Sandra, ein wichtiger Ski-Winter steht vor der Tür. Sind Sie bereit?

Ja. Es passt. Wir haben gerade ein zehntägiges Schnee-Training in Davos hinter uns. Am Freitag geht’s schon wieder nach Finnland, wo nächste Woche der Weltcup beginnt.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich will mir meinen Traum von Olympia erfüllen und in Pyeongchang dabei sein. Allerdings gehe ich das Ganze locker an. Die vergangenen Jahre habe ich mir die Ziele oft zu hoch gesetzt.

Haben Sie einen speziellen Fahrplan für die nächsten Monate?

Nein, den gibt es nicht. Ich will auf jeden Fall bei der Tour de Ski Ende Dezember dabei sein und natürlich auch beim Weltcup in Dresden Mitte Januar. Auf die Sprintrennen an der Elbe freue ich mich besonders. Dort können wir Langläufer auch Werbung für unsere Sportart machen.

Einerseits sind in Weltcup-Rennen Top-Leistungen nötig, um überhaupt die Qualifikation für Olympia zu schaffen. Anderseits soll die Bestform erst beim Großereignis im Februar in Südkorea erreicht werden. Hört sich nach einer Gratwanderung an?

Ich versteife mich nicht allein auf die Olympia-Qualifikation. Mein Anspruch ist, auch im Weltcup eine gute Rolle zu spielen. Ich will schon bei den ersten Rennen zeigen, was ich kann.

Weiterhin vor allem bei Sprints oder auch auf anderen Strecken?

Mein Schwerpunkt liegt immer noch auf dem Sprint.

2014 haben Sie die Teilnahme an den Olympischen Spielen knapp verpasst. Ist deshalb die Motivation dieses Mal besonders groß?

Wer es zu den Olympischen Spielen schaffen will, ist immer besonders motiviert.

Die nächsten vier Monate werden Sie fast ausschließlich in Hotels und auf Langlaufstrecken unterwegs sein. Wie schalten Sie da ab?

Hin und wieder bin ich ja in Sonthofen oder in meiner Heimat im Schwarzwald. Dann versuche ich, Dinge zu machen, die nichts mit Sport zu tun.

Wie oft müssen Langläufer in einer Saisonvorbereitung den inneren Schweinehund überwinden?

Sehr oft. Aber das ist auch wichtig, um die Wettkampfhärte zu bekommen. Man muss als Langläufer schmerzen mögen. Wenn man Spaß hat, fällt vieles leichter. Und ich habe Spaß an meiner Sportart.

Spaß macht sicherlich auch gemeinsames Training mit ihrem Freund, Kombinations-Weltmeister Fabian Rießle. Haben Sie dafür überhaupt Zeit?

Fabian und ich trainieren hin und wieder zusammen und profitieren auch beide davon. Allerdings springe ich nicht von der Schanze (lacht).

Ihre langjährige Teamkollegin Denise Herrmann ist mittlerweile bei den Biathletinnen erfolgreich. Haben Sie auch schon über einen Wechsel nachgedacht?

Nein. Das ist kein Thema für mich. Ich habe vor fünf Jahren in Ruhpolding mal geschossen und es war ganz nett. Aber mein Herz schlägt für den Skilanglauf.

Im vergangenen Winter schaffte die deutsche Frauen-Staffel mit Ihnen als Schlussläuferin erstmals seit vielen Jahren wieder einen Podestplatz im Weltcup. Wie wichtig war und ist Ihnen dieser Team-Erfolg?

Ein gutes Staffelergebnis sorgt für eine gute Atmosphäre im Team. Und das ist sehr wichtig für mich. Wir Mädels haben durch diesen zweiten Platz auch gesehen, was möglich ist.

Heißt: Auch bei Olympia ist eine Medaille möglich ist?

Wenn alles passt, warum nicht? Das wäre richtig cool und ein besonderer Lohn für jahrelange Arbeit.

Fragen: Christof Kaltenbach

Zur Person

Sandra Ringwald startet für das Skiteam Schonach-Rohrhardsberg. Die 27-Jährige gab ihr Debüt im Langlauf-Weltcup 2010. Im Vorjahr belegte Ringwald im Gesamtweltcup den 23. Platz. Bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven gewann sie bislang sechs Titel. Ihren größten internationalen Erfolg feierte die Schönwälderin 2013 mit der Silbermedaille im Sprint bei der U 23-Weltmeisterschaft. Die Sportsoldatin wohnt mittlerweile seit sechs Jahren in Sonthofen.