Basketball: Im einen Verein aussortiert, im anderen geschätzt und gefeiert: Bill Borekambi zieht nach seinem Wechsel von den Rostock Seawolves zu den Wiha Panthers Schwenningen im vergangenen Sommer ein durchweg positives Fazit und macht sich sogar Hoffnung auf ein weiteres Jahr am Neckarursprung. Eine Geschichte über Flucht und Segen.

Nach einer guten Saison als zweitbester Scorer eines Aufstiegsteams, spielte Bill Borekambi im vergangenen Sommer in den Planungen des neuen Trainers der Rostock Seawolves plötzlich keine Rolle mehr. In der Hansestadt für die Pro A nicht mehr gebraucht, ergriff der bis dahin als Wandervogel bekannte Berliner die Flucht aus dem hohen Norden und suchte eine neue sportliche Herausforderung sowie vor allem das Vertrauen eines Trainers, der ihm eine tragende Rolle innerhalb der Mannschaft zuwies. Seinen sportlichen Segen fand er schließlich am Rande des Schwarzwalds, bei den Panthers in Schwenningen.

Als Königstransfer und einer der besten „Local Players“ der Pro B angekündigt, hielt der 26-Jährige den in ihn gesetzten Erwartungen stand. Mit im Schnitt knapp 17 Punkten pro Partie war Borekambi hinter Rasheed Moore zweite Angriffsoption des Teams von Trainer Alen Velcic und zudem mit seiner Athletik eine wichtige Konstante in der Defensive. Spätestens in den Playoffs stellte der Zwei-Meter-Modellathlet seinen Wert unter Beweis, als er sowohl Produktivität als auch Effektivität steigerte und seine Mannschaft auf dem Weg bis ins Halbfinale und letztlich in die Pro A trug. „Ich konnte meine Leistung relativ konstant halten. Es war die erste Saison seit langem, in der ich so viel gespielt habe“, sagt Borekambi. Belohnt wurde er nicht nur mit der im Laufe der Saison stetig wachsenden Zuneigung der Panthers-Fans, sondern auch mit mehreren Nominierungen zum Spieler des Monats, mit der Berufung ins Best-of-Team sowie in das Team der besten deutschen Spieler der Pro B.

Auch eine Etage höher erbrachte Borekambi schon den Nachweis seiner Klasse. In der Saison 2014/15 erzielte der Berliner mit den Cuxhaven BasCats in der Pro A im Schnitt 14 Punkte und sieben Rebounds. „Da ich schon in der Pro A gespielt habe, weiß ich, wie ich in dieser Liga einem Team weiterhelfen kann. Das Level ist natürlich höher, weil dort viele US-Amerikaner und ehemalige Bundesliga-Profis spielen. Aber auch dort kann ich ein Starter sein“, würde er entsprechend selbstbewusst auch eine weitere Saison in der zweithöchsten deutschen Spielklasse angehen.

Grundsätzlich kann sich der Power Forward einen Verbleib in Schwenningen gut vorstellen. „Nach der Saison gab es ein paar kurze Gespräche. Ich denke sehr positiv darüber. Vor allem das Vertrauen, was ich hier erhalte, und das familiäre Umfeld unterscheiden sich von anderen Standorten.“ Trainer Alen Velcic macht kein Geheimnis daraus, auch in der Pro A gerne auf Borekambis Dienste zurückgreifen zu wollen. Nun, da der Aufstieg der Panthers feststeht, gibt es auch in Borekambis Entscheidungsfindung eine klare Tendenz. „Der Aufstieg macht mir die Entscheidung auf jeden Fall leichter. Es ist ein toller Anreiz, mit dem Verein, mit dem ich den Aufstieg geschafft habe, auch in der Pro A zu spielen.“

Auch dank der guten Bedingungen abseits des Basketballcourts kann sich Borekambi seine Zukunft in der Doppelstadt vorstellen. Mit einer Ausbildung bei einem Schwenninger Tattoo-Studio schaffte sich der Basketballer ein zweites berufliches Standbein, auf das er sich im Falle eines Verbleibs stützen kann. Auch die Zusammenarbeit mit seinem Trainer bewertet er als großen Pluspunkt der Wiha Panthers. „Alen Velcic hat eine große Rolle bei meinem Wechsel nach Schwenningen gespielt. Er hat mir viel Vertrauen geschenkt, sodass ich mich auf und neben dem Platz sehr wohl gefühlt habe.“

Ob Borekambi tatsächlich im Herbst zu den Panthers zurückkehren wird, steht noch in den Sternen. Die Chancen stehen sehr gut, dass der Wandervogel für ein weiteres Jahr Halt in Schwenningen machen und eine Saison ohne Flucht verbringen wird. Den Segen der Panthers-Fans hätte er dafür sicherlich.