Fußball-Oberliga: In gewisser Hinsicht war es eine Doublette zur Partie in der vergangenen Saison: Auch da herrschte nach dem Abpfiff der Heimpartie des FC 08 Villingen gegen die Stuttgarter Kickers großer Jubel im Friedengrund, auch da war das Wetter gelinde ausgedrückt verbesserungswürdig, auch vor knapp sechs Monaten hatten die Villinger als vermeintlicher „Underdog“ die Begegnung verdient gewonnen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied: Anfang Mai 2019 ging es für die Nullachter nach dem 4:2 um nicht mehr allzu viel in der Tabelle. Diesmal verteidigten sie angesichts des 2:1 hingegen den zweiten Platz.

Prächtige Stimmung: Entsprechend gut war die Stimmung auf den Rängen, bei den Spielern und beim Trainerteam am regnerischen Samstagabend. FC 08-Trainer Jago Maric gingen allmählich die Superlative aus, um den neuerlichen Sieg seiner Mannschaft in Worte zu fassen: „Was die Jungs in Sachen Wille, Einstellung und Laufbereitschaft Woche für Woche leisten, ist sensationell“, sagte der stolze Coach. Auch der gewohnt faire Ramon Gehrmann, zum Saisonbeginn von Freiberg nach Stuttgart gewechselt, sprach von einem „verdienten Sieg“ der Villinger: „Sie haben mehr in die Zweikämpfe investiert und waren brutal effektiv.“

Gäste kommen nur schwer in Tritt: Die Kickers – darunter die unauffälligen Ex-Nullachter Cristian Giles und Daniel Niedermann – tauten hingegen erst nach einer Stunde einigermaßen auf, ohne allerdings viele zwingende Chancen herauszuspielen. Unter den Gratulanten im VIP-Bereich des Stadions befand sich auch Martin Braun, langjähriger FC 08-Trainer und bis zum Sommer als Sportlicher Leiter bei den Stuttgarter Kickers tätig.

Noch ein Kreuzbandriss? Die Moral des FC 08 war umso höher einzuschätzen, als das Team in der Anfangsphase eine weitere Verletzung wegstecken musste. Der gerade erst genesene Mauro Chiurazzi brauchte nach einem Zusammenprall Hilfe, um überhaupt den Platz zu verlassen. Die Befürchtung: Kreuzbandriss. „Wir brauchen noch eine weitere Untersuchung, aber es sieht leider alles danach aus“, sagte der Sportliche Leiter, Arash Yahyaijan. Er kann nur noch den Kopf schütteln: „Es ist nicht zu fassen – das wäre der neunte Kreuzbandriss in unserem Kader innerhalb von vier Jahren.“ Gleichwohl präsentierte sich das Team auch nach dem Schock wieder als Einheit, überzeugte die am Samstag wieder sehr junge Offensive um den laufstarken Volkan Bak sowie die beiden Torschützen Kamran Yahyaijan und Flamur Berisha durch Zielstrebigkeit. „Das hätte uns vor einigen Wochen niemand zugetraut“, freute sich Arash Yahyaijan.

Nur nicht abheben: Der Sportliche Leiter gab derweil das Motto aus: „Nur auf dem Boden bleiben.“ Am Samstag in Dorfmerkingen müssen die Nullachter angesichts von zehn Punktspielen ohne Niederlage wohl mit der Favoritenbürde leben. Dafür kehrt wohl der eine oder andere zusätzliche Akteur zurück in den Kader. Steven Ukoh nach seiner abgesessenen Gelb-Rot-Sperre ohnehin, vermutlich aber auch die gegen die Kickers noch verletzungsbedingt fehlenden Keven Feger und Damian Kaminski. Stjepan Geng wird nach seiner insgesamt einjährigen Pause vermutlich erst noch mal Landesliga-Luft mit der U23 schnuppern, was bei Nico Tadic wohl erst in ein oder zwei Wochen der Fall sein dürfte. Bei Kapitän Benedikt Haibt ist derweil eine weitere Untersuchung in Freiburg anberaumt. Auch mit etwas mehr Auswahl im Kader dürfte beim Gastspiel in Dorfmerkingen wieder die entscheidende Frage sein, ob das Nullacht-Team eine hohe Konzentrationsleistung abrufen kann. Wenn nicht, kann es – siehe Pokalspiel in Lahr – auch nach hinten losgehen.

Es bleibt spannend: Während die Mannschaft von Jago Maric nun zwei Punkte Vorsprung auf den Drittplatzierten aus Pforzheim (6:0 in Rielasingen!) hat, behält die Tabelle ansonsten ihre drängende Enge bei. Von den Pforzheimern bis zum Freiburger FC auf Platz 16 sind es gerade mal sieben Punkte Differenz. Berufsskeptiker könnten daher argumentieren, der FC 08 stünde lediglich neun Zähler vor einem sicheren Abstiegsrang. Andererseits: Nachdem die beiden Stuttgarter Teams entgegen der Erwartung die Liga nicht nach Belieben dominieren, sondern sich auf den Plätzen 6 (VfB II) und 7 (Kickers) eingependelt haben, scheint – zumindest nach zwölf Spieltagen – der Weg auch für andere Teams frei, im Meisterschaftsrennen ein Wörtchen mitzureden. Zumindest bei den Kickers scheint nach der Niederlage in Villingen Schluss mit lustig, wie der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht verdeutlichte. Man werde in dieser Woche genau hinschauen, wer von den Spielern mitziehe und wer nicht, sagte Siebrecht den Stuttgarter Nachrichten. „Es muss und wird Konsequenzen geben.“