Fußball-Oberliga: Mit der Verpflichtung von Patrick Peters gelang dem FC 08 Villingen kurz vor Ende des Wechselfensters ein Transfer, der nicht nur sportlich, sondern auch optisch auffällt – und bereits für mächtig Zündstoff sorgte.

Turbulent – so beschreibt Patrick Peters die zwei zurückliegenden Wochen. Am 30. August, also einen Tag vor Schließung des Transferfensters, wechselte der groß gewachsene Innenverteidiger zum FC 08 Villingen. Weil die Nullachter den Norddeutschen als Vertragsamateur verpflichteten, konnte Peters ablösefrei und ohne Erbringung einer Ausbildungsentschädigung vom Verbandsligisten FC Radolfzell in den Schwarzwald transferiert werden. „Das Angebot aus Villingen kam für mich sehr überraschend, weil man in meinem Alter nicht mehr oft solche Chancen bekommt. Weil ich für solche Momente brenne, habe ich gleich zugesagt“, erklärt der 31-Jährige, der hauptberuflich als Logistiker im schweizerischen Biel tätig ist und in Konstanz wohnt.

Dass er mit seinem spontanen Wechsel einen verärgerten FC Radolfzell hinterließ, ist sich Peters bewusst. „Der Zeitpunkt des Wechsels war sicher unglücklich, weil Radolfzell kaum mehr Zeit hatte, um nach einem Ersatz zu schauen. Was sich dann aber auf menschlicher Ebene abspielte, hat mich sehr beschäftigt“, beschreibt Peters die darauffolgende Schlammschlacht zwischen den Nullachtern und den Mettnauern. „Es hat niemand einen Fehler gemacht, sonst wäre der Wechsel nicht genehmigt worden. Allerdings wurden in meine Richtung gewisse Aussagen in puncto menschliches Versagen getätigt, die ich sehr unprofessionell finde. Ich habe mir in meiner Zeit in Radolfzell nichts zu Schulden kommen lassen“, stellt Peters klar.

Nun richtet der Neuzugang des FC 08 seinen Fokus auf die Zukunft und auf seine Aufgaben beim Oberligisten. Am vergangenen Samstag feierte der Defensivmann beim 2:0 gegen die Neckarsulmer Sportunion an der Seite von Dragan Ovuka ein gelungenes Startelf-Debüt in der Villinger Innenverteidigung. „Das ist die Position, auf der ich meine Stärken am besten einbringen kann. Ich organisiere und motiviere gerne andere Menschen. Das geht in der Innenverteidigung ganz gut. Ein bisschen kicken kann ich aber auch noch“, schmunzelt Peters, der auch auf den Außenpositionen einsetzbar ist. Mit seiner Erfahrung aus 34 Regionalliga-Spielen für den VfB Lübeck und 87 in der dritten Schweizer Liga kann Peters noch sehr wichtig für die Villinger Defensive werden, die nach der schweren Verletzung von Valentin Vochatzer dünn besetzt ist. „Ich möchte gesund bleiben und dem Team weiterhelfen, indem ich Verantwortung übernehme. Wir wollen eine Serie starten“, erklärt der Abwehrmann.

Nicht nur wegen seiner abgeklärten Leistung, auch aufgrund seines Erscheinungsbildes war Peters gegen Neckarsulm einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz. Seit sieben Jahren trägt der 1,85 Meter große Blondschopf bei jedem Training und in jedem Spiel einen Kopfschutz, ähnlich wie der einstige Weltklasse-Torhüter Petr Cech. Grund dafür ist eine schwere Gehirnerschütterung, die sich der Fußballer vor sieben Jahren bei einem Kopfballduell zuzog. „Damals bin ich mit voller Wucht in die Hüfte meines Gegenspielers gekracht und alle Lichter sind ausgegangen. Danach lag ich einen Monat lang im Krankenhaus.“

Weil Peters in der Folge bei Kopfbällen in regelmäßigen Abständen Ohnmachtsanfälle erlitt, stand er vor einer Entscheidung: „Entweder, ich hänge meine Kickschuhe an den Nagel oder ich mache mit Kopfschutz weiter. Mittlerweile brauche ich den Helm nicht mehr, ich fühle mich dabei aber sicher und mache auch noch optisch etwas her“, lacht Peters. Der Schwindel gehört nun der Vergangenheit an. Jetzt möchte Patrick Peters mit dem FC 08 Villingen am liebsten sportliche Erfolge feiern und in einen Freudentaumel verfallen.