Fußball-Oberliga: FC 08 Villingen – SV Stuttgarter Kickers (Samstag, 18.30 Uhr). Die Partie gegen den Ex-Bundesligisten ist sicherlich einer der absoluten Saisonhöhepunkte für den FC 08 – zumal sie angesichts der Tabellenkonstellation Zweiter gegen Vierter als Spitzenspiel durchgeht.

Zusammen mit Regionalliga-Absteiger VfB Stuttgart II ist der Klub vom Degerloch Top-Favorit der diesjährigen Oberliga-Runde. Vergangene Spielzeit mussten die Kickers den Titel dem Bahlinger SC überlassen und scheiterten als Vizemeister in den Aufstiegsspielen an Bayern Alzenau. Trainer Tobias Flitsch sowie der Sportliche Leiter (und Ex-Nullachter) Martin Braun mussten danach gehen. Mit Ramon Gehrmann aus Freiberg holten die Kickers einen absoluten Oberliga-Fachmann. Der Kader wurde tendenziell noch etwas verbessert. Unter anderem holte man Cristian Giles, der nach seinem Nullacht-Gastspiel zunächst nach Reutlingen gewechselt war.

Die Kickers spielen bislang durchaus vorne mit, aber wunschlos glücklich ist man im Umfeld des Traditionsclubs mit Platz vier und vier Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Göppingen nicht. Beim letzten Auswärtsspiel verspielten die „Blauen“ in Oberachern in den letzten zehn Minuten (!) eine 4:1-Führung und mussten sich mit einem 4:4 begnügen. Vorigen Samstag spielte man in Degerloch beim 2:2 gegen den TSV Ilshofen ebenfalls nur Unentschieden.

Die Nullachter stehen zwar zwei Plätze und einen Punkt in der Tabelle weiter oben, gehen aber dennoch nicht als Favorit in die Begegnung. „Diese Rolle gebe ich gerne an die Kickers weiter“, sagt Nullacht-Coach Jago Maric. Umso mehr, weil die Hoffnung, die Personalprobleme würden nach und nach verschwinden, eher trügerisch war. Damian Kaminski war nach seinem Kurzzeit-Comeback in Pforzheim erneut angeschlagen und steht gegen die Kickers wohl nicht zur Verfügung. Gleiches gilt für den immer noch an einer Verletzung laborierenden Benedikt Haibt. Stjepan Geng feierte zwar in der U23 ein Comeback, für ihn scheint es aber gegen die Kickers allenfalls für einen Platz auf der Bank zu reichen. Der sich nach einem Kreuzbandriss herankämpfende Nico Tadic wird wohl noch etwas warten müssen, bis er in der U23 wieder Spielpraxis erhält – vom Oberliga-Team ganz zu schweigen. Keven Feger, der am vergangenen Samstag mit einer Adduktorenverletzung vom Platz musste, muss ebenso noch pausieren wie Mauro Chiurazzi (Beckenentzündung). Zu allem Überfluss ist auch noch Steven Ukoh nach einer gelb-roten Karte gesperrt.

Der einzige Rückkehrer im Vergleich zur Begegnung am letzten Samstag im Feldspieler-Bereich dürfte somit Daniel Wehrle sein, obwohl er nach seiner Erkrankung unter der Woche noch nicht wieder bei 100 Prozent war. Auch Torhüter Andrea Hoxha steht nach seiner Abstellung zur U21-Auswahl Albaniens wieder zur Verfügung. Nach der starken Leistung von Marcel Bender in Pforzheim hat Jago Maric hier die Qual der Wahl. „Ich habe mich noch nicht endgültig entschieden: Einer von beiden wird enttäuscht sein, aber jeder unterstützt den anderen“, so der Trainer.

Aus der Not eine Tugend machen: So lautet das Motto des FC 08 angesichts der anhaltenden Personalprobleme. Immerhin ist man in der Vergangenheit bei nun neun Punktspielen ohne Niederlage nicht wirklich schlecht damit gefahren, haben junge Akteure wie Volkan Bak oder zuletzt Leo Benz die Lücken schließen können. Das erhofft sich Jago Maric auch gegen die Profis aus der Landeshauptstadt: „Wir können befreit aufspielen, müssen aber, wie zuletzt, sehr gut gegen den Ball arbeiten und enorme Laufarbeit leisten“, sagt der Coach. Die Kickers seien dafür bekannt, dass sie in der ersten halben Stunde eminenten Druck ausübten. „Wenn wir hier gegenhalten, werden sich früher oder später Möglichkeiten für uns eröffnen“, lautet der Matchplan.

Zusätzlich optimistisch können die FC 08-Verantwortlichen sein, wenn sie an die vergangene Saison denken: Da gelang der Maric-Truppe gegen die Degerlocher ein 4:2-Coup im dichten Schneetreiben. Natürlich hofft der Nullacht-Trainer auch auf die Unterstützung der Zuschauer, die ein lautstarkes Gegengewicht zu den zahlreichen Fans aus Stuttgart bilden sollen. „Ich freue mich total auf dieses Flutlicht-Spiel. Wer da angesichts unserer Tabellensituation nicht kommt, wird das wohl auch in den nächsten Wochen nicht tun“, gibt sich Maric optimistisch, dass eine ansehnliche Zuschauermenge in den Friedengrund strömt.