Eishockey: Die Wild Wings präsentieren sich in der kommenden Saison komplett runderneuert. Nach dem Debakel in der vergangenen Spielzeit, die für Schwenningen auf dem letzten Platz endete, sollen 15 Neuzugänge für neuen Schwung und vor allem für Erfolg sorgen. Schon am Freitag (19:30 Uhr) wollen die Neckarstädter zum Saisonauftakt beim Heimspiel gegen Ingolstadt ein Zeichen setzen. Unser Eishockey-Experte Matthias Hoppe hat die Mannschaft unter die Lupe genommen und kommt zu folgendem Urteil: „Die Schwenninger sind für mich ein heißer Kandidat für die Playoffs.“ Hier die Analyse der Schwenniger Eishockey-Legende:

Tor

Dustin Strahlmeier ist für mich die gesetzte Nummer 1. Auch wenn er im letzten Testspiel einige Unsicherheiten zeigte, wird er wieder ein starker Rückhalt für die Mannschaft sein und seine Leistung bringen. Auf Strahlmeier ist zu 100 Prozent Verlass. Außerdem hat er immer noch Ambitionen auf die Nationalmannschaft.

Ilya Sharipov: Der Neuzugang ist eine sehr gute Alternative zu Marco Wölfl, der in der vergangenen Saison die Nummer zwei war. Sharipov hat sogar noch bessere Perspektiven und während seiner Zeit in Bietigheim schon eine Menge Spielerfahrung gesammelt.

Fazit: Ich wäre bei dieser Konstellation für eine Rotation zwischen den Pfosten. Sharipov sollte jedes dritte oder vierte Spiel die Chance kriegen, sich zu zeigen. Das hätte den Vorteil, dass sowohl Strahlmeier als auch Sharipov ständig motiviert wären. Sharipov müsste sich nicht wie ein Spieler auf dem Abstellgleis fühlen und wird das Vertrauen zurückzahlen. Auf jeden Fall sollte Trainer Thompson seine Strategie frühzeitg mit den Torhütern absprechen.

Abwehr

Sollte er verletzungsfrei bleiben, ist Mirko Sacher für mich der absolute Führungsspieler in der Abwehr. Er verfügt über ein gutes Passspiel und sucht konsequent den Weg zum gegnerischen Tor. Vor allem dank Neuzugang Mark Fraser dürfte die Mannschaft in Sachen Körperspiel ganz anders auftreten als bisher. Wenn er einen Stürmer an die Bande brettert, dürfte sich der Gegenspieler zweimal überlegen, ob er das noch mal riskiert. Auch für das Zweikampfverhalten ist die Körpersprache unheimlich wichtig. Mit Dylan Yeo und Christopher Fischer haben die Wild Wings endlich zwei starke Blueliner im Team. Die beiden fackeln bei ihren Schüssen nicht lange. Dominik Bohac und Benedikt Brückner sehe ich defensiv orientiert. Mit Boaz Bassen haben die Schwenninger ein Riesentalent in ihren Reihen. Er spielt intelligentes Eishockey und besticht mit einem guten Umschaltspiel. Allerdings muss Bassen körperlich noch zulegen.

Fazit: Sowohl offensiv als auch defensiv ist die Abwehr 15 bis 20 Prozent stärker als in der vergangenen Saison. Von diesem Mannschaftsteil sind wieder mehr Tore zu erwarten.

Nach den Heimspielen der Wild Wings analysiert Eishockey-Experte Matthias Hoppe die Auftritte der Schwenninger Profis und präsentiert seine Top Fünf auf SÜDKURIER Online.
Nach den Heimspielen der Wild Wings analysiert Eishockey-Experte Matthias Hoppe die Auftritte der Schwenninger Profis und präsentiert seine Top Fünf auf SÜDKURIER Online. | Bild: Fröhlich, Jens

Sturm

Mit der Reihe Andreas Thuresson, Pat Cannone und Jamie MacQueen verfügt Schwenningen über einen Traumsturm. Das sind drei komplette Spieler, die wissen, wo das Tor steht. Jeder von dem Trio kann ein Spiel allein entscheiden. Endlich haben wir in der ersten Reihe nicht nur zwei, sondern drei starke Leute. Auch die zweite Reihe mit Mike Blunden, Troy Bourke und Matt Carey ist hochkarätig besetzt. Mir gefällt vor allem, wie Carey seine beiden Nebenleute einsetzt. Die Reihe mit Alexander Weiß, Markus Poukkula und Marcel Kurth sehe ich eher defensiv ausgerichtet. Im vierten Sturm haben wir Kai Herpich, Maximilian Hadraschek, Julian Kornelli und Daniel Pfaffengut vier dynamische Spieler, die kämpfen, checken und für Entlastung sorgen. Tore schießen können sie übrigens auch, wie man beim Spiel gegen die Carleton Ravens gesehen hat.

Fazit: Der Sturm der Wild Wings ist in diesem Jahr 30 Prozent stärker. In der vergangenen Saison haben die Schwenninger zehn Mal zu null verloren. Das wird es künftig nicht mehr geben. Ich rechne damit, dass der Sturm im Durchschnitt drei bis vier Tore pro Spiel erzielt.

Kapitän

Mark Fraser zum Kapitän zu ernennen, war ein hervorragender Schachzug von Trainer Thompson. Fraser ist auf dem Eis eine Maschine, der einen Gegenspieler zerlegen kann. In seiner Rolle als Kapitän muss er jedoch Härte und Disziplin in Einklang bringen und für die anderen ein sportliches Vorbild sein. Ein Kapitän sollte nicht laufend auf der Strafbank sitzen. Fraser wird sich etwas zügeln müssen. Dennoch soll er mit seiner Körpersrpache auf dem Eis Zeichen setzen. Mit dem ,C‘ auf der Brust, sollte Fraser diesen Anforderungen gerecht werden.

Trainer

Paul Thompson hat in der vergangenen Saison nach seiner Ankunft im November schon einiges bewirkt. Nun hat er die Chance, von Beginn an mit der Mannschaft zu arbeiten. Das ist für ihn ein riesen Vorteil. Außerdem ist das Team zu 100 Prozent auf die Spielphilosophie des Trainers zugeschnitten. Thompson ist offensiv orientiert, und das ist auch die Mannschaft. Sein Vorgänger Pat Cortina hat oft nur einen Stürmer im Forechecking eingesetzt und zwei Angreifer in die Defensive beordert. Thomspon wird wohl mit zwei Angreifern das Aufbauspiel des Gegners unter Druck setzen und nur einen Stürmer vor der Abwehr haben. Thompson hasst Niederlagen und wird alles daran setzen, das Optimale aus der Mannschaft herauszuholen. Sollten die Spieler eine Niederlage kassieren, ohne sich mit aller Macht gewehrt zu haben, möchte ich bei der nächsten Mannschaftssitzung nicht dabei sein. Mit Mike Flanagan hat Thompson einen sehr guten Assistenten an seiner Seite.