „Mit aller Macht könnte ich es vielleicht noch einmal probieren. Aber das wäre aus gesundheitlichen Gründen keine vernünftige Entscheidung“, sagt der 29-Jährige mit viel Wehmut.

Aktuell gehört er noch zum Bundesliga-Kader des ASV Urloffen. Doch für die Beteiligten ist klar, dass der Griechisch-Ringer bei den Ortenauern nicht mehr zum Einsatz kommen wird. Die schwierige Aufbauarbeit und die ständigen Rückschläge drückten die Comeback-Zuversicht beim Triberger immer mehr in Richtung Nullpunkt.

Obwohl die Ringer-Laufbahn kürzer war, als geplant, kann Jan Rotter auf einige Erfolge stolz zurückblicken. Mit seinem Heimatverein SV Triberg schaffte er innerhalb von drei Jahren den Aufstieg von der Oberliga in die Bundesliga und begeisterte in Deutschlands Elite-Liga das heimische Publikum. Seinen größten Teamerfolg feierte er allerdings mit dem SV Weingarten. Mit den Nordbadenern gewann Rotter 2017 die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Neben der Bronzemedaille bei der Kadetten-Europameisterschaft 2008 der wertvollste Erfolg in seiner Karriere.

Doch seit dem Titelgewinn vor zweieinhalb Jahren gab es nur wenige Zeiten, in denen Rotter nicht von Schulterproblemen geplagt war. Schon im Herbst 2017, als er für seinen Heimatverein SV Triberg in der Bundesliga kämpfen wollte, war er nicht beschwerdefrei. Die Bizepssehne in der rechten Schulter war gerissen und zwang ihn kurz vor Jahresende zu einer Operation. Als der junge Schwarzwälder die OP und die Reha überstanden hatte, konnte er wieder richtig loslegen. „Ich war in Topform, wurde bei einem internationalen Turnier in Dänemark Zweiter und freute mich auf die deutschen Meisterschaften“. Doch dann meldete sich plötzlich die linke Schulter.

Die Schmerzen wurden von Tag zu Tag größer. Die Diagnose war bitter: „Der Labrum in der linken Schulter war zerfetzt und zudem wurde ein schwerer Knorpelschaden festgestellt.“ Im Sommer 2018 folgte somit die nächste Operation. An Aufgeben dachte Jan Rotter aber noch lange nicht. „Ich hoffte, dass sich mein Körper regenerieren kann“. Nach behutsamer Aufbauarbeit kehrte Rotter Anfang 2019 auf die Matte zurück: „Ich war richtig euphorisch.“ Doch kaum hatte er die ersten richtigen Kämpfe absolviert, schmerzte die Schulter wieder. „Danach hatte ich meist mehrere Tage Probleme.“ Spätestens ab diesem Zeitpunkt reifte die Entscheidung, die Ringer-Stiefel endgültig an den Nagel zu hängen. Rotter: „Ich kann die Schulterprobleme bei einem Kampf nicht zu 100 Prozent ausblenden. Dadurch macht Ringen auf hohem Niveau keinen Sinn. Deshalb war ich in dieser Phase auch richtig frustriert.“ Der Frust ist zwar längst vorbei, doch bei Rotters Schilderungen ist seine Enttäuschung immer noch spüren.

Jan Rotters großer Traum von der Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio bleibt somit lediglich ein Traum. Dies bedeutet aber nicht zugleich, dass er in zwölf Monaten nicht in die japanische Hauptstadt reist. Seine Ehefrau Aline Rotter-Focken, eine der weltbesten Ringerinnen, hat sehr gute Chancen, bei den Olympischen Spielen zu starten. Rotter: „Alines großes Ziel ist eine Olympia-Medaille und ich werde sie unterstützen, damit zumindest ihr Traum wahr wird“.