Fußball-Oberliga: Die Erleichterung nach dem Schlusspfiff war im Friedengrund spürbar: Hätte die Mannschaft nach der ärgerlichen 0:4-Pokalklatsche am Donnerstag in Lahr auch noch zuhause gegen Schlusslicht SV Sandhausen II verloren, dem Verein und den Spielern hätten ein paar ungemütliche Tage bevorgestanden. So ist man aber zumindest in der Liga im Soll. Und in ein paar Tagen wird das Zustandekommen des 2:1-Erfolges gegen die Zweitliga-Reserve wohl kaum mehr jemanden interessieren.

Zäh: In der Tat wurde den 400 Unentwegten bei regnerischem Wetter einiges abverlangt, ehe die Schlussviertelstunde sie einigermaßen entschädigte. Interessanterweise war das genau die Phase, in der manche dem FC 08 zum Ende der Englischen Woche konditionelle Probleme vorausgesagt hatten. Statt dessen zeigte das Team um Kapitän Dragan Ovuka eine Willensleistung, bei der Villingen aber auch von zwei weiteren Dingen profitierte: von einem starken Schlussmann Andrea Hoxha und vom Glück, dass die jungen Gästespieler bei zwei Großchancen wenig kaltschnäuzig zu Werke gingen. So war die Bahn frei für ein eminent wichtiges Tor von Ovuka sowie einen Elfmetertreffer von Tevfik Ceylan, wobei den Strafstoß wohl nicht jeder Schiedsrichter gegeben hätte. Dass es am Schluss noch unnötig spannend wurde, passte irgendwie ins Bild. Umso größer war der Villinger Jubel nach dem Happy End.

Sympathisch: Die Gäste aus Sandhausen und ihr Trainer Frank Löning hinterließen einen durchaus sympathischen Eindruck. Spielerisch ließ die junge Truppe – laut Löning beim letzten Spiel mit einem Durchschnittsalter von 19,3 Jahren – ihre gute Ausbildung aufblitzen. Grobe Fouls gab es keine und Löning verdeutlichte im Anschluss die Philosophie: „Wir wollen jeden einzelnen Spieler weiterbringen. Wenn den Jungs vor dem Tor noch die Cleverness fehlt, ist es eben so.“ Verstärkungen aus dem Zweitliga-Kader gebe es, anders als bei anderen Profivereinen, nur selten. „Und bei weiten Auswärtsfahrten, wie nach Villingen, kommt ohnehin fast nie einer mit.“ Angesichts dessen sei er nicht unzufrieden mit der Vorstellung seines Teams, das nun gegen Aufsteiger 1. FC Rielasingen-Arlen den ersten Saisonsieg einfahren möchte.

Nachwehen: Unterschwellig klang nach der Partie bei der Pressekonferenz im gut gefüllten VIP-Raum noch die Enttäuschung nach dem Pokal-Aus durch. Die Stimmung bei den Nullachtern wirkte etwas gedämpft. „Wir haben uns bereits dafür entschuldigt und ich mache das auch noch mal“, sagte Trainer Jago Maric, der am liebsten gar nicht mehr über das Desaster sprechen wollte, gleichwohl die Lahr-Erfahrung so zusammenfasste: „So kannst du nicht auftreten.“ Aber, so gaben andere in den VIP-Räumlichkeiten, zu bedenken: Man könne bei allem Ärger über die Pleite in Lahr auch nicht davon ausgehen, dass der FC 08 jedes Jahr den Pokal gewinne. Maric wollte jedenfalls nach vorne blicken – und das heißt: Vorläufig keine Englischen Wochen mehr, dafür eine etwas breitere Basis im Kader.

Rückkehrer: Von den sechs zuletzt fehlenden Spielern dürften im Verlauf des Oktobers vermutlich fünf wieder zurückkehren. Mittelfeldstratege Tobias Weißhaar steht nach seinem Urlaub bei der schweren Partie am Samstag in Pforzheim auf jeden Fall wieder zur Verfügung. Damian Kaminski stieg am Montag wieder ins Training ein. Nicht auszuschließen ist, dass Benedikt Haibt, für dessen Entzündung nach wie vor keine eindeutige Ursache gefunden wurde, in einigen Tagen folgt. Stjepan Geng dürfte kommendes Wochenende ein Kurz-Comeback in der U 23 geben, und auch Niko Tadic soll bald wieder an die normale Spielbelastung herangeführt werden. Lediglich Valentin Vochatzer wird nach seinem Kreuzbandriss auf unabsehbare Zeit fehlen.

Spannung: Fußballwetten abzuschließen ist ohnehin eine heikle Sache – in der aktuellen Oberliga-Saison kann man sich das Tippen aber eigentlich gleich sparen: Zu unberechenbar ist die Spielklasse, zu ausgeglichen das Feld. Gerade mal ein Pünktchen fehlt dem Tabellensechsten Villingen zum Zweiten, VfB Stuttgart II. Freiberg auf Platz 12 hat aber auch nur drei Zähler Rückstand auf das Team aus der Landeshauptstadt. Einsam seine Kreise zieht bislang nur der 1. Göppinger SV, der seinen Vorsprung dank eines beeindruckenden 5:0-Erfolges in Freiberg auf fünf Zähler ausbaute. Geradezu dramatisch gestaltet sich die Situation hingegen für den Ex-Zweitligisten SSV Reutlingen, der nach einem 0:2 gegen den Freiburger FC mit dessen Interimstrainer Joschua Moser-Fendel an einem Tiefpunkt angelangt scheint und auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Im stets unruhigen Reutlinger Umfeld werden die Rufe nach Konsequenzen immer lauter.